Das Verhältnis zwischen Donald Trump und den amerikanischen Medien ist ein ambivalentes: Trump will offensichtlich geliebt werden und wetterte gleichzeitig im Wahlkampf gegen eine "verlogene Presse". Die wiederum schrieb ihn im Manhattan der achtziger Jahre hoch, jetzt muss sie ihn als nächsten US-Präsidenten an seiner Politik messen. Margaret Sullivan wechselte während des Vorwahlkampfes von der "New York Times" zur "Washington Post". Sie wagt einen Ausblick darauf, wie Trump und die Medien künftig zusammenarbeiten werden.

ZEIT ONLINE: Hat Donald Trump ein Problem mit den Medien? Oder bekommen die Medien jetzt ein Problem mit Donald Trump?

Margaret Sullivan: Das Verhältnis ist kompliziert. Ich tendiere dazu, den Fehler bei Trump zu sehen. Er hat Journalisten wiederholt als Abschaum bezeichnet und seine Anhänger bei Wahlveranstaltungen ermuntert, die Reporter im Pressebereich auszubuhen. In seinen Tweets spricht er wieder und wieder von der "verlogenen" Presse.

ZEIT ONLINE: Für die Quoten war Trump pures Gold.

Sullivan: Als die Vorwahlen losgingen, waren insbesondere die Fernsehsender regelrecht verknallt in Trump. Die haben ihm gratis unglaublich viel Publicity verschafft. Nach der Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner haben sich dann alle ein bisschen mehr am Riemen gerissen und ihm die Stirn geboten. An diesem Punkt wird er das Gefühl gehabt haben, dass sich alle zusammenrotten, um ihn in die Zange zu nehmen. Aber die meisten der kritischen Artikel waren nun einmal gerechtfertigt.

ZEIT ONLINE: Was ihn noch lauter gegen die Medien schimpfen ließ. Wenn er über die "verlogene Presse" sprach, war der Applaus am lautesten.

Sullivan: Ja, ich glaube, da kommt einiges zusammen. Er hat die Presse erfolgreich in eine Ecke mit den etablierten Eliten gestellt, die es seiner Meinung nach zu stürzen gilt.

ZEIT ONLINE: Warum sind die Medien Ziel dieser Hetzjagd?

ZEIT CAMPUS Talk - "Die Wahl von Donald Trump verändert viel" Die Journalistin Anne Will im ZEIT Campus Talk über die US-Wahl, die Polaisierung in Deutschland und ihr eigenes Studium

Sullivan: Es steckt schon eine Prise Wahrheit in Trumps Kritik. Die Medien konzentrieren sich nun einmal in New York City und Washington D.C., dort, wo auch die Regierung, die Industrie und ähnliche Organisationen sind. Donald Trump ist es gelungen, die Medien in den gleichen Topf zu werfen mit den Mächten, gegen die sie normalerweise anschreiben.

ZEIT ONLINE: Dabei ist Trump ja ein Gewächs dieses Medienzirkels, hochgeschrieben als Unternehmer und Partygast des Manhattan-Establishments.

Sullivan: Das ist die Ironie bei der ganzen Angelegenheit. Wir reden hier von jemandem, der seinen Lebensmittelpunkt in Midtown Manhattan hat, dessen Aufzug goldverziert ist, der ein extravagantes Luxusleben führt. Seine Anhänger tangiert das nicht. Ihnen gefällt die Tatsache, dass er ein reicher Typ ist, der sich trotzdem für ihre Belange einsetzt. So bringt er es zumindest selbst rüber.