Knapp zwei Drittel der Deutschen sind unzufrieden mit dem Zustand der Europäischen Union, 42 Prozent wollen eine Abstimmung über den Verbleib in der EU. Das geht aus einer Umfrage des Instituts TNS Infratest Politikforschung im Auftrag der Körber-Stiftung hervor.

Laut den Ergebnissen sehen 62 Prozent aller Befragten die EU nicht auf dem richtigen Weg. 73 Prozent sind der Meinung, Deutschland werde von den anderen EU-Staaten in der Flüchtlingspolitik im Stich gelassen.

Brexit schürt Zweifel

Mehr als zwei Drittel der Befragten sehen den Zusammenhalt der verbleibenden EU-Mitglieder durch die britische Entscheidung für den Austritt geschwächt. 59 Prozent finden, Deutschland sollte seine Führungsrolle in Europa ausbauen. Ein Viertel der Befragten begrüßt den steigenden Einfluss europakritischer Bewegungen.

Insgesamt ergeben die Umfragewerte aber ein eher ambivalentes Verhältnis der Deutschen zu Europa. Fast alle Befragten, nämlich 96 Prozent, wünschen sich eine transparentere und bürgernähere EU. 79 Prozent sehen die Union als Friedensprojekt, 71 Prozent als Wertegemeinschaft. Aber 64 Prozent lehnen eine Erweiterung ab, 82 Prozent sind gegen einen Beitritt der Türkei.

Grüne fühlen europäisch

Eher als Deutsche denn als Europäer sehen sich demnach 62 Prozent, für 35 Prozent ist es umgekehrt. In den neuen Bundesländern sehen sich sogar 67 Prozent eher als Deutsche, unter den AfD-Anhängern 82 Prozent. Die Grünen sind die einzige Partei, deren Anhänger sich eher europäisch als deutsch fühlen, wenn auch nur knapp mit 50 zu 49 Prozent.

Die Wahl von Donald Trump zum künftigen US-Präsidenten hat große Verunsicherung unter den Deutschen ausgelöst. Immerhin 30 Prozent sehen die Beziehungen zu den USA als größte Herausforderung für die deutsche Außenpolitik. Im Oktober, also vor der US-Wahl, waren es nur 7 Prozent. Die Flüchtlingsfrage sehen im November nur noch 28 Prozent als größte Herausforderung. Im Oktober waren es 46 Prozent.

Die Umfragen wurden zeitgleich zum Berliner Forum Außenpolitik veröffentlicht. Dort werden am Dienstag unter anderen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Italiens Außenminister Paolo Gentiloni, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Wolfgang Ischinger, der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, erwartet.