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Es war ein Gefühl unter weißen Wählern der Arbeiterschicht, das den Wahlsieg von Donald Trump befördert hat: Die Vereinigten Staaten verlören die Kontrolle über ihre Grenzen, ihre Grundidentität und die Fähigkeit, gute Arbeitsplätze zu schaffen, die Durchschnittsamerikanern ein Auskommen ermöglichen. Trump hat die Sorgen vieler Amerikaner erkannt und zum Thema gemacht, wie globale Wirtschaftskräfte Amerika verändern. Mit seiner kraftvollen Botschaft konnte er sogar die Bedenken überdecken, die es bezüglich seiner Urteilsfähigkeit, seiner Qualifikationen und sogar seines Charakters gab. Schließlich gewann er so die Mehrheit in Staaten, die bei Präsidentschaftswahlen traditionell demokratisch wählen.

Trumps Sieg sollte der Demokratischen Partei ein Weckruf sein, denn er zeigt eine Furcht der Wähler, keine guten Jobs mehr zu finden, und eine tief sitzende Sehnsucht nach Verantwortlichen, die auf diese Zukunftssorgen eingehen. Sicher hatte Trumps Anziehungskraft auch hässlichere Aspekte, aber die Zukunftssorgen halte ich für den Kern seines Erfolgs. Wenn sich die Demokraten nicht auf den Dialog mit den Wählern einlassen, werden Trump (und infolgedessen auch andere Republikaner) die Unterstützung des Volkes haben.

Trump hat nicht die Mehrzahl der Stimmen bekommen; Hillary Clinton erhielt etwa 2 Millionen mehr als Trump. Und laut Umfragen vom Wahltag konnte Trump die Öffentlichkeit in vieler Hinsicht nicht überzeugen. Aber Trump erhielt die Mehrheit in drei traditionell demokratischen Staaten, während Clinton drei Staaten gewann, die traditionell Swing States sind (Colorado, Virginia und New Mexico – Staaten, die nicht verlässlich aufseiten der Demokraten sind). Warum haben diese Staaten die Seiten gewechselt? Die Antwort liegt in ihrer Demografie. Von den umkämpften Staaten gewann Trump drei mit geringer kultureller Vielfalt und mit vielen Weißen ohne Hochschulbildung, während Clinton Staaten mit hoher Vielfalt und mit vielen Weißen mit Hochschulbildung gewann. Kurz gesagt: Die amerikanische Wählerschaft teilte sich scharf an den Trennlinien von Ethnie und Bildung.

Die Sorge überwiegt die Wut

Vergleicht man 2016 mit der Obama-Romney-Wahl von 2012, finden sich weitere Änderungen in der Wählerschaft, aber die sind weniger maßgeblich. Etwa hat sich der Anteil der Wähler, die sich als links bezeichnen, nicht geändert – sowohl 2012 als auch 2016 waren es 21 Prozent, und Clinton hat den gleichen Anteil linker Wähler für sich gewonnen wie Obama.

Hillary Clinton - "Gebt niemals auf!" In ihrem ersten öffentlichen Auftritt nach der US-Präsidentschaftswahl hat Hillary Clinton ihre Unterstützer aufgefordert, sich weiter auf allen Ebenen für Amerika einzusetzen. © Foto: Joshua Roberts/Reuters

Das wirft die Frage auf: Warum trennt sich die Wählerschaft entlang von Bildungsunterschieden? Was veranlasst einen weißen Wähler in Wisconsin, Pennsylvania oder Michigan, der Obama zweimal unterstützt hat, nun Trump zu wählen?

Eine Theorie über diese Wahl lautet: Trump gewann diese drei Staaten wegen der Wut der Wähler über Wirtschaftspolitik, etwa über Steuersenkungen für Reiche und Unternehmen. Wenn das stimmt, wäre die Marschroute für die Demokraten klar: die Wut erkennen und ihre Ursachen ansprechen, wie etwa ein "manipuliertes" oder "unfaires" politisches System und ein Steuersystem, das die Reichen bevorzugt. Aber: Wenn wir den Wählern zuhören, wird deutlich, dass es ihnen darum gar nicht ging.

Zwei Umfragen zur Gefühlslage der Wähler habe ich im letzten Jahr gemacht. Eine zur Präsidentschaftswahl in Swing States (durchgeführt für das Progressive Policy Institute, PPI) und eine US-weite Umfrage unter Weißen ohne Hochschulbildung (gemeinsam mit Jill Normington für die linke Lobbygruppe House Majority PAC). In beiden Fällen beschrieb eine überwältigende Mehrheit ihre Gemütsverfassung weder als wütend, noch als optimistisch, sondern als besorgt: In der Umfrage unter Weißen ohne Hochschulbildung Ende Juni erklärten sich 65 Prozent als besorgt um die Zukunft der amerikanischen Wirtschaft, 13 Prozent als wütend und 23 Prozent als optimistisch. Diese Daten stimmen mit dem überein, was ich seit zehn Jahren von Wählern höre – sie befürchten, bei den weltweiten Veränderungen auf der Strecke zu bleiben. Am intensivsten sind diese Sorgen unter Wählern ohne Hochschulbildung.