Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan droht dem Westen mit einer Hinwendung Richtung Osten. Eine Mitgliedschaft der Türkei in der EU sei nicht alternativlos, sagte er nach Angaben der Zeitung Hürriyet auf seinem Rückflug von Usbekistan vor mitreisenden Journalisten. Die Türkei könnte sich nach nach einem Ende der EU-Beitrittsverhandlungen auch gen Russland und China orientieren. Vorstellbar sei etwa, dass sich die Türkei der von Russland und China dominierten Shanghaier Kooperationsorganisation (SCO) anschließe. Darüber habe er bereits mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gesprochen.

Erst vor wenigen Tagen hatte Erdoğan von der EU eine Entscheidung über einen Abbruch der Beitrittsverhandlungen bis zum Ende des Jahres gefordert und andernfalls ein Referendum in der Türkei angekündigt. Nun bemängelte Erdoğan erneut eine zögerliche Haltung Europas im Beitrittsprozess: "Die EU hält uns seit vollen 53 Jahren hin", sagte er.

Die Nato soll Asylanträgen nicht stattgeben

Bei der Gelegenheit warnte Erdoğan auch die Nato davor, türkischen Offizieren Asyl zu gewähren. Das berichtete die Zeitung Milliyet. Die Betroffenen seien an der Vorbereitung des Putsches im Sommer beteiligt gewesen und ihnen werde "Terrorismus vorgeworfen", sagte Erdoğan. Die Nato könne diesen Anträgen nicht stattgeben, Erdoğan forderte sogar deren Ausweisung. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg stellte jedoch schon am Freitag klar, dass nicht die Nato über die Anträge entscheiden werde, sondern jedes Land selbst. Wie viele türkische Offiziere Asyl beantragt haben, sagten weder Erdoğan noch Stoltenberg.

Stoltenberg will Erdoğan am Montag am Rande einer Nato-Konferenz in Istanbul treffen. Die türkische Regierung hat nach dem Putschversuch allein 9.300 Armeeangehörige festgenommen, unter ihnen 118 Generäle und Admirale, Tausende weitere wurden unehrenhaft entlassen oder suspendiert.

Enttäuscht über die US-Politik im Syrien-Konflikt

In einem Interview des US-Nachrichtensenders CBS hatte Erdoğan außerdem seine Enttäuschung über die Politik Washingtons im Syrien-Konflikt und in der Flüchtlingskrise deutlich gemacht. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich sei nicht desillusioniert", sagte Erdoğan in der Sendung 60 Minutes. Auszüge des Gesprächs wurden vorab veröffentlicht.

Die Türkei habe diese Themen bei US-Präsident Barack Obama und Vizepräsident Joe Biden zur Sprache gebracht, sagte Erdoğan. "Sie haben sich der Situation nicht gewachsen gezeigt und diese Themen nicht ernsthaft behandelt. Das war für uns sehr ärgerlich."

Die Türkei bekämpft in Nordsyrien die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), aber auch die Kurdenmilizen der YPG. Die USA hingegen arbeiten im Kampf gegen den IS mit der YPG zusammen. Die YPG ist der syrische Ableger der in der Türkei, der EU und in den USA verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Ankara - Türkische Regierung greift Steinmeier stark an Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu warf Frank-Walter Steinmeier in einer Rede vor, Deutschland sei ein Rückzugsort für Terroristen der verbotenen Arbeiterpartei PKK. © Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa