Ein Paar wütender Augen hinter einem Müllcontainer. Sehschlitze. Neben der jungen Frau, die kaum über den Rand schauen kann, taucht jetzt noch ein Vermummter auf, und noch einer. "Lasst uns in Ruhe, wir machen das seit Jahren so", faucht sie, der Container kippelt. Die Menge drückt dagegen. Aus der Ferne, scheinbar gelangweilt, schauen Polizisten zu.

"Peaceful protest"

Es ist kurz vor Mitternacht in Oakland und die Trump-Gegner haben für einen Moment vor allem mit sich selbst zu tun. Wie weit wollen sie gehen, um einen Präsidenten Donald Trump zu verhindern? Anzünden? Und wenn ja, nur den Container oder gleich das Auto nebenan wie in der Nacht zuvor, als hier in Oakland zwei Polizeiautos und eine Trump-Figur brannten?

Und wollen sie ihn überhaupt verhindern oder nur ihre Nichtanhängerschaft bekunden, im Internet mit #NotMyPresident und mit Rufen in den Straßen? Und vielleicht ein paar Pläne schmieden: auswandern, Kaliforniens Unabhängigkeit ausrufen (#CalExit) oder einfach durchhalten, bis die nächste Wahl (#Election2020, #Michelle2020) oder das erhoffte Impeachment Donald Trump entthront?

Tausend Demonstranten, tausend Meinungen. Doch für den Moment kann sich die gemäßigte Mehrheit durchsetzen. Container und Autos bleiben stehen, die Menge zieht weiter, "Peaceful protest" rufend.

Seit Trumps Wahlsieg gehen in vielen US-Städten täglich Tausende Menschen spontan auf die Straße – vor allem in Kalifornien, das mit 62 Prozent für Hillary Clinton stimmte. Neben weitgehend friedlichen Protesten in San Francisco, Berkeley und Los Angeles macht Oakland seinem Ruf als Randalestadt alle Ehre: "Oakland is being Oakland", wie es die Anonymous-Bewegung auf Twitter schreibt.

Fünf Stunden zuvor, die Demonstranten sammeln sich auf der Frank Ogawa Plaza vor dem Rathaus in Oakland. Zwischen Bürotürmen leuchtet der Vollmond, Freunde blicken einander in erschöpfte Augen. Es ist Tag drei nach dem Trump-Sieg, die Lebensgeister kehren langsam zurück. "Erst drehte sich Florida um, dann Ohio, dann North Carolina und dann mein Magen", sagt eine ältere Frau. In der Nacht nach der Wahl schliefen sie alle schlecht, die meisten berichten noch immer von Bauchkrämpfen und Atemnot.

"Racist, sexist, anti-gay, Donald Trump go away"

Bayleas Wilson zieht von einer Gruppe zur nächsten; sie sammelt E-Mail-Adressen für die Organisatoren der Demonstration. "Donald Trump sät Hass gegen jede Gruppe, zu der ich gehöre", sagt sie. "Ich zittere beim Gedanken daran, dass er mein Präsident werden soll." Die 15-Jährige ist eine ganz normale Schülerin aus Oakland, wo ganz normal eben auch heißen kann: Sie ist queer, schwarz, hat viele muslimische Freundinnen und ist mit Patentanten aufgewachsen, die aus Mexiko und El Salvador eingewandert sind.

Bayleas spricht rasend schnell, als könne ihre Energie und ihre Ideen Trumps Amtsantritt doch noch verhindern. Oder ein Impeachment wie "damals", als Richard Nixon wegen des Watergate-Skandals des Amtes enthoben wurde – 26 Jahre vor ihrer Geburt. Trumps Sieg ist für Bayleas besonders bitter, weil sie keine Stimme hatte, aber darunter leiden wird.