Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat nach dem überraschenden Wahlsieg Donald Trumps vor schwer einzuschätzenden transatlantischen Beziehungen gewarnt: "Ich will nichts schönreden, vieles wird schwierig", sagte Steinmeier. Die Beziehungen zwischen den USA und Deutschland seien jedoch so etwas wie das Fundament des Westens. Er drückte die Hoffnung aus, dass es "nicht zu größeren Verwerfungen in der internationalen Politik" komme. "Wir wissen nicht, wie Donald Trump Amerika regieren wird."

Die Bedeutung dieses Wahlausgangs sei nicht zu unterschätzen, sagte Steinmeier. Das Ergebnis sei anders, als sich das viele in Deutschland gewünscht hätten. Nun gelte es, die Wunden zu heilen, die das Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump hinterlassen habe. Er selbst sei tief verstört gewesen über die Art und Weise, wie der amerikanische Wahlkampf verlaufen sei, das habe er in den vergangenen Wochen bereits mehrfach gesagt.

"Wenn Donald Trump wirklich Präsident aller Amerikaner werden will, wie er das heute morgen angekündigt hat, dann wird es eine seiner ersten Aufgaben sein, die tiefen Gräben zuzuschütten", sagte Steinmeier. Noch größer sei aber die Herausforderung, mit den hohen Erwartungen umzugehen, die Trump selbst geweckt habe, sagte der Außenminister. Kurz nach Steinmeier äußerte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie bot Trump eine enge Zusammenarbeit an auf Basis der Menschenrechte und der weiteren westlichen Werte, wie sie in einem Statement betonte.   

Während des Wahlkampfs hatte Steinmeier Trump einen Hassprediger genannt. In dem Republikaner sehe er eine "reale Gefahr". 

Steinmeier schlug ein Sondertreffen der EU-Außenminister n Brüssel vor, wie aus dem Auswärtigen Amt verlautete. Das Treffen soll am Sonntagabend stattfinden, einen Tag vor dem nächsten regulären Rat der Außenminister der 28 EU-Mitgliedsstaaten.

SPD-Chef und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte Trump zuvor als den "Vorreiter einer neuen autoritären und chauvinistischen Internationalen" bezeichnet. Er sei auch eine Warnung. "Wir finden sie nicht nur mit Putin in Russland oder mit Erdoğan in der Türkei, sondern auch mitten in Europa in Frankreich mit Le Pen aber auch mit Sarkozy, in Polen mit Kaczyński, in den Niederlanden mit Wilders oder in Deutschland mit der AfD."

"Schwerer Schock"

In Wahrheit gehe es dieser neuen autoritären Internationale um viel mehr, sagte Gabriel: "Es geht ihnen um ein echtes Rollback in die schlechten alten Zeiten. In denen Frauen an den Herd oder ins Bett gehörten, Schwule in den Knast und Gewerkschaften höchstens an den Katzentisch. Und wer das Maul nicht hält, wird öffentlich niedergemacht."

Am Morgen, als der Wahlsieg von Trump noch nicht feststand, sprach Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bereits von einem "schweren Schock". Die CDU-Politikerin sagte: "Auch wir Europäer wissen natürlich als Bündnispartner in der Nato, dass Donald Trump als Präsident fragen wird, was leistet ihr im Bündnis. Aber auch wir fragen, wie steht ihr zum Bündnis?" Auch wisse Trump, dass diese keine Wahl für ihn, sondern eine gegen Washington, gegen das Establishment war.