Nein, seinen Außenminister hat der designierte Präsident noch nicht benannt. Dafür hat Donald Trump den Namen für seinen Mann im Heimatschutzministerium veröffentlicht: Der hochdekorierte General John Kelly soll die Behörde leiten – er ist der dritte ehemalige General im Team Trump. Viele Posten sind bereits besetzt, viele weitere Namen werden für die noch leeren Ministersessel gehandelt. Der Trump Tower in Manhattan gleicht derzeit einer riesigen Jobbörse.

Hier unsere Liste der neuen Minister und wichtigsten Kandidaten:


Bereits bestätigt:

Stephen Bannon: Rechter Lautsprecher

Stephen Bannon © Mandel Ngan/AFP/Getty Images
Bestätigt
  • Alter: 62
  • Beruf: Banker
  • Politikerfahrung: Wahlkampfchef Donald Trumps
  • Job: Chefberater

Stephen Bannon war bis 2011 Chef der ultrarechten Nachrichtenseite Breitbart News Network. Diese richtet sich in ihrer Selbstbeschreibung gegen das politische Establishment – sowohl Demokraten als auch Republikaner – und die "permanente politische Klasse". Bannon scheut weder die Nähe zu Neonazis noch schreckt er vor Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus zurück. Selbst unter Konservativen gilt er als Hardliner, ständig griff er die Führung der Republikaner an, allen voran Paul Ryan. Jetzt ist der selbsternannte politische Außenseiter als Chefstratege des designierten Präsidenten im Zentrum der Macht angekommen. Trump stellte klar, dass er Bannon auf Augenhöhe mit Priebus sieht und Bannon auch an der Auswahl der Kabinettsmitglieder beteiligt werde.

Bloomberg beschrieb Bannon als den "gefährlichsten politischen Akteur in Amerika". Relativ spät hatte er sich Trump angeschlossen und dessen Abgrenzung von der Partei vorangetrieben.

Die lange von Bannon geprägte Seite Breitbart News expandierte inzwischen nach Großbritannien, wo das Portal den EU-Austritt befeuerte. Nun sind weitere Ableger geplant: in Deutschland und Frankreich.

Bannon war Marineoffizier, hat im Pentagon gearbeitet und ist Harvard-Absolvent. Als Banker für Goldman Sachs hat er Millionen verdient. Ausgerechnet die Finanzkrise 2008 soll ihn politisiert haben. Die Regierung in Washington rettete große Banken, Bannons Vater aber verlor seine Rentenvorsorge – das habe ihn "angeekelt".

Mit seinem Vermögen gründete Bannon 2012 das Government Accountability Institute. Die Rechercheeinrichtung soll Vetternwirtschaft und Korruption aufdecken. Mit dem Film Clinton Cash brachte das Institut Hillary Clinton während des Wahlkampfs in Probleme. Recherchierte Dokumente legten nahe, dass die Außenministerin Geldgebern der Clinton Foundation politische Vorteile verschaffte. Zum Chef der Rechercheorganisation machte Bannon Peter Schweizer, der zeitweise Sarah Palin beraten hatte.

Mike Flynn: Ein General auf Abwegen

Mike Flynn © George Frey/Getty Images
Bestätigt
  • Alter: 57
  • Beruf: Ex-General der US-Armee
  • Politikerfahrung:
  • Job: oberster Berater für Nationale Sicherheit

Trump hat nicht gedient. In den USA ist das politischer Ballast: Auch Barack Obama musste sich wieder und wieder dafür rechtfertigen, nie Amerikas Streitkräften angehört zu haben. Im Wahlkampf warb deshalb Michael Flynn, der ehemalige Drei-Sterne-General der US Army, vor Veteranen und Soldaten für Trump. Präsident Obama nannte er einen Lügner, die US-Justiz bezeichnete er als korrupt, Hillary Clinton verglich er mit den Milizen der Terrororganisation Al-Kaida, die er in Afghanistan bekämpft hatte. Bei Trumps Unterstützern kam das gut an. Immer häufiger engagierte der Kandidat im Wahlkampf den Ex-Militär.

Lange galt Flynn als brillanter Stratege. Doch durch sein Engagement für Trumps Wahlkampf geriet er in die Kritik seiner Kollegen. Seine radikalen Parolen gegen Muslime und eine bezahlte Rede, die er 2015 während einer Jubiläumsfeier des russischen Regierungskanals RT in Moskau hielt, machen ihn heute zu einem Außenseiter in der amerikanischen Sicherheitsszene. Doch führen wohl gerade seine umstrittenen Ansichten dazu, dass Trump in ihm eine wertvolle Ergänzung für sein Kabinett sieht.

Team Trump - Ex-Geheimdienstler soll US-Sicherheitsberater werden US-Präsident Donald Trump möchte Michael Flynn, früherer Direktor eines Militärgeheimdienstes DIA, zum nationalen Sicherheitsberater ernennen. Er beriet Trump auch im Wahlkampf in Sicherheitsfragen. © Foto: Mike Segar/ Reuters

Mike Pompeo: Der Falke

Mike Pompeo, Abgeordneter aus Kansas © Jacquelyn Martin/AP/dpa
Bestätigt
  • Alter: 52
  • Politische Erfahrung: Abgeordneter im Repräsentantenhaus
  • Beruf: Rechtsanwalt
  • Job: CIA-Direktor

Seit 2010 ist der Republikaner aus Kansas Mitglied des Repräsentantenhauses. Pompeo sorgte dort vor allem im Untersuchungsausschuss zum Angriff auf die US-Botschaft in Bengasi im Jahr 2012 für Aufmerksamkeit. Der 52-Jährige war einer der schärfsten Kritiker Hillary Clintons. Der Untersuchungsausschuss konnte zwar keine Fehler der damaligen Außenministerin feststellen, wie im Abschlussbericht klargestellt wurde. Pompeo jedoch verfasste zusammen mit einem anderen Abgeordneten eine 48-seitige Zusatzerklärung, in der Clinton Vorwürfe gemacht wurden. Die demokratische Kandidatin musste sich im Wahlkampf immer wieder für den Vorfall in Libyen rechtfertigen.

Pompeo gilt als Sympathisant der Tea-Party-Bewegung. Das Atomabkommen mit dem Iran hält er für einen Fehler und will es rückgängig machen. Die New York Times nennt ihnen einen Falken. Der Zeitung zufolge wurde er 2010 von den konservativen Koch-Brüdern mit mehr Geld als jeder andere Kandidat unterstützt. Pompeo gilt als Vertrauter von Vizepräsident Mike Pence.

Pompeo leistete Militärdienst unter anderem in West Point. Später studierte er Jura an der Harvard-Universität, gründete ein Unternehmen und arbeitete bei verschiedenen Firmen. Die Washington Post zitiert einen CIA-Mitarbeiter, der Pompeo wegen seiner Zeit beim Militär und im Parlamentskomitee für Geheimdienste für durchaus geeignet hält.

