Bundespräsidentenwahl in Österreich: "Na schau, da ist unser Bundespräsident"

Alexander Van der Bellen hat laut vorläufigem amtlichen Endergebnis ohne Briefwahlstimmen die Wahl gewonnen. Er will Präsident aller Österreicher sein. Unser Live-Blog
Der künftige Bundespräsident Österreichs, Alexander Van der Bellen © Christian Bruna/EPA

Österreich hat einen neuen Bundespräsidenten: Alexander Van der Bellen setzte sich gegen den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer durch. Was lange nach einem engen Rennen aussah, war wenige Minuten nach Schließung der Wahllokale bereits entschieden.

Für Norbert Hofer und die Rechtspopulisten der FPÖ ist das Ergebnis eine schwere Niederlage. Van der Bellen erhielt nach der Stimmenauszählung in allen Wahlbezirken am Sonntagabend 50,35 Prozent. Laut Hochrechnung, die auch die Briefwähler berücksichtigt, sind es 53,3 Prozent für Van der Bellen. Die Briefwahlstimmen werden am Montagmorgen ausgezählt.

Hofer gestand seine Niederlage bereits ein. Zugleich kündigte er seine erneute Kandidatur für das Jahr 2022 an. Politiker aus Deutschland und Europa interpretierten das Ergebnis als Absage an Rechtspopulismus.

Van der Bellen sieht in seinem Sieg auch eine Bestätigung seines proeuropäischen Wahlkampfs. Als Bundespräsident wolle er das Land einen, so dass am Ende seiner Amtszeit die Menschen in Österreich von "unserem Bundespräsidenten" sprechen.

  • 20:12 Uhr
    Sybille Klormann

    Das Aufatmen in Europa, es ist heute Abend – wenige Stunden, bevor auch das Ergebnis des Referendums in Italien bekannt wird – deutlich zu hören. 

    Auch EU-Ratspräsident Donald Tusk hat dem künftigen österreichischen Präsidenten Alexander Van der Bellen zum Wahlsieg gratuliert und ihm Erfolg gewünscht. "Zu einer Zeit, in der wir vor schwierigen Herausforderungen stehen, bleibt der weitere konstruktive Beitrag Österreichs beim Finden gemeinsamer europäischer Lösungen und beim Erhalt unserer europäischen Einheit von entscheidender Bedeutung", sagte Tusk am Sonntagabend in Brüssel.

  • 20:02 Uhr
    Benjamin Breitegger

     "Ich sehe das Ergebnis auch mit einem lachenden Auge", sagt der freiheitliche Vizebürgermeister Wiens, Johann Gudenus, der Tageszeitung Der Standard. "Immerhin hat sich jeder zweite Österreicher für einen freiheitlichen Kandidaten entschieden."

  • 19:50 Uhr
    Sybille Klormann

    Das vorläufige Endergebnis ohne Briefwahl liegt vor: Van der Bellen liegt mit 50,35 Prozent vorne, Hofer erreicht 49,65 Prozent. 


    Die Hochrechnung, die Briefwähler berücksichtigt, ergibt folgendes Bild: 53,3 für Van der Bellen, 46,7 Prozent für Hofer.



  • 19:48 Uhr
    Michael Stürzenhofecker

    "Klarer Sieg gegen den Nationalismus", "Ein Sieg der Vernunft", "Bei den nächsten Parlamentswahlen werden sie siegen" – Deutschland und Europa reagieren auf die Präsidentenwahl in Österreich.

  • 19:38 Uhr
    Sybille Klormann

    Die beiden Kandidaten sind gerade noch einmal live im ORF und Norbert Hofer hat Van der Bellen soeben gratuliert – mit Handschlag! Damit geht ein langer, schmutziger Wahlkampf doch noch mit etwas Anstand zu Ende. Beim letzten TV-Duell hatten sich beide Kandidaten hart angegangen – und ohne Handschlag verabschiedet.


    Van der Bellen will auf jene zugehen, die ihn nicht gewählt haben. "Unser Bundespräsident", dieses Credo sei jetzt das Wichtigste. 

    Er sei sich sicher, dass sein proeuropäischer Wahlkampf bei einer Mehrheit der Wählerinnen und Wähler ankam – und diesen Kurs werde er auch künftig weiter verfolgen. "Man kann Wahlen gewinnen mit proeuropäischen Positionen", sagte Van der Bellen. Das sei ein "gutes, starkes Signal" an die europäischen Hauptstädte.

    Hofer zeigt sich enttäuscht: "Ich hätte gerne aufs Land aufgepasst." Die Niederlage tue ihm "sehr weh". Er will FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache bei der nächsten Parlamentswahl 2018 unterstützen und sagt: "Vielleicht darf ich in sechs Jahren noch mal als Bundespräsident antreten."

  • 19:27 Uhr
    Sybille Klormann

    Es fehlen nur noch zwei Gemeinden, ansonsten sind 99,8 Prozent aller Stimmen ausgezählt.

