Die Liste der möglichen Nachfolger von Martin Schulz (SPD) im Amt des EU-Parlamentspräsidenten wird länger. Der frühere belgische Regierungschef und liberale Fraktionsvorsitzende Guy Verhofstadt kandidiere für den Posten, hieß es aus Kreisen der Fraktion. Demnach unterstützten die Liberalen im EU-Parlament Verhofstadts Kandidatur am Mittwoch einstimmig bei einer Enthaltung. Die Liberale Sylvie Goulard, die sich zuletzt selbst ins Gespräch gebracht hatte, habe ihre Kandidatur zurückgezogen.

Doch auch von linker Seite gibt es Interesse an dem Posten: Der sozialistische Fraktionschef Gianni Pittella will ebenfalls Schulz nachfolgen. Alle Mitglieder hätten den Italiener als Kandidaten unterstützt, teilte die Fraktion in Brüssel mit.

"Wir werden niemals ein rechtes Monopol über die EU-Institutionen akzeptieren", sagte Pittella – damit ist gemeint, dass die Spitzenjobs bei Kommission, Europaparlament und dem Rat allesamt von Konservativen besetzt werden. Kommissionschef Jean-Claude Juncker und Ratspräsident Donald Tusk gehören der Europäischen Volkspartei (EVP) an.

Eigentlich gibt es eine Vereinbarung zwischen EVP und sozialistischer S&D, dass der SPD-Politiker Schulz nach der Hälfte seiner Amtszeit von einem EVP-Mitglied abgelöst wird. Die Voraussetzungen dafür sehe er aber nicht erfüllt, sagte Pittella. "Das beruhte auf der Annahme, dass der Präsident des Rates ein Sozialist ist", sagte er. Auch aus der SPD kam Kritik daran, dass künftig alle Spitzenämter mit Politikern einer Parteienfamilie besetzt sein könnten.

Aus den Reihen der Konservativen haben sich bereits mehrere Politiker für das Amt des EU-Parlamentspräsidenten beworben: der französische Konservative Alain Lamassoure, die irische Parlamentsvizepräsidentin Mairead McGuinness sowie Alojz Peterle aus Slowenien. EVP-Fraktionschef Manfred Weber aus der CSU ließ bisher offen, ob er selbst die Nachfolge von Schulz antreten will.

Martin Schulz hatte vergangene Woche seinen Wechsel in die Bundespolitik angekündigt, womöglich als Außenminister oder SPD-Kanzlerkandidat. Sein Nachfolger wird am 17. Januar gewählt. Die Mehrheit im Parlament hat eine große Koalition von Christdemokraten und Sozialdemokraten, die aber derzeit über die Besetzung des Postens streiten. Ob der Liberale Verhofstadt Chancen hat, ist darum offen.