Reince Priebus: Der Junior

Reince Priebus in Cleveland, Ohio © John Moore/Getty Images
Bestätigt
  • Alter: 44
  • Beruf: Staatsanwalt
  • Politikerfahrung: Parteichef der Republikaner seit 2011, vorher Chef der Partei im US-Bundesstaat Wisconsin
  • Job: Stabschef im Weißen Haus

Reince Priebus gilt als einer der Architekten von Trumps Wahlsieg. Er war es, der das Geld seiner Partei entgegen der republikanischen Tradition nicht mehr nur für TV-Werbespots, sondern für professionelles Wahlkampfpersonal einsetzte. Nur durch diese Entscheidung konnten die Republikaner den Tausenden freiwilligen Helfern von Trumps Rivalin Hillary Clinton eine substanzielle Kampagne entgegensetzen: Laut der Nachrichtenseite Politico installierte Priebus 315 Wahlkampfbüros im ganzen Land, seine Leute klopften an 24 Millionen Haustüren, riefen 26 Millionen Menschen per Telefon zur Wahl auf.

Wegen dieses strategischen Erfolgs, und auch, weil er trotz der Kritik der Parteielite nicht von Trumps Seite wich, war er nach der Wahl als Stabschef im Weißen Haus im Gespräch. Der Posten gilt als einer der wichtigsten im amerikanischen Regierungsapparat – kein Gesetzentwurf, kein Staatsbesuch und kein Vieraugengespräch mit dem Präsidenten kommt zustande, ohne dass der Chief of Staff davon weiß. Im West Wing, dem administrativen Flügel des Weißen Hauses, sitzt er wie ein Wachhund vor dem Oval Office, dem Büro des Präsidenten. Der erfahrene Politiker Priebus verfügt über enge Beziehungen zur republikanischen Parteiführung, insbesondere zum Präsidenten des Repräsentantenhauses, Paul Ryan.

Der ultrarechte Kommentator Michael Savage kritisierte Priebus' Nominierung scharf. Dieser stehe für all das, was, die Wähler abgelehnt hätten, zitierte ihn die rechte Nachrichtenseite Breitbart News, die maßgeblich Trumps Kandidatur unterstützte. Priebus sei der Feind im Inneren, weil er die Republikanische Partei verkörpere und sich für Immigration eingesetzt habe.

Jeff Sessions: Der Südstaatler

Jeff Sessions in Cleveland, Ohio © David Maxwell
Bestätigt
  • Alter: 69
  • Beruf: Staatsanwalt, Senator
  • Politikerfahrung: Senator von Alabama seit 1996
  • Job: Justizminister

Jeff Sessions ist ein konservativer Hardliner: gegen gleichgeschlechtliche Ehe, gegen Freihandelsabkommen, gegen ein liberales Abtreibungsgesetz und für Steuersenkungen und den Irak-Krieg. In der Einwanderungspolitik gilt er selbst bei den Republikanern als Hardliner. Seit Jahren macht Sessions sich für Zäune an der Grenze zu Mexiko stark. Wie Trump fordert er, illegale Migranten auszuweisen. Bereits mehrfach musste Sessions sich für radikale Äußerungen entschuldigen, zum Beispiel zum Ku-Klux-Klan.

Seit 2007 hat er in fast allen Abstimmungen im Kongress gegen die Gesetzesentwürfe der Demokraten gestimmt. Er ist Teil der ultrakonservativen Fundamentalopposition und unterstützte die Tea-Party-Bewegung. 2007 wurde der Anhänger der Methodisten vom US-Magazin National Journal auf der Liste der konservativsten Senatoren auf Platz fünf gesetzt. Sessions war drei Jahre lang Offizier der US-Armee. Seit Jahren beklagt er Sparmaßnahmen im Militärhaushalt.

Dass Sessions sich angesichts diverser Skandale Trumps nicht wie viele seiner Kollegen vom republikanischen Präsidentschaftskandidaten losgesagt hat, erstaunte viele Kollegen. Seit März dieses Jahres unterstützt er Trump und berät ihn vor allem bei außenpolitischen Fragen. Sessions soll dafür verantwortlich sein, dass Trump von einigen extremen Positionen abwich – etwa der Unterstützung Putins. Der Senator von Alabama war im Gespräch, als Vizepräsident neben Trump zu kandidieren – dann wurde Mike Pence nominiert.

Sessions Loyalität zahlt sich nun aus: Trump macht ihn zum Justizminister. Der Jurist hatte bereits als Generalstaatsanwalt in Alabama gewirkt.

Nikki Haley: Die Ausnahme

© Kevin Lamarque/Reuters
Bestätigt
  • Alter: 44
  • Beruf: Buchhalterin
  • Politikerfahrung: seit 2011 Gouverneurin von South Carolina
  • Job: UN-Botschafterin

Sie ist die erste Frau, die Trump offiziell in seinem Team aufgenommen hat: Der designierte US-Präsident hat Nikki Haley als UN-Botschafterin vorgeschlagen, sie nahm das Angebot an. "Sie wird uns als großartige Anführerin auf der Weltbühne vertreten", sagte Trump über die 44-Jährige. Sie habe bewiesen, dass sie Menschen unabhängig von Herkunft und Parteizugehörigkeit zusammenbringen könne. Haley soll im Januar auf UN-Botschafterin Samantha Power folgen. Die Personalie muss vom Senat bestätigt werden.

Haley ist eine krasse Außenseiterin im Team Trump: Mit ihren 44 Jahren wäre sie eine der Jüngsten, außerdem stammt sie aus einer Familie indischer Einwanderer. Haley hatte im Wahlkampf öffentlich bekundet, dass sie "kein Fan" von Trump sei. Sie kritisierte den republikanischen Kandidaten mehrfach offen und bezeichnete ihn als "alles, was ein Gouverneur sich nicht von einem Präsidenten wünscht". Im Oktober sagte sie schließlich, sie werde Trump dennoch wählen.

Haley bringt politische Erfahrung mit. In ihrer zweiten Amtszeit als Gouverneurin von South Carolina beschäftigte sie sich vor allem mit Handels- und Arbeitsfragen, führte in diesem Zusammenhang auch mehrere Handelsdelegationen zum Beispiel nach Indien, Deutschland oder Japan. US-Medien berichten, sie habe als Gouverneurin "mindestens acht Auslandsreisen" unternommen, davon drei zum Autobauer BMW in Deutschland.

Ob sie über diplomatisches Geschick verfügt, das müsste Haley im kommenden Jahr erst einmal unter Beweis stellen. Trump glaubt an ihre Fähigkeiten: Haley habe Deals ausgehandelt, sagte Trump, "und wir wollen viele Deals machen".  

