Man kennt sich im The Fountain. Auf den schwarzen und roten Barhockern sitzen jeden Morgen und Mittag die Stammkunden. Die Gäste kennen die Kellnerinnen, die Kellnerinnen ihre Gäste, man nennt sich grundsätzlich beim Vornamen. "Kaffee?" "Nein, Pepsi." "Was, Pepsi heute?" Das ist die größte Überraschung an einem durchschnittlichen Tag im Diner des Städtchens Celina in Mercer County, weit im Westen Ohios.

Die Auswahl an Kuchen steht in Handschrift auf einer Tafel über der Fritteuse, daneben die wenigen täglichen Specials. Die ändern sich so wenig wie der beige Tresen und die vergilbte Pepsi-Werbung aus den Siebzigern, die an der Wand hängt. Filterkaffee wird aus großen Kannen serviert, 90 Cent, keine Sojamilch, dafür ist die Tasse immer gefüllt.

Becky schiebt altes Fett und Reste von Speck in eine kleine Rinne vor der Grillplatte, bevor sie neuen Schinken und Hackfleisch darauf wirft. An den Ecken frisst sich schon der Rost durchs Metall. Sechs Jahre war Becky hier die Vollzeitköchin, dann wechselte sie in eine Plastikfabrik am Stadtrand. 12 Dollar die Stunde verdient sie dort und hat nun eine Krankenversicherung. Zum Leben reicht es trotzdem nicht so recht. Deswegen hilft sie noch ab und zu im The Fountain aus.

Ein Mindestlohn von 15 Dollar, wie ihn Hillary Clinton als Präsidentschaftskandidatin gefordert und versprochen hat, würde ihr helfen. Becky hat trotzdem Donald Trump gewählt, so wie 80,7 Prozent der Wähler in Mercer County. Nirgendwo in Ohio waren es mehr. In einigen Vorgärten sind die Trump-Schilder immer noch nicht von der Weihnachtsbeleuchtung verdrängt worden.

Freiheit und Tapferkeit

In Celina und den anderen kleinen Orten wohnen nicht die ganz Armen der USA, nicht alle Geschäfte stehen leer, es existieren noch ein paar Einzelhändler, die Staubsauger, Brautmoden und Kinderkleidung verkaufen. Im Umkreis von Celina gibt es ein paar Fabriken, so wie die, in der Becky arbeitet. In Mercer County lebt die untere, weiße Mittelschicht. Sie trifft sich für ein günstiges Essen im The Fountain.  

Trump-Tower zieht Neugierige und Touristen an Nach der Wahl Donald Trumps wollen immer mehr Menschen seinen Tower in New York besichtigen. Das in den siebziger Jahren gebaute Hochhaus ist derzeit das politische Hauptquartier des künftigen US-Präsidenten. © Foto: Brendan McDermid/Reuters

"Ich hoffe, dass Trump grundsätzlich etwas Gutes für die Wirtschaft bewegen wird", sagt Becky und wendet die Spiegeleier. Was genau das Gute sein soll, kann sie nicht konkretisieren. Aber unter Obama sei doch alles schlechter geworden in den vergangenen acht Jahren. Und Obamacare mag sie auch nicht, hat es nie in Anspruch genommen. 

Auf der Rückseite ihres T-Shirts guckt hinter der Schürzenschleife der Weißkopfseeadler hervor, das Wappentier Amerikas. Freedom Days, Because of the Brave steht darauf. Es ehrt die Freiheit der USA und die Tapferen des Landes. Es passt ins Diner so wie die Männer mit ihren Baseballcaps in Camouflage. Das Leben scheint stehengeblieben, im Design und im Denken. Im Fernseher läuft The Price is Right. Den ganz großen Gewinn hat hier noch niemand gemacht.