Seine Regierung hat sich inzwischen mit der israelischen Führung ausgesöhnt, er selbst sorgt nun für eine neue Provokation: Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hält an seinem umstrittenen Vergleich der Politik des NS-Führers Adolf Hitler mit der Gaza-Politik des jüdischen Staates fest. So sagte er in einem Interview mit dem Zweiten Israelischen Fernsehen: "Ich bin nicht einverstanden damit, was Hitler getan hat, und ich bin nicht einverstanden damit, was Israel in Gaza getan hat. Es ist nicht angebracht zu vergleichen, was barbarischer war." 

Erdoğan bezieht sich damit auf Israels Krieg mit der im Gazastreifen herrschenden Hamas im Sommer 2014. Während der 50-tägigen Kämpfe wurden 2.250 Palästinenser und mehr als 70 Israelis getötet.

"Hamas ist keine Terrororganisation"

Der AKP-Politiker hatte Israel damals einen Völkermord vorgeworfen und gesagt, das Vorgehen sei barbarischer als das der Nazis. "Sie haben kein Gewissen, keine Ehre, keinen Stolz", hatte er damals auf einer Wahlkampfveranstaltung gesagt. "Jene, die Hitler Tag und Nacht verurteilen, haben Hitler in Sachen Barbarei übertroffen." Die israelische Journalistin fragte in dem Interview nun, ob er diesen Vergleich inzwischen bedauere. Erdoğan wollte sich jedoch nicht davon distanzieren. 

Das türkische Staatsoberhaupt sagte zudem, er sehe die radikal-islamische Hamas nicht als Terrororganisation, sondern als politische Bewegung. Ohne Beteiligung der Hamas sei eine Friedensregelung in der Region nicht möglich. 

Im Jahr 2010 war es zum Bruch zwischen den ehemals engen Bündnispartnern Israel und der Türkei gekommen. Bei der Erstürmung des Gaza-Solidaritätsschiffs Mavi Marmara durch die israelische Marine waren zehn Türken tödlich verletzt worden. Nach türkischen Angaben sollte das Schiff Hilfsgüter in den abgeschirmten Gazastreifen bringen. Israel warf der überwiegend türkischen Besatzung indes vor, die Gaza-Blockade durchbrechen zu wollen.

Aufgebrachter Erdoğan

Erst vor wenigen Tagen tauschten beide Staaten wieder Botschafter aus. Zudem zahlte Israel im Zuge der Einigung 20 Millionen Dollar Entschädigung, die an die Familien der Opfer von Mavi Marmara gehen soll.

Allerdings gibt sich Erdoğan in diesem Punkt unversöhnlich, wie auch während des Interviews zu beobachten war. Angaben israelischer Soldaten, sie hätten beim Entern des Schiffes alles unternommen, um Verletzungen der Besatzung zu verhindern, wies er als Lügen zurück. Auf insistierende Fragen der Moderatorin reagierte er irritiert und wütend. "Die Tatsache, dass Sie eine Journalistin sind, sollte Sie nicht daran hindern, korrekt zu sprechen. Wenn Sie glauben, Sie könnten Tayyip Erdoğan in die Ecke drängen, dann irren Sie sich."