Nikki Haley - Trump macht frühere Gegnerin zur UN-Botschafterin Die Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, soll neue US-Botschafterin für die Vereinten Nationen werden. Die 44-jährige Tochter indischer Einwanderer und Trump-Kritikerin ist die erste von zwei bestätigten Frauen in Trumps Kabinett. © Foto: Chris Keane/Reuters

Betsy DeVos: Die Milliardärin

© Mike Segar/Reuters
Bestätigt
  • Alter: 58
  • Beruf: Geschäftsfrau
  • Politikerfahrung: mehrere Jahre Vorsitzende der Republikaner im Bundesstaat Michigan
  • Job: Bildungsministerin

Die konservative Bildungsreformerin und Großspenderin soll das Bildungsministerium übernehmen. Betsy DeVos stammt aus einer Unternehmerfamilie, ist Milliardärin und Philanthropin. Sie soll nach dem Willen Trumps einen Kurswechsel in der Bildungspolitik einleiten und verkrustete Strukturen im Bildungssektor aufbrechen. Ziel sei es, eine "Bildung auf Weltniveau" anzubieten und den Eltern mehr Spielraum bei der Wahl der Schule für ihre Kinder zu geben.

DeVos stammt aus einer reichen Unternehmerfamilie und engagiert sich seit Langem für eine konservative Bildungsreform. Unter anderem will sie erreichen, Eltern etwa durch Steuererleichterungen einen Anreiz zu geben, Kinder von wenig effizienten staatlichen Schulen auf privat geleitete Einrichtungen umzumelden. Der gegenwärtige Stand des US-Bildungssystems sei "inakzeptabel", sagte DeVos nach der Nominierung durch Trump. Nötig sei eine Transformation des Bildungssektors, damit jedes Kind sein Potenzial ausschöpfen könne.

Die Lehrergewerkschaft NEA reagierte mit Empörung auf die Nominierung der Bildungsreformerin. DeVos habe es sich zum Ziel gemacht, das staatliche Schulsystem "zu privatisieren, zu entprofessionalisieren und zu unterminieren", kritisierte NEA-Vorsitzende Lily Eskelsen Garcia.

Tom Price: Ein Mann mit Plänen

Soll Gesundheitsminister unter Donald Trump werden: Tom Price © Joshua Roberts/Reuters
Bestätigt

Alter: 62
Beruf: Orthopäde
Politikerfahrung: Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus
Job: Gesundheitsminister

Obamacare ersetzen – das ist das erklärte Ziel von Tom Price. Seit 2005 vertritt der Republikaner den Bundesstaat Georgia im US-Repräsentantenhaus in Washington. In den vergangenen sechs Jahren hat sich der Anhänger der Tea-Party-Bewegung auf die Gesundheitsreform Barack Obamas eingeschossen: Erfolglos, unausführbar und unbezahlbar sei Obamacare, twitterte Price Mitte Oktober. Er selbst wirbt für einen "besseren Weg" (#betterway), der Verbesserungen im Gesundheitssektor fordert, aber auch Änderungen für den Arbeitsmarkt oder im Bereich nationaler Sicherheit vorsieht.

Abtreibungsgegner jubeln über die Entscheidung, Price zum Gesundheitsminister zu machen: Er ist Pro-Life-Anhänger. Sein Ressort verwaltet Zahlungen an die Organisation Planned Parenthood, dem größten Anbieter von legalen Schwangerschaftsabbrüchen. "Er kann das Rad der Geschichte mehrere Jahre zurückdrehen", sagte die Präsidentin der Organisation, Cecile Richards. Auch die kostenlose Abgabe von Verhütungsmitteln könnte der Gesundheitsminister beenden.

"Unglaubliche Herausforderungen" stünden vor ihm, sagte Price nach seiner Nominierung. Er wolle sicherstellen, "dass wir ein Gesundheitssystem haben, das für Patienten, Familien und Ärzte funktioniert, das weltweit führend bei der Heilung und Prävention von Krankheiten ist, und das auf sinnvollen Regeln basiert, um das Wohlergehen des Landes zu schützen, während es dem innovativen Geist gerecht wird", sagte der 62-Jährige, der aus einem Vorort von Atlanta stammt.

Price bringt nicht nur jahrelange politische Erfahrung mit, sondern verfügt auch über praktische Erfahrungen in seinem künftigen Aufgabenbereich: Price studierte Medizin und arbeitete lange Zeit als Orthopäde. Auf seiner Website ist zu lesen, dass er eine der größten privaten Orthopädiepraxen des Landes mitgegründet hat.

Price gilt als konservativ und war zuletzt Vorsitzender des Haushaltskomitees in Washington. Dort arbeitete er eng mit dem Vorsitzenden des Repräsentantenhauses Paul Ryan zusammen. Gemeinsam erarbeiteten sie republikanische Haushaltspläne zum Senken des jährlichen Defizits.

Bevor er sich als neuer Gesundheitsminister an die Abschaffung von Obamacare machen kann, muss er noch eine Hürde nehmen: Er muss für diesen Posten noch vom Senat bestätigt werden. 

James Mattis: "Mad Dog"

James Mattis © Nicholas Kamm/AFP/Getty Images
Bestätigt
  • Alter: 66
  • Beruf: pensionierter General des US Marine Corps
  • Politikerfahrung:
  • Job: Verteidigungsminister

Mit der Nominierung von James Mattis bricht Donald Trump mit der Tradition, Zivilisten die Verantwortung für das Pentagon zu übertragen. Seit den 1950er Jahren gab es keinen Ex-Militär vom Rang eines Generals mehr, der als Verteidigungsminister gedient hat. Daher bräuchte er vom Senat eine Ausnahmegenehmigung, da ein Gesetz vorsieht, dass Ex-Militärs mindestens sieben Jahre im Ruhestand sein müssen, bevor sie ein politisches Amt übernehmen können. Mattis Karriere bei der Marine endete aber erst 2013.

Mattis war zuletzt von 2010 bis 2013 als Nachfolger von David Petraeus Chef des US-Zentralkommandos, Kriegserfahrung sammelte er als Kommandeur unter anderem im Irak und in Afghanistan. Mattis ist erklärter Gegner des Atomdeals mit dem Iran und hat mehrfach Obamas Strategie im Kampf gegen den sogenannten "Islamischen Staat" kritisiert. Damit liegt er ganz auf einer Linie mit Trump, es gibt aber auch Felder, in denen sich die beiden Männer nicht einig sind. Die Nähe, die Trump zu Russland und Präsident Wladimir Putin sucht, hält Mattis für einen Fehler.

Ex-General James Mattis soll US-Verteidigungsminister werden Der künftige Präsident der USA, Donald Trump, stellt seine Regierung zusammen. Ab 2017 soll ein kriegserfahrener Hardliner das Pentagon führen.

Der 66-Jährige, der nicht verheiratet ist und als Karrieresoldat gilt, ist für seine drastischen Sprüche bekannt. Etwas, was ihm im Gespräch mit Donald Trump durchaus geholfen haben dürfte. Eine seiner umstrittensten Äußerungen stammt aus dem Jahr 2005: "Du gehst nach Afghanistan und gerätst an Leute, die ihre Frauen fünf Jahre lang verprügeln, weil sie sich nicht verschleiert haben. Solche Leute sind ohnehin keine richtigen Männer mehr. Also macht es unheimlich viel Spaß, sie zu erschießen." Da überrascht es nicht, dass der mögliche künftige Verteidigungsminister der USA den Spitznamen "Mad Dog" trägt: verrückter Hund.

