Frankreich - Fillon wird Präsidentschaftskandidat der Konservativen Der Wirtschaftsliberale François Fillon besiegte in der Stichwahl seinen innerparteilichen Konkurrenten Alain Juppé. Damit hat er gute Chance, nächster französischer Präsident zu werden. © Foto: Philippe Wojazer/Reuters

Vor einer Woche hätte es noch kaum jemand für möglich gehalten: François Fillon heißt der Sieger der französischen Präsidentschaftsvorwahlen der konservativen Partei Die Republikaner. Fillon kündigte noch am Abend seiner Wahl Reformen an, die "unsere gesamte Software verändern". "Frankreich erträgt seinen Abstieg nicht. Frankreich will die Wahrheit und Taten", sagte der frisch erkorene Präsidentschaftskandidat in seiner Siegesansprache.

Von seinen Anhängern wird er als pragmatischer Reformer und Staatsmann gelobt, von seinen Gegnern als ultraliberaler Thatcherist verschrien. Der ehemalige Premierminister von Präsident Nicolas Sarkozy mit dem Image des Hardliners aus der katholischen Provinz ist nun Favorit für die eigentlichen Präsidentschaftswahlen im kommenden April. Seine vor einer Woche noch fast unvorstellbare Nominierung verändert auch die Ausgangslage für die anderen Parteien. 

Linke und Rechtsextremisten machen sich gegen Fillon neue Hoffnungen. Sie wollen Fillon als Traditionalist ohne Sinn für seine Zeit darstellen. Der rechtsextreme Front National (FN) rückt bereits nach links, indem er Fillon vorwirft, "die Zerstörung des Staates" anzustreben. FN-Chefin Marine Le Pen will damit linke Wähler anziehen, um nach einem denkbaren Einzug in den zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahl gegen Fillon zu punkten.

Nach Auszählung von 88 Prozent der Wahllokale kam Fillon auf rund 67 Prozent. Sein Stichwahlgegner Juppé lag zu diesem Zeitpunkt bei lediglich 33 Prozent. Er gestand seine Niederlage bereits ein. 

Fillon hatte im Vorwahlkampf für ein Reformprogramm "ohne Konzessionen" geworben. Er will eine halbe Million Beamtenstellen streichen, die staatliche Krankenversicherung auf "schwere und langfristige Erkrankungen" begrenzen, die 35-Stunden-Woche ersatzlos streichen und Arbeitszeitregelungen bis an  die EU-Obergrenze von 48 Wochenstunden erlauben.

Doch schon am Abend seiner Wahl schien Fillon seine Forderungen etwas abzumildern. Er forderte eine "gerechtere und solidarischere Gesellschaft". Auch er zielt nun auf linke Wähler, die bis heute keinen sozialistischen Kandidaten haben. Der wird erst mit den Vorwahlen der Sozialisten im Januar bestimmt.