Wenn derzeit im Land des Donald Trump vom wachsenden Einfluss der Lobbyisten die Rede ist, denkt man in erster Linie an jene mächtigen Interessenvertreter, die einen Platz in der Trump-Regierung zu ergattern versuchen. Ihnen zumindest hat der künftige Präsident einen kleinen Riegel vor die Tür geschoben.

Doch mindestens ebenso wichtig sind jene knallharten Lobbyisten, die nicht Teil der Regierung werden wollen, sondern von außen Einfluss auf das künftige Regierungsgeschehen zu nehmen versuchen. Dazu zählen die Freunde und Geschäftspartner von Trump. Ebenso jene, die aus anderen Gründen sein Ohr haben. Sowie die vielen in Washington ansässigen Einflüsterer, die, um ihre politischen oder wirtschaftlichen Anliegen voranzutreiben, sowohl engste Kontakte zu künftigen Regierungsmitgliedern als auch zu Verbündeten im Abgeordnetenhaus und Senat suchen.

Lobbyisten gibt es in jedem Land, sie sind Teil der politischen Auseinandersetzung. Doch in den Vereinigten Staaten sind sie nicht nur allgegenwärtig, sondern auch besonders mächtig. Milliarden von Dollar werden in diesem Wettbewerb der Einflussnahme umgesetzt, denn für die Finanziers steht oft politisch wie wirtschaftlich enorm viel auf dem Spiel.

Klimaschutz, Energie, Einwanderung, Außenpolitik – auf diesen Feldern werden nach dem 20. Januar die ersten großen politischen Schlachten ausgetragen. Ungezählte Vereine, Verbände, Kanzleien und Denkfabriken mobilisieren bereits dafür. Denn wer vorne dabei sein und gewinnen will, muss seine Lobbyisten-Heere frühzeitig in Stellung bringen.

Zwei Beispiele aus den vergangenen drei Wochen:

Ron, Mitte Vierzig, dichtes braunes Haar, Nickelbrille, hat sich sofort nach Trumps Wahl ans Telefon gehängt und auf den Weg ins Kapitol gemacht. Schon eine Woche später, am Dienstag, den 15. November, kann er den ersten Erfolg verzeichnen. Alle Abgeordneten haben dafür gestimmt, dass die 1996 vom Kongress beschlossenen amerikanischen Sanktionen für Iran fortgesetzt werden.

Rons Arbeit ist damit allerdings noch nicht erledigt. Nun muss er ebenso die Senatoren überzeugen.

Ron heißt eigentlich anders. Wir nennen ihn nur so, weil er nicht will, dass sein wahrer Name in diesem Beitrag steht. Ron arbeitet nämlich für den Lobbyverein Aipac und was er tut, darf er nicht an die große Glocke hängen. Das American Israel Affairs Committee ist sehr mächtig, viele sagen, es sei wahrscheinlich der mächtigste Interessenverband in Amerika. Einige nennen ihn den verlängerten Arm der israelischen Regierung in Washington.

Rons vorrangige Aufgabe ist es, für alles, was Aipac politisch wichtig ist, Bündnispartner in der amerikanischen Regierung und im Parlament zu finden. In der Obama-Zeit war das eher schwierig. Auch dieses Mal wählten die meisten amerikanischen Juden wie seit jeher die Demokratische Partei. Etwa jeder Siebte stimmte für Hillary Clinton. Aber Ron sagt, Aipacs Wünsche und die Wünsche der israelischen Regierung seien eigentlich bei Republikanern derzeit besser aufgehoben, also auch bei dem künftigen Präsidenten Trump.

Der hatte nämlich zum Beispiel im Wahlkampf angekündigt, dass er als Präsident Amerikas Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen werde. Das, sagt Ron, hätten zwar auch frühere amerikanische Präsidentschaftskandidaten hoch und heilig versprochen. "Doch kaum im Amt, wollten sie davon nichts mehr wissen."