Dennoch genießt Mattis Ansehen in der Politik und im Kongress, der Republikaner John McCain lobte Mattis als "außergewöhnliche Führungspersönlichkeit". Kritiker bemängeln hingegen die mangelnde politische Erfahrung des Ex-Generals.

Steven Mnuchin: Hollywood hilft

Steven Mnuchin © Fred Prouser/Reuters
Bestätigt
  • Alter: 53
  • Beruf: Filmproduzent, Banker 
  • Politikerfahrung:
  • Job: Finanzminister

Steven Mnuchin war bis zur Wahl Kassenwart des Trump-Teams. Jetzt soll er Finanzminister werden und ein Jahresbudget von mehr als einer Billion Dollar verwalten. In den neunziger Jahren verdiente Mnuchin an der Wall Street ein Vermögen – unter anderem bei der Investmentbank Goldman Sachs, bei der sein Vater Partner war. Als Finanzminister wird Mnuchin nun auch Oberaufseher der Banken. Sein ehemaliger Vorgesetzter hatte eine ähnliche Karriere gemacht: Der frühere Goldman-Sachs-Boss Henry Paulson war unter George W. Bush Finanzminister.

Nach 17 Jahren bei Goldman Sachs gründete Mnuchin 2002 die Produktionsfirma Dune Capital und finanzierte Hollywoodfilme wie American Sniper und Mad Max: Fury Road, Avatar und Gravity. In dem kürzlich angelaufenen Film Rules Don't Apply tritt Mnuchin sogar selbst vor die Kamera – als Banker.

Mnuchins Nähe zu Trump ist verwunderlich, hat Trump im Wahlkampf doch immer wieder auf Goldman Sachs und deren unlautere Geschäftspraktiken geschimpft. Nach der Immobilienkrise und nach seiner Zeit bei Goldman Sachs kaufte Mnuchin zusammen mit anderen Hypothekenpapiere auf und brachte sie in die Bank OneWest ein. Das Institut wurde dafür bekannt, säumige Immobilienbesitzer besonders schnell aus ihren Häuser zu drängen. Vor Mnuchins Anwesen gab es deshalb 2011 sogar Demonstrationen, berichtete die Los Angeles Times. Demokratische Abgeordnete haben bereits angekündigt, ihn bei seiner Ernennung dazu befragen zu wollen.

Nachdem Mnuchin seine Nominierung bekannt gegeben hatte, kündigte er an, den Unternehmenssteuersatz auf 15 Prozent senken zu wollen. Zudem sei eine große Steuerkürzung für Bürger mit mittlerem Einkommen und eine Vereinfachung der Steuern geplant. Dies seien "die größten steuerlichen Änderungen" seit der Präsidentschaft Ronald Reagans. Die nach der Finanzkrise eingeführten Regulierungen für Banken kritisiert Mnuchin seit Langem.

Noch im Jahr 2012 hatte Mnuchin für den republikanischen Kandidaten Mitt Romney gespendet – einer von Trumps schärfsten innerparteilichen Kritikern. Auch für die Demokraten hatte er bereits gestimmt. Trump und den New Yorker Banker verbindet vor allem eines: Keiner der beiden hat je ein öffentliches Amt bekleidet.  

Wilbur Ross: Demokratische Konkursmasse

Wilbur Ross © Drew Angerer/Getty Images
Bestätigt
  • Alter: 78
  • Beruf: Investor
  • Politikerfahrung: Berater von Rudy Giuliani in dessen Zeit als New Yorker Bürgermeister
  • Job: Wirtschaftsminister

Wilbur Ross gehörte schon im Wahlkampf zu den wichtigen Beratern Donald Trumps. Mit dem kalifornischen Ökonomen Peter Navarro erarbeitete und präsentierte er das Wirtschaftsprogramm der Kampagne – jetzt wird er das Ministerium leiten.

Obwohl Ross vor Jahren in der demokratischen Partei aktiv war und auch für demokratische Kandidaten Spendenveranstaltungen in seinem New Yorker Appartement veranstaltete, unterstützte er Trumps Kandidatur schon früh. Unter Bill Clinton war Ross im Vorstand des U.S. Russia Investment Fund. Rudy Giuliani beriet er in dessen Zeit als Bürgermeister von New York in Privatisierungsfragen.

Ross hat nach Yale- und Harvard-Abschlüssen eine schillernde Karriere im Finanzsektor hingelegt. Bei der Investmentbank Rothschild war er Spezialist für Konkurse, leitete dort auch einen Private Equity Fonds, der in die Schulden von Pleitekandidaten investierte.

Ende der Neunziger gründete er mit Kollegen die Private-Equity-Gesellschaft WL Ross, die vor allem in der Stahl-, Kohle- und Ölindustrie investierte, angeschlagene Unternehmen übernahm und sie durch Umstrukturierungen und Zusammenlegungen für den Verkauf fit machte. Der Milliardär verkaufte auch die eigene Firma weiter, fungiert aber noch als Chefstratege.

Trump, der im Wahlkampf auf Banken und die Wall Street schimpfte, umgibt sich in seinem Kabinett mit Bankern. Neben Ross sind auch Bannon und Mnuchin durch Spekulationen reich geworden.

Ben Carson: Rechter Starchirurg

Wird Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung: Ben Carson © Mike Blake/Reuters
Bestätigt
  • Alter: 65
  • Beruf: pensionierter Neurochirurg, scheiterte 2016 im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner
  • Politikerfahrung:
  • Job: Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung

Eigentlich hatte Ben Carson abgesagt. Für einen Posten im Team Trump stehe er nicht zur Verfügung, sagte der pensionierte Neurochirurg wenige Tage nach Trumps Wahlsieg. Er sei überzeugt, dass es für ihn nicht der beste Weg sei, unter Trump Gesundheitsminister zu werden. Ihm fehle die Regierungserfahrung. Er werde stattdessen ein enger Berater und ein Freund Trumps bleiben. 

Der designierte US-Präsident wollte das aber nicht akzeptieren und schrieb bereits am 22. November, er habe neue Pläne für Carson. Dieser solle Wohnungsbau und Stadtentwcklung verantworten, twitterte Trump. Am 5. Dezember schließlich nominierte er Carson für diesen Posten.

Dabei hatte für Carson eher das Gesundheitsministerium nahegelegen. Zum einen bringt er in dem Bereich praktische Erfahrungen mit: Den US-Amerikanern ist Carson durch seine spektakulären Operationen zur Trennung siamesischer Zwillinge bekannt. Zum anderen gilt er als entschiedener Gegner von Obamacare. Auch Trump will die Versicherung erklärtermaßen abschaffen – wenn auch jetzt, nach der Wahl, nur noch in Teilen.