  • 19:26 Uhr
    Benjamin Breitegger

    Weitere Gratulationen trudeln ein: EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) sieht den Erfolg Van der Bellens als "schwere Niederlage für Nationalismus, Rückwärtsgewandtheit und antieuropäischen Populismus". 


    Der Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, schreibt: "Van der Bellen war in einem harten Wahlkampf der Kandidat, der die Verteidigung der liberalen Werte repräsentierte, die sich gegenwärtig überall Angriffen von innen und außen erwehren müssen. Nun hat er die schwierige Aufgabe, die Kluft in der Bevölkerung zu schließen. Dafür wünsche ich ihm viel Kraft." 

    Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) freut sich auf die Zusammenarbeit mit Van der Bellen. "Unser Ziel ist es, Österreich so wie bisher gemeinsam im Ausland zu vertreten und mit einer Stimme zu sprechen."

  • 19:12 Uhr
    Benjamin Breitegger

    Hätten nur Männer gewählt, wäre Norbert Hofer neuer Bundespräsident Österreichs. Laut einer Wahltagsbefragung stimmten mehr als 60 Prozent der Wählerinnen für Alexander Van der Bellen.

    Frauen Männer Exit Polls

  • 19:03 Uhr
    Ferdinand Otto
    In Wien hat Van der Bellen deutlich gewonnen, auch wegen Menschen wie ihm:
  • 19:01 Uhr
    Sybille Klormann

    Kleiner Ausreißer, der nicht überrascht: Kärnten geht mit deutlicher Mehrheit an Norbert Hofer. Hier gaben 56,55 Prozent der Bürger ihre Stimme dem FPÖ-Kandidaten. Nur 43,45 Prozent gingen an Van der Bellen.


    In ganz Österreich sind jetzt 95 Prozent der Stimmen (ohne Briefwahl) ausgezählt. Ergebnisse zu den einzelnen Gemeinden finden Sie hier.

  • 18:51 Uhr
    Ferdinand Otto
    Beim <b>Team Van der Bellen</b> beginnt der gesellige Teil des Abend. Bei Würstchen und Weißwein feiern seine Anhänger das Ergebnis, wahrscheinlich geht die Party hier noch eine Weile.
Im Hintergrund läuft der ORF-Livestream. Als gerade der unterlegene Hofer sprach, war es still, man lauschte aufmerksam – nur unterbrochen von gelegentlichen Buh-Rufen. Ob der zukünftige Präsident vielleicht später noch hier vor seinen Fans sprechen wird, ist unklar.
  • 18:50 Uhr
    Florian Gasser

    Ein wenig ratlos sahen die Journalisten in der Wiener Hofburg aus. Fast alle hatten damit gerechnet, dass es knapp wird – so knapp, dass auch diesmal kein Sieger am Wahlabend feststehen würde. Doch es kam anders und hat alle überrascht. "Was machen wir jetzt noch heute?", fragen sich viele und wandern zwischen den einzelnen Fernsehstationen hin und her, deren Bühnen nebeneinander stehen. Manche packen schon zusammen, andere laben sich am Buffet und viele brechen zur Wahlparty der Grünen auf.

  • 18:44 Uhr
    Benjamin Breitegger

    Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) gratuliert Van der Bellen. Er sei ein "guter Partner für eine weltoffene Politik der Chancen". "Härte und Mittel im Wahlkampf waren nicht immer vorbildlich", sagte Kern. Niemand solle sich als Verlierer fühlen. "Wir alle gemeinsam sind Österreich." Europa stehe vor großen Herausforderungen, die man nun angehen müsse.

  • 18:35 Uhr
    Michael Stürzenhofecker

    Norbert Hofer kündigt an, bei der nächsten Präsidentenwahl 2022 wieder anzutreten. "Ich lasse meine Wähler nicht im Stich."

  • 18:35 Uhr
    Sybille Klormann

    Van der Bellen äußert sich im ORF: "Ich glaube, dass das Engagement von Tausenden, Zehntausenden Freunden – völlig unabhängig von unserem Wahlkampf – wesentlich zum Erfolg beigetragen hat."


    "Die Werte, die mich treiben, sind die alten Werte: Freiheit, Gleichheit, Solidarität mit all jenen, die es in unserem Wirtschaftssystem im Moment nicht so gut haben – das sind Dinge, die die Mehrheit der Österreicher unterschreiben."

    Für die Zukunft wünsche er sich, dass die Leute am Ende der Amtszeit auf der Straße auf ihn zugehen und sagen: "Schau, da ist unser Bundespräsident." – nicht DER, sondern UNSER Bundespräsident.

  • 18:29 Uhr
    Benjamin Breitegger

    Eine Kollegin der österreichischen Tageszeitung Der Standard ist in den Wiener Sophiensälen, wo die Wähler Van der Bellens feiern:
    VdB

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