Mehr Mike wagen – so scheint Donald Trumps Regierungsprinzip zu lauten. Mike Pence wird sein Vizepräsident, Mike Flynn wird Nationaler Sicherheitsberater, Mike Pompeo neuer CIA-Direktor und Mike Huckabee, so hieß es, könnte US-Botschafter in Israel werden, was er allerdings dementiert. Nach aktuellem Stand hätte Team Trump damit mehr Mikes als Frauen oder Vertreter von Minderheiten.

Gemeinsam haben die vier Mikes, dass sie Liberale, Bürgerrechtler und Politiker der Demokratischen Partei zuverlässig auf die Palme bringen.

Mythos-Mike

Mike Pence © Gary Cameron/Reuters

Pence, Gouverneur von Indiana, ist gegen die rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung von Homosexuellen. Ein Recht auf Abtreibung lehnt er ab, der Organisation Planned Parenthood will er die Finanzierungsgrundlage entziehen. Den Klimawandel hält Pence für einen "Mythos".

Militär-Mike

Der ehemalige Militärgeheimdienstchef Flynn hält den Islam für eine politische Ideologie, nicht für eine Religion. In einem Gastbeitrag schrieb er vergangene Woche, der türkische Prediger Fethullah Gülen sei "ein zwielichtiger islamischer Mullah, der in Pennsylvania residiert" und dem die USA "keinen sicheren Rückzugsort gewähren" dürften. Die türkische Regierung fordert von der jetzigen wie auch von der kommenden US-Regierung Gülens Auslieferung. Einige Tage später berichtete die New York Times, dass Flynns Beratungsfirma als Lobbyorganisation für die türkische Regierung gearbeitet hat.

Massenüberwachungs-Mike

Mike Pompeo © Saul Loeb/AFP/Getty Images

Pompeo war als Abgeordneter aus Kansas gegen die Schließung illegaler CIA-Gefängnisse und von Guantánamo Bay sowie gegen die Vorschrift, wonach alle Verhöre strikt nach Anti-Folter-Gesetzen ablaufen müssen. Die Todesstrafe für den NSA-Whistleblower Edward Snowden hielt er für angemessen, die von Snowden offengelegte Massenüberwachung der US-Regierung will er ausbauen. Jüngste zaghafte NSA-Reformen wie die Presidential Policy Directive 28 will Pompeo deshalb am liebsten zurücknehmen.

Bevor Pompeo ins Team kam, war der frühere Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus im Gespräch für den Posten des CIA-Direktors. Name: Mike Rogers. Er musste jedoch das Übergangsteam von Trump wieder verlassen.

Möglichkeits-Mike

Huckabee, der ehemalige Governeur von Arkansas, musste sich gerade erst entschuldigen, weil er auf Facebook einen frei erfundenen Bericht verbreitet hatte, in dem "jüdische Liberale" für ein Hakenkreuz-Graffito an einer US-Universität verantwortlich gemacht wurden.

Ebenso wenig wie den Botschafterposten in Israel will Huckabee aber einen Kabinettsposten, den Trump ihm angeblich vorgeschlagen hat. "Wir haben über eine Möglichkeit (im Kabinett oder als Berater – Anm. d. Red.) gesprochen", sagte Huckabee, "aber ich bin nicht sicher, ob das gepasst hätte". Vielleicht übernimmt er also gar kein Amt, Fachleute sprechen in so einem Fall von einem Mike drop.