Das FBI hat kurz vor den Wahlen in den USA am Dienstag seine Ermittlungen in der E-Mail-Affäre beendet – und Hillary Clinton offiziell entlastet. Die Prüfung der neu entdeckten E-Mails habe keine Hinweise auf kriminelles Verhalten ergeben, teilte FBI-Chef James Comey in einem Schreiben an die Kongressmitglieder mit, das am Sonntag in Washington verbreitet wurde.

Die FBI-Ermittler hätten "rund um die Uhr gearbeitet", um die neu entdeckten Mails auszuwerten, schreibt Comey. "In diesem Prozess haben wir alle Kommunikation überprüft, die von oder für Hillary Clinton in ihrer Zeit als Außenministerin war." Als Resultat bleibe das FBI bei seiner im Juli getroffenen Einschätzung. Das Justizministerium verzichtete auf eine Anklage.

"Wir sind froh, dass diese Angelegenheit gelöst worden ist", sagte Clinton-Sprecherin Jennifer Palmieri. Sprecher Brian Fallon twitterte, man habe nichts anderes erwartet. Clintons Rivale Donald Trump hingegen sprach von einem "manipulierten System", das Clinton schütze. 

Hillary Clinton selbst ging bei einem Wahlkampfauftritt in Cleveland (Ohio) mit keinem Wort auf die Nachricht ein. Sie werde sich bis zur Wahl auf "ihre positive Botschaft" für das Land konzentrieren, zitierten Medien aus Kreise der Kandidatin.

Trumps Wahlkampfchefin Kellyanne Conway beschuldigte das FBI im Sender Fox News, den Fall "von Anfang an falsch gehandhabt" zu haben. Clinton sei vom FBI begünstigt worden. Offenbar gebe es unterschiedliche Regeln für Clinton und "für uns, die kleinen Leute". Ähnlich äußerte sich der frühere Parlamentspräsident Newt Gingrich, der Trump unterstützt. Der FBI-Chef müsse "unter enormem politischen Druck stehen, um auf derartige Weise einzulenken und etwas zu verkünden, was er überhaupt nicht wissen kann", schrieb Gingrich auf Twitter.

Kaum neue E-Mails

Ursprünglich hatte das FBI die Ermittlung bereits im Juli abgeschlossen. Nach Sichtung aller Mails war es zu dem Schluss gekommen, dass sich Clinton nicht strafbar gemacht habe. Allerdings hatte Comey Clinton gerügt, sie sei in ihrer Zeit als Außenministerin "extrem unverantwortlich" mit ihren Mails umgegangen. Statt eines offiziellen Servers hatte sie ihren Privatserver verwendet. Clinton hatte einen Fehler eingestanden und sich entschuldigt.

Ende Oktober gab Comey dann im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen den früheren Abgeordneten Anthony Weiner den Fund neuer E-Mails bekannt. Weiner ist der Nochehemann der Clinton-Vertrauten Huma Abedin. Das Timing der Bekanntgabe kurz vor der US-Wahl hatten die Demokratin und ihr Wahlkampfteam verärgert und in Bedrängnis gebracht. Der Sender NBC berichtete nun, bei dem neuen Material habe es sich fast ausschließlich um die gleichen E-Mails gehandelt, die bereits im Juli untersucht worden seien.