Die britische Premierministerin Theresa May will die Rechte für polnische Staatsbürger in Großbritannien auch nach dem Brexit nicht beschneiden. Das sagte May nach einem Treffen mit der polnischen Ministerpräsidentin Beata Szydło. Solange die Rechte britischer Staatsbürger in der EU garantiert würden, gelte das auch für EU-Bürger in Großbritannien, sagte sie.

Bislang haben Polen und andere EU-Bürger das Recht, in Großbritannien zu arbeiten und zu leben. Mehr als 900.000 Polen leben inzwischen in Großbritannien und sind dort Einheimischen rechtlich weitgehend gleich gestellt. Dagegen leben nur etwa 34.000 Briten in Polen.  

Nach dem Brexit-Referendum hatte es eine Reihe rassistisch motivierter Gewalttaten gegen Polen gegeben. Nach dem Mord an einem polnischen Arbeiter in der Nähe von London im September waren bereits der polnische Innen- und Außenminister nach Großbritannien gereist, um bei der britischen Regierung auf den Schutz ihrer Landsleute zu drängen.

May hofft nun auf eine rasche Vereinbarung mit der polnischen Regierung über den künftigen Status der Polen in Großbritannien. "Ich hoffe, wir können eine baldige Vereinbarung zu diesem Thema treffen", sagte May nach dem Treffen mit Szydło. Bisher lehnen die 27 anderen EU-Regierungen Vorverhandlungen mit Großbritannien ab, solange die britische Regierung nicht ihren Austrittsantrag bei der EU eingereicht hat. Dies soll laut May spätestens Ende März geschehen.

Die polnische Regierungschefin Szydło sprach sich vor dem Treffen für einen "guten Kompromiss" mit den Briten aus. Ihr Land werde sich bei den Austrittsverhandlungen mit der EU als "konstruktiver Partner" einbringen, schrieb Szydło in der Zeitung Daily Telegraph. Beide Länder müssten "die besten Möglichkeiten für ökonomische und sicherheitspolitische Zusammenarbeit" bekommen. Szydło warnte May aber, die in Großbritannien lebenden Polen in den Verhandlungen als Faustpfand zu missbrauchen. Die Millionen EU-Ausländer in Großbritannien und die Millionen Briten in der EU dürften sich nicht "wie Geiseln fühlen", sagte Szydło. Ihr "Aufenthaltsrecht" müsse garantiert werden.

Die Briten stimmten am 23. Juni in einem Referendum mit knapper Mehrheit für einen Austritt ihres Landes aus der EU. Viele Brexit-Befürworter erhofften sich von einem EU-Austritt, dass der Zuzug von EU-Arbeitnehmern vor allem aus Osteuropa eingeschränkt werden kann. Die Regelung eines künftigen Zugangs der Briten zum EU-Binnenmarkt und die Freizügigkeit von Beschäftigten dürften in den Verhandlungen die schwierigsten Themen sein.