Obamas Gesundheitsreform sei das Schlimmste, was den USA seit der Sklaverei passiert sei, hatte Carson noch im Wahlkampf gesagt. Homosexualität sei eine freiwillige Entscheidung, Political Correctness erinnere an Nazideutschland. "Die Wahrscheinlichkeit, dass Hitler seine Ziele erreicht, wäre stark verringert worden, wenn die Menschen bewaffnet gewesen wären", sagte er ein anderes Mal. Später behauptete Carson, die Pyramiden in Ägypten seien keine Pharaonengräber, sondern biblische Getreidespeicher gewesen. Mit diesen Parolen machte er einige Monate Wahlkampf, bevor er sich im März aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur zurückzog und seine Unterstützung für Trump bekannt gab.

Trump lobte Carsons nach der Nominierung: "Ben Carson ist ein brillanter Kopf und engagiert sich leidenschaftlich für die Stärkung von Gemeinden und die Familien in diesen Gemeinden", wird der künftige US-Präsident zitiert.

Liest man Carsons Biografie, dann lebt der American Dream wieder auf: In den 1950er Jahren wuchs er in Detroit, Michigan, auf. Unter ärmlichen Verhältnissen und mit geringem Selbstbewusstsein, wie auf seiner Facebook-Seite zu lesen ist. Seine Mutter, die selbst kaum lesen konnte, zog ihre Söhne alleine auf. Die Grundpfeiler ihrer strengen Erziehung seien eine gute Bildung, Fleiß und der christliche Glaube gewesen. Sie ebneten Carsons steile Karriere: Er studierte an der Elite-Universität Yale und wurde mit 33 Jahren zum jüngsten Chefchirurgen des international renommierten Johns-Hopkins-Universitätsklinikums in Baltimore.

John Kelly: Der Soldat

General John Kelly im Trump Tower © Drew Angerer/Getty Images
Bestätigt


  • Alter: 66
  • Beruf: Vier-Sterne-General
  • Politische Erfahrung: -
  • Job: Heimatschutzminister

Donald Trump umgibt sich offenbar gern mit Generälen. Der designierte Präsident will auch das Heimatschutzministerium in die Hände eines Ex-Militärs legen. Der pensionierte Vier-Sterne-General John Kelly soll die Behörde leiten – bereits der dritte pensionierte General, den Trump für einen Kabinettsposten nominiert. Und er wäre der erste Militärangeghörige, der das Heimatschutzministerium leitet.

Kelly, der 1970 in die Streitkräfte eingetreten war, ist dieses Jahr in den Ruhestand gegangen. Zuletzt hatte er die Aufsicht über das Gefangenenlanger Guantánamo und leitete das US-Generalkommando Süd, das Lateinamerika umfasst. Wie Trump kritisiert er die US-Einwanderungspolitik und warnte vor Drogenschmuggel und Terrorismus. Medien beschrieben ihn als "Falke der Grenzsicherung". Die Situation an der US-Südgrenze zu Mexiko beschrieb Kelly einmal als "existenzielle Bedrohung". Frauen an der Waffe und die Pläne Barack Obamas, das Gefangenenlager auf Kuba zu schließen, wies Kelly zurück.

Allerdings unterstützte der weithin respektierte General Trump nicht im Wahlkampf. Kelly soll sich offen dafür gezeigt haben, sowohl in einer republikanischen als auch in einer demokratischen Regierung mitzuwirken – grundsätzlich ließ er allerdings meist kein gutes Haar an Politikern.

Kelly war drei Mal im Irak eingesetzt. Er ist der ranghöchste US-Offizier, der selbst ein Kind im Einsatz verloren hat. Sein Sohn wurde 2010 in der afghanischen Provinz Helmand getötet.

Das Heimatschutzministerium ist die jüngste US-Bundesbehörde, aber mit gut 240.000 Mitarbeitern die drittgrößte. Es wurde nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 eingerichtet und ist unter anderem für den den Schutz des Präsidenten, die Sicherheit auf Flughäfen, die Terrorabwehr, die Einhaltung der Einwanderungsgesetze und die Küstenwache zuständig.

Scott Pruitt: Kohle-Aktivist

Scott Pruitt wird Chef der Umweltschutzbehörde im Kabinett von Donald Trump. © Bloomberg/Kontributor
Bestätigt
  • Alter: 48
  • Beruf: Anwalt
  • Politische Erfahrung: Chefankläger von Oklahoma
  • Job: Leiter der Umweltschutzbehörde

Donald Trump will einen Feind der US-Umweltschutzbehörde EPA zu ihrem neuen Leiter machen. Der designierte US-Präsident hat sich für Scott Pruitt als deren Chef entschieden. Als Chefankläger des Bundesstaates Oklahoma war Pruitt einer der Vorkämpfer gegen Barack Obamas Clean Power Plan. Im Jahr 2014 führte er nach Recherchen der New York Times eine Allianz großer Energieversorger gegen klimapolitische Regulierungen Obamas an. Er soll zahlreiche Verbindungen zu den Unternehmen unterhalten, unter anderem für sie als Anwalt gearbeitet haben.

Der 48-jährige Republikaner gilt als Förderer fossiler Energieträger und kritisierte die Politik der EPA mehrfach. Er warf ihr unter anderem vor, eine "aktivistische Agenda" zu verfolgen. Im Wahlkampf hatte Trump angekündigt, die EPA abschaffen zu wollen, weil sie zu teuer sei – der wahrscheinliche neue Leiter der Behörde dürfte das ähnlich sehen. Zudem will Trump den Ausstieg aus Klimaschutzverträgen. Pruitt und Trump bezweifeln, dass der Mensch für den Klimawandel verantwortlich ist. Beide wollen fossile Energieträger stärken.

Als Vertreter Oklahomas verklagte Pruitt die EPA wiederholt auf Rücknahme von Umweltschutzbestimmungen und von Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit. Zudem setzte er sich vor Gericht für das umstrittene Pipelineprojekt Keystone XL ein, das von der Regierung Obamas blockiert wurde. 


Im Gespräch:


Kris Kobach: Die Mauer

© Drew Angerer/Getty Images
  • Alter: 50
  • Beruf: Professor für Verfassungsrecht
  • Politische Erfahrung: Seit 2010 Innenminister von Kansas
  • Möglicher Job: Heimatschutzminister

Kris Kobach gilt als einer der frühesten und engsten Unterstützer Donald Trumps. Als Innenminister von Kansas hat er sich über die Grenzen des Bundesstaates hinaus mit knallharten Positionen zu Einwanderung einen Namen gemacht. Er wirkte an zahlreichen restriktiven Einwanderungsgesetzen unter anderem in Alabama und Arizona mit. Der Nachfahre deutscher, böhmischer und norwegischer Einwanderer unterstützt Trump auch in seiner Forderung, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer zu bauen. Wie Trump will Kobach erreichen, dass das Nachbarland für die Kosten aufkommt.

2012 unterstützte Kobach den damaligen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney und arbeitete dessen Plan aus, illegalen Migranten das Leben in den USA so schwer zu machen, dass sie sich "selbst abschieben". Für Präsident George W. Bush hatte Kobach zuvor ein Programm zur Überwachung und Einreisekontrolle von jungen muslimischen Männern ausgearbeitet. Jahre später kam bei einer Überprüfung heraus, dass dieses Programm ineffektiv ist – die künftige Regierung Trump will es nichtsdestotrotz umsetzen.

