Während die Konservativen in Frankreich gerade über den Kandidaten für die Präsidentschaftswahl entscheiden, entbrennt unter den Sozialisten vollends der interne Machtkampf. Premierminister Manuel Valls stellt seine eigene Kandidatur in Aussicht und drängt implizit den unpopulären Amtsinhaber François Hollande zum Verzicht. 

"Angesichts der Verunsicherung, des Zweifels, der Enttäuschung, der Vorstellung, dass die Linke keine Chance hat, will ich den Mechanismus durchbrechen, der uns in die Niederlage führen wird", sagte Valls in einem Interview mit dem Wochenmagazin Le Journal de Dimanche.

Er respektiere Hollande und sei ihm gegenüber loyal, doch schließe dies "Offenheit" nicht aus, sagte der Premier. "Man kann nicht umhin festzustellen, dass sich der Kontext in den letzten Wochen geändert hat".

Damit spielt Valls auf das umstrittene Buch Un président ne devrait pas dire ça (Ein Präsident dürfte so etwas nicht sagen) an, das zwei Journalisten der Zeitung Le Monde aus zahlreichen Gesprächen mit Hollande aus den vergangenen vier Jahren verfasst haben. Darin äußert sich der Präsident oftmals sehr abfällig über politische Gegner, aber auch Parteifreunde.

Das Buch hat laut Valls bei den Sozialisten für "tiefe Verunsicherung" gesorgt. "Als Chef der Mehrheit gehört es zu meiner Verantwortung, diesem Klima Rechnung zu tragen." Die Kandidatenwahl der Sozialisten im Januar müsse der Partei neuen "Elan und Hoffnung" geben. Hollande will im Dezember bekanntgeben, ob er im Frühjahr 2017 für eine zweite Amtszeit kandidiert. 

Nur vier Prozent der Franzosen mit Hollande zufrieden

Umfragen sagen dem Amtsinhaber so gut wie keine Chancen auf eine Wiederwahl voraus. Laut einer in der Le Monde veröffentlichten Umfrage sind nur noch vier Prozent der Franzosen zufrieden mit der Arbeit ihres Präsidenten. Die Franzosen machen ihn unter anderem für das anhaltend schwache Wirtschaftswachstum und die Rekordarbeitslosigkeit verantwortlich. Außerdem werfen sie ihm Wankelmütigkeit und fehlendes Durchsetzungsvermögen vor.

Sollte Valls tatsächlich kandidieren, wäre er schon der zweite Bewerber von Seiten der Linken. Hollands früherer Wirtschaftsminister Emmanuel Macron hatte Mitte November erklärt, als unabhängiger Kandidat bei der Präsidentschaftswahl am 23. April 2017 anzutreten. Neben dem Vertreter der Konservativen gilt eine Kandidatur der Chefin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, als sicher.