Nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten haben die Außenminister der Europäischen Union mögliche Folgen diskutiert. Nach einem Treffen in Brüssel sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini, man setze weiter auf enge Beziehungen zur US-Regierung. Doch müssten die Europäer bei wichtigen Themen Einigkeit demonstrieren, so etwa beim Klimaschutz und bei der Umsetzung des Atomabkommens mit dem Iran.

Beides hatte Trump vor seiner Wahl vergangene Woche infrage gestellt. Europa könne sich keine abwartende Haltung leisten, sagte Mogherini. Trumps künftiger außenpolitischer Kurs gilt als ungewiss. Im Wahlkampf hatte er wiederholt die Führungsstärke von Russlands Präsidenten Wladimir Putin gelobt, den Rückzug aus dem Atomabkommen mit dem Iran angekündigt und die Beistandsgarantie der Nato für Mitglieder infrage gestellt, die nicht genug in Verteidigung investieren.

"Man war sich einig, dass auf Europa nun sicher noch mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit zukommen wird", hieß es in deutschen Diplomatenkreisen nach dem Treffen. "Wir verstehen, dass Amerika künftig geschäftsmäßiger mit uns umgehen wird, dem sollten wir mit mehr Europa begegnen", sagte Miroslav Lajčák, der Außenminister der Slowakei, die derzeit den EU-Ratsvorsitz innehat.

Federica Mogherini kündigte an, die Außen- und Verteidigungsminister der Gemeinschaft würden in den kommenden Tagen die Weichen für eine verstärkte Zusammenarbeit in der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik stellen. "Das könnte sich für die Zukunft als noch relevanter erweisen", sagte sie. "Die Welt bewegt sich weiter, Europa bewegt sich weiter, die Krisen gehen weiter." Es gebe in der aktuellen Lage für Europa auch Chancen, sagte die Außenbeauftragte.

"Die Debatte dreht sich im Moment darum, wie Europa seine Stimme in der Welt verstärken kann", sagte der belgische Außenminister Didier Reynders. Europa wisse schon lange, dass es sich im Bereich Sicherheit und Verteidigung stärken müsse. "Über Fragen der Sicherheit und Verteidigung haben wir schon gesprochen. In Zukunft könnte es auch um Handel, Migration und Klimawandel gehen," sagte Reynders.

Spekulationen unerwünscht

Die Minister hätten vereinbart, über Trumps künftige Politik nicht zu spekulieren, sagte der slowakische Außenminister Miroslav Lajčák. Die Europäer würden auch keine passiven Beobachter bei der Gestaltung künftiger Politik sein. "Wenn die europäische Stimme stärker wird und Europa sichtbarer in all diesen Dingen, dann ist das letztlich eine gute Sache", sagte Lajčák.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte direkt nach Trumps überraschendem Wahlsieg am Mittwoch das Sondertreffen am Sonntag ins Gespräch gebracht. Er kam wegen Problemen mit seinem Flugzeug am Sonntagabend erst an, als die ersten seiner Kollegen schon wieder gingen und äußerte sich nicht mehr.

Nicht alle EU-Politiker hielten das Treffen indessen für angebracht. Österreichs Außenminister Sebastian Kurz kritisierte die Zusammenkunft als verfrüht. Noch sei unklar, welche Ankündigungen aus dem Wahlkampf Trump tatsächlich aufgreife und was auch "einfach nur Wahlkampf" bleiben werde, so Kurz. Und wenn Trump versuche, bessere Beziehungen zu Russland zu erreichen und die jüngste Rückkehr zur Blockbildung wieder in die Geschichtsbücher verbannen wolle, sei dies auch im Sinne Österreichs.

Großbritannien hatte die Teilnahme von Außenminister Boris Johnson abgesagt. Aus Sicht des Landes gebe es keine Notwendigkeit für ein zusätzliches Treffen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Federica Mogherini verwies auf den geplanten EU-Austritt Großbritanniens. "Ich denke, es ist normal für ein Land, das sich entschieden hat zu gehen, nicht so viel Interesse für die Zukunft unserer Beziehung zu zeigen", sagte die EU-Außenbeauftragte.

Ungarns Außenminister Peter Szijjártó ließ sich vertreten, nachdem er "hysterische Erklärungen" zu Trumps Wahlsieg kritisiert hatte. Auch der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault fehlte, er machte allerdings Termingründe geltend.

Schulz fordert Offenheit

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz appellierte unterdessen in der Bild am Sonntag an Europa, Trump offen zu begegnen. "Beide Seiten sollten nun auf null schalten und sich eine Chance geben", sagte der SPD-Politiker. "Der Präsident Trump wird ein anderer sein als der Wahlkämpfer Trump." Drastische außenpolitische Konsequenzen befürchtet Schulz nicht: "Ein Austritt aus der Nato oder aus der Welthandelsorganisation wäre für die USA genauso riskant wie für alle Partner der USA."

Ähnlich äußerte sich Kanzleramtsminister Peter Altmaier. "Es wird in der Außenpolitik eine Menge Kontinuität geben", sagte der CDU-Politiker der Rheinischen Post. "Ich glaube, dass die USA gar keine andere Wahl haben werden, als ein internationaler Akteur zu bleiben."