Kobach visiert den Posten des Heimatschutzministers an und hat bereits bei Trump vorgesprochen. Dabei unterlief ihm ein peinlicher Fehler: Als er für Fotos posierte, waren Dokumente zu sehen, in denen er seine Pläne darlegt. Laut dem "strategischen Plan" für seine ersten 365 Tage will Kobach unter anderem "potenzielle Terroristen" an der Einreise hindern. Dafür soll oben genanntes Registrierungssystem für Ein- und Ausreisen eingeführt werden, das bereits von 2002 bis 2011 existierte. "Alle Ausländer aus hochriskanten Regionen werden beobachtet", war auf dem Papier zu lesen.

Die lesbaren Stichpunkte auf dem Strategiepapier erinnern stark an Trumps Wahlkampfvokabular: Kobach will beispielsweise "extreme Sicherheitsüberprüfungen" für "hochriskante Ausländer" einführen. So sollen Einreisende unter anderem zum islamischen Scharia-Recht, zum Dschihad und zur US-Verfassung befragt werden – eine Art Ideologietest. Außerdem will Kobach die geplante Aufnahme von 12.000 syrischen Flüchtlinge stoppen und in seinem ersten Jahr im Amt eine "Rekordzahl krimineller Ausländer" abschieben. Des Weiteren will er offenbar neu definieren, wer als krimineller Ausländer zählt. Dem Strategieplan zufolge soll das "jeder Ausländer, der für jegliche Verbrechen verhaftet wurde, und jegliche Gangmitglieder" sein. Eine Verurteilung als Straftäter wäre damit nicht mehr notwendig.

Kobach wird mit rassistischen Vereinigungen in Verbindung gebracht. Er setzte sich gegen die rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben ein und zweifelte öffentlich an Obamas Herkunft. Mehrfach geriet Kobach in die Schlagzeilen, weil er in seinem Bundesstaat Kansas die Hürden, sich für eine Wahl zu registrieren, besonders hoch ansetzte, und damit vor allem Migranten von Wahlen ausschloss.

Kobach studierte in Harvard, Yale und Oxford. Er war nationaler Ringmeister und diente 2005 und 2006 als Missionar in Uganda und engagierte sich ehrenamtlich.

Chris Christie: Der Skandalgouverneur

Chris Christie © Mel Evans/AP/DPA
  • Alter: 54
  • Beruf: Gouverneur, Staatsanwalt
  • Politikerfahrung: Gouverneur von New Jersey (seit 2010)
  • Möglicher Job: Wirtschaftsminister

Jedes Kabinettsmitglied muss vom Senat bestätigt werden. Ob Chris Christie diese Feuerprobe besteht, ist nicht sicher. Denn erst Anfang November wurden zwei seiner ehemaligen Mitarbeiter verurteilt, aus Rache an einem örtlichen Bürgermeister eine riesige Autobahnbrücke in New Jersey blockiert und damit ein Verkehrschaos ausgelöst zu haben. Der betroffene Bürgermeister Mark Sokolich weigerte sich, Christie in seinem Wahlkampf als Gouverneur von New Jersey zu unterstützen. Der Bridgegate-Fall gilt in den USA als skandalöses Beispiel für politische Einflussnahme. Den beiden verurteilten Christie-Mitarbeitern drohen lange Haftstrafen.

Zwar beteuerte Christie immer wieder, selbst nichts von den Plänen gewusst zu haben. Doch gilt sein Ruf seit dem Urteil als schwer beschädigt. Trotzdem traut Trump dem Gouverneur offenbar zu, einen hohen Posten in seiner Regierung zu bekleiden. Christie, der Anfang des Jahres noch als Präsidentschaftskandidat der Republikaner kandidiert hatte, ist eine der wenigen Parteigrößen, die trotz aller Kritik im Wahlkampf an Trumps Seite geblieben sind. Seine zentrale Rolle für den Übergangprozess hat er allerdings verloren: Die Leitung für das Auswahlverfahren für die neuen Regierungsmitglieder wurde ihm entzogen, stattdessen übernimmt Vizepräsident Mike Pence die Funktion.

Myron Ebell: Leugner des Klimawandels

© CEI
  • Alter: 63
  • Beruf: Mitarbeiter des Competitive Enterprise Institute
  • Politikerfahrung:
  • Möglicher Job: Leiter der Umweltschutzbehörde

Ein prominenter Leugner des Klimawandels soll künftig die Umweltschutzbehörde der USA (Environmental Protection Agency, Epa) leiten. Myron Ebell ist der Ansicht, dass man sich wegen der globalen Erderwärmung "keine Sorgen machen" müsse.

Ebell leitet das Zentrum für Energie und Umwelt am Competitive Enterprise Institute. Dieser konservative Think-Tank hat seinen Sitz in Washington D.C. und wird in Teilen von der Kohleindustrie finanziert. Ebell und seine Kollegen arbeiten daran, die Folgen des Klimawandels immer wieder in Abrede zu stellen. Was sei überhaupt schlimm daran, wenn die Winter milder würden, schrieb Ebell 2006 im Forbes-Magazin.

Ebells Taktik ähnelt der von Donald Trump während des Wahlkampfs: Er zweifelt Fakten nicht unbedingt an, sie sind für seine Argumentation auch nicht wichtig. Bei Fakten, die nicht in sein Weltbild passen, spricht er dafür gerne von manipulierten Daten ("cooking the data").  Sogenannten Autoritäten misstraut Ebell aus Prinzip: "Ich bin der Ansicht, Menschen sollten Autoritäten gegenüber skeptisch sein", sagte er im letzten Jahr. "Je häufiger sie dir sagen, dass du an etwas glauben sollte, umso wichtiger ist es, dass du es infrage stellst", ist eine seiner Leitlinien.

Eines der wichtigsten Ziele von Ebell ist es, den Clean Power Plan der Umweltschutzbehörde abzuschaffen. Noch steht auf der Website der Epa, dass dieser Plan zentral sei für den Umweltschutz. Unter Ebell könnte dieser Eintrag Geschichte werden.

Rudy Giuliani: Amerikas Bürgermeister

Rudy Giuliani © Mark Makela/Getty Images
  • Alter: 72
  • Beruf: Anwalt
  • Politikerfahrung: Bürgermeister von New York von 1994 bis 2001, im Jahr 2008 scheiterte seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner
  • Möglicher Job: Außenminister

Niemand hat Trump im Wahlkampf so tatkräftig unterstützt wie Rudy Giuliani. Von Beginn an konnte der Milliardär auf die Unterstützung des ehemaligen New Yorker Bürgermeisters zählen. Es war Giuliani, der dem Publikum vor Trumps Auftritten einheizte. Auch trat Giuliani nach jedem von Trumps Skandalen gleich im Fernsehen auf, um die Anschuldigungen kleinzureden. Dass er eine Rolle in der neuen Regierung spielen wird, steht außer Frage. Welche Position er bekleiden wird, ist nicht klar. Er ist als möglicher Justizminister im Gespräch.

Besonders für Amerikas Minderheiten würde sich die Rechtslage unter einem Justizminister Giuliani wohl verschärfen. Denn schon als Bürgermeister von New York hatte Giuliani die Polizisten seiner Stadt mit Nachdruck auf die sogenannte Stop-and-frisk-Taktik verpflichtet: Passanten durften damals ohne Verdacht angehalten, befragt und sogar durchsucht werden. Giuliani sieht darin noch immer ein legitimes Mittel der Kriminalitätsbekämpfung. Bürgerrechtler kritisieren, dass diese Strategie besonders in schwarzen Stadtvierteln zu Massenverhaftungen geführt hat. Trump hat im Wahlkampf mehrfach erklärt, er wolle stop-and-frisk so bald wie möglich wieder einführen, um Drogenhandel und Gewaltverbrechen in den Großstädten der USA zu bekämpfen.

Jared Kushner: Der Einflüsterer

Jared Kushner und Ivanka Trump © Larry Busacca/Getty Images
  • Alter: 35
  • Beruf: Immobilienunternehmer
  • politische Erfahrung: -
  • Job: enger Vertrauter

Trumps Team wäre nicht komplett, würde man seine Tochter Ivanka und deren Ehemann Jared Kushner außer Acht lassen. Die beiden haben offensichtlich großen Einfluss auf den designierten Präsidenten. Auch die Entscheidung, Priebus und Bannon als Berater ins Weiße Haus zu holen, soll von Kushner und Ivanka beeinflusst worden sein, schreibt die New York Times unter Berufung auf das nähere Umfeld der Familie Trump. Demnach hätten sich die beiden gegen einen zu umstrittenen Stabschef ausgesprochen.

Als Trump in der vergangenen Woche erstmals zu Besuch im Weißen Haus war, um sich mit dem amtierenden US-Präsidenten Barack Obama zu besprechen, wurde Kushner im Rosengarten gesehen, vertieft in ein Gespräch mit Obamas Stabschef. Ein weiterer Beweis dafür, dass der 35-Jährige eng an der Seite seines Schwiegervaters steht – und maßgeblichen Einfluss auf die derzeitige Übergangsphase in Washington hat.

Kushner hat keine politische Erfahrung. Er kommt aus dem Immobiliengeschäft, ist Unternehmer und Medienmanager. 2006 kaufte er den New York Observer, der als einer der wenigen US-Zeitungen Trump unterstützt. Im Oktober 2009 heiratete er Ivanka Trump, die für ihn zuvor zum Judentum konvertiert war.

Donald Trump - Mein Vater, der Präsident In der Vorbereitung auf das Amt als US-Präsident hat Donald Trump seine Kinder in sein Übergangsteam berufen. Welchen Einfluss könnten sie auf seine Politik haben?

Theoretisch darf Trump den beiden allerdings nach geltendem Recht keinen Posten in seiner Administration anbieten. Jedoch sind Ausnahmen von dieser Regel denkbar, etwa wenn die beiden auf ein Gehalt verzichten würden. Dies könnte aber einen rechtlichen Konflikt nach sich ziehen.

Sarah Palin: Hockey-Mom

Sarah Palin © Nicholos Kamm/AFP/Getty Images
  • Alter: 52
  • Beruf: Journalistin
  • Politische Erfahrung: Gouverneurin von Alaska, Vizepräsidentschaftskandidatin, Sprachrohr der Tea-Party-Bewegung
  • Möglicher Job: Innenministerin

2008 war die damalige Gouverneurin von Alaska relativ unbekannt in den USA. Dann machte der republikanische Präsidentschaftskandidat McCain sie zu seiner Vizekandidatin. Der Kampf ums Weiße Haus endete kläglich für die beiden – wegen oder trotz Sarah Palin, darüber sind sich die Beobachter bis heute uneins. Palin pflegte das Image einer Kleinstadtmutter, sprach in einfachen Worten und gern grammatikalisch unkorrekt.

Palin hatte Erfolge in Schönheitswettbewerben und als Sportlerin verbucht. Das alles brachte ihr einerseits Wählerstimmen in der Provinz, andererseits ließ sie das naiv und für höhere Ämter ungeeignet aussehen. Palin sollte im Wahlkampf den rechten Flügel der Republikaner repräsentieren – die erzkonservative Frau macht sich unter anderem für eine strenge Sexualmoral stark und hetzt gegen den angeblich linken Medien-Mainstream. Ein schwerer Rückschlag für ihr Image war, als ihre 17-jährige Tochter schwanger wurde.

2006 war Palin als erste Frau zur jüngsten Gouverneurin des knapp 700.000 Einwohner zählenden Bundesstaates gewählt worden. Ihre Amtszeit brachte sie nicht zu Ende, stattdessen widmete sie sich der Tea-Party-Bewegung, deren Sprachrohr sie wurde – vor allem dank der Medien. Palin schrieb nach dem Wahlkampf ein Buch, das sich millionenfach verkaufte, und wurde Kommentatorin für den Fernsehsender Fox.
Viele handelten sie als Präsidentschaftskandidatin 2012. Allerdings unterliefen ihr zahlreiche Fehler in der Öffentlichkeit, als sie zum Beispiel Nord- und Südkorea verwechselte. Palin wurde zudem wegen der Entlassung eines Mitarbeiters Amtsmissbrauch als Gouverneurin vorgeworfen und ein Verfahren gegen sie angestrengt.

Michael Rogers: Der Cyber-Krieger

Michael Rogers © Alex Wong/Getty Images
  • Alter: 57
  • Beruf: Direktor des Nachrichtendienstes NSA und Kommandeur des United States Cyber Command
  • Politikerfahrung:
  • Möglicher Job: Geheimdienstkoordinator

Was da los ist, weiß man nicht so genau: Michael Rogers könnte allerdings erst mal seinen Job als Direktor des Nachrichtendienstes NSA verlieren. Verteidigungsminister Ashton Carter und Geheimdienstkoordinator James Clapper sollen Präsident Barack Obama aufgefordert haben, ihn zu entlassen, berichtete die Washington Post, offenbar bereits im Oktober.

"Mehrere hochrangige Verantwortliche" hätten Rogers kritisiert, laut New York Times für sein zögerliches Verhalten im Kampf gegen den "Islamischen Staat" und dafür, dass wiederholt geheime Informationen an die Öffentlichkeit gelangt seien. Zugleich ist er nun offenbar im Gespräch mit Donald Trump und könnte Clapper als Geheimdienstkoordinator folgen. Von seinem Treffen mit dem künftigen Präsidenten hatte er seine Vorgesetzten nicht in Kenntnis gesetzt – ein Vorgang ohne Beispiel.

Rogers begann seine Karriere als Kryptologe in der US-Navy. Bevor er 2011 als Chef des Fleet Cyber Command zum obersten Cyber-Kommandeur der Marine wurde, war er Geheimdienstkoordinator des Generalstabs. Obama ernannte ihn schließlich 2014 zum NSA-Direktor, der zugleich an der Spitze des US Cyber Command steht. Die Überlegungen, ihn jetzt zu entlassen, hängen auch damit zusammen, dass diese beiden Posten künftig wieder personell getrennt werden könnten: ein Militär für den Cyberkrieg, ein Zivilist an der Spitze des Nachrichtendienstes.

Mitt Romney: Der Trump-Kritiker

Mit Romney in San Diego © Mike Blake/Reuters
  • Alter: 69
  • Beruf: Geschäftsmann
  • Politikerfahrung: von 2003 bis 2007 Gouverneur von Massachusetts, Präsidentschaftskandidat der Republikaner im Jahr 2008 (in Vorwahlen gescheitert) und 2012
  • Möglicher Job: Außenminister

Als Außenminister ist überraschend der Trump-Kritiker Mitt Romney im Gespräch. Der frühere Gouverneur von Massachusetts hatte den gewählten Präsidenten im Vorwahlkampf der Republikaner als "Angeber und Hochstapler" bezeichnet und die Parteimitglieder aufgefordert, jedem anderen Bewerber um die Kandidatur der Partei ihre Stimme zu geben.

Welche Außenpolitik Romney verfolgen würde, ist unklar. Im Rahmen seines Präsidentschaftswahlkampfes gegen Barack Obama waren früh Zweifel an seiner Expertise aufgekommen. Romney hatte unter anderem einen präventiven Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm und ein stärkeres Vorgehen gegen Russland und China gefordert.

David Petraeus: Der Geheimnisverräter

David Petraeus ist im Gespräch als US-Außenminister. © Spencer Platt/Getty Images)

Alter: 64
Beruf: Ex-General und CIA-Chef, in Rente
Politikerfahrung: -
Im Gespräch als: Außenminister

Der Ex-General hat sich selbst als Außenminister ins Gespräch gebracht: Er stünde für einen Posten zur Verfügung, sagte David Petraeus in einem Interview. Kurze Zeit später lud Trump den 64-Jährigen zu einer Unterredung und war danach "sehr beeindruckt". Auch Petraeus sprach von einem "sehr guten Treffen". Trump habe dabei "großes Verständnis für die unterschiedlichen Herausforderungen" demonstriert.
Petraeus zählt zu den prominentesten Militärs in den USA. Er war Oberbefehlshaber der US-Truppen im Irak, der Nato-Kräfte in Afghanistan und Chef des US-Zentralkommandos. 2012 nahm seine Karriere ein schnelles und unrühmliches Ende: Er musste als Chef des Auslandsgeheimdiensts CIA zurücktreten, weil er seiner Biografin und Geliebten Paula Broadwell vertrauliche Informationen weitergegeben hatte. Nach einem Schuldeingeständnis wurde er wegen Geheimnisverrats zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von 100.000 Dollar verurteilt.

USA - Trump berät auf Suche nach Außenminister mit Ex-General Petraeus Nach dem rund einstündigen Gespräch mit Petraeus twitterte der designierte US-Präsident Trump, dass er "sehr beeindruckt" gewesen sei. Der Ex-General wird auch als möglicher Verteidigungsminister gehandelt.

Bei den von Petraeus weitergegebenen Informationen handelte es sich um Notizbücher aus seiner Zeit als Kommandeur der internationalen Truppen in Afghanistan. Darin standen seine Terminkalender, die Identität von an Geheimaktionen beteiligten Offizieren, Passwörter und Berichte über seine Treffen mit US-Präsident Barack Obama. Die Geheiminformationen kamen in Broadwells Biografie über ihn allerdings nicht vor.

Trump zeigte sich nun von Petraeus sehr angetan. Im Wahlkampf hat er keine Möglichkeit ausgelassen, Hillary Clinton wegen der E-Mail-Affäre anzugreifen und ihr Geheimnisverrat zu unterstellen.

Elaine Chao: Die Vernetzte

Elaine Chao ©Aaron P. Bernstein/Getty Images

Alter: 63
Beruf: Ökonomin
Politikerfahrung: Ministerin unter George W. Bush
Im Gespräch als: Verkehrsministerin

Für Donald Trump hat der Aus- und Umbau der Infrastruktur höchste Priorität. Elaine Chao könnte ihm dabei mit Expertise und einem guten Netzwerk in Washington behilflich sein. Chao bringt politische Erfahrung mit: Bereits unter George W. Bush leitete sie das Ministerium für Arbeit und war das einzige Kabinettsmitglied, das volle acht Jahre an der Seite Bushs mit regierte.

Ihre Kabinettskollegen sollen sie geschätzt haben, schreibt die New York Times. Anders die gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer: Sie warfen ihr vor, die Interessen von Unternehmen und Konzerne mit Vorrang zu behandeln.

Geboren in Taiwan zog Chao im Alter von acht Jahren in die USA. Ihr Vater baute dort ein Reederei-Imperium auf. Chao studierte Ökonomie und besuchte diverse Universitäten, darunter die Harvard Business School. Heute lebt sie in Washington und ist verheiratet mit Mitch McConnell, Mehrheitsführer der republikanischen Partei im Senat.

Chao hat die Politik nie verlassen, auch heute steht sie ihrem Mann beratend zur Seite. Sollte sie im Team Trump künftig das Verkehrsministerium leiten, stünde sie vor großen Aufgaben: Trump will massiv in den Ausbau von Straßen, Brücken, Häfen und öffentlichen Verkehrsmitteln investieren und damit auch für einem Großteil seiner Wähler aus den unteren Schichten der Gesellschaft wieder Arbeit zu besorgen.

Eine Shortlist aller weiteren Kandidaten listet die New York Times auf. 

Erledigt:

Newt Gingrich: Bill Clintons Erzfeind

© Chip Somodevilla/Getty Images
Abgesagt
  • Alter: 73
  • Beruf: Autor, Politikberater
  • Politikerfahrung: Kongressabgeordneter von 1979 bis 1999, Sprecher des Repräsentantenhauses von 1995 bis 1999, Präsidentschaftskandidat der Republikaner im Jahr 2012, in der Vorwahl gescheitert
  • War im Gespräch als: Außenminister

Newt Gingrich wäre einer der wenigen Washingtoner Veteranen in Trumps Kabinet gewesen. Zwanzig Jahre lang hat er seinen Heimatbundesstaat Georgia im US-Kongress vertreten, fünf Jahre lang führte er seine Partei im Repräsentantenhaus an.

Gingrich gilt als rechter Agitator und Erzfeind des Ex-Präsidenten Bill Clinton. Ihrem legendären Streit über die Reform des Gesundheitssystems folgte der längste Government Shutdown in der Geschichte der USA: Weil Clinton gegen den Widerstand der Republikaner nicht ankam, schlossen zahlreiche amerikanische Bundesbehörden knapp einen Monat lang. Die Krise endete erst, als der Präsident auf die Forderungen seines konservativen Widersachers einging.

Gingrich war zunächst als Außenminister im Gespräch. Der Washington Post sagte er aber, dass er keinen Posten in Trumps Kabinett übernehmen werde.