Die EU-kritische Ukip-Partei in Großbritannien hat möglicherweise EU-Gelder verwendet, um Umfragen bei nationalen Wahlen zu finanzieren. In einem Fall sollen EU-Gelder sogar direkt in eine Umfrage zur Stimmung der Wähler vor dem Brexit-Referendum geflossen sein. Das berichten unter anderem der Guardian und der TV-Sender SkyNews unter Berufung auf ein internes Dokument der Rechnungsprüfer im Europäischen Parlament.

Bis zu 173.000 Euro an Rückzahlungen könnten nun fällig werden, weitere 500.000 Euro künftige Fördergelder sollen gestrichen werden, wie der Guardian berichtet. Zur Kasse gebeten würde aber nicht Ukip direkt, sondern die fraktionsübergreifende rechtspopulistische Organisation ADDE (Alliance for Direct Democracy in Europe), die von Ukip-Chef Nigel Farage ins Leben gerufen wurde.

Die ADDE streitet die Vorwürfe ab. In einem Statement heißt es: "Wir sind zuversichtlich, dass unsere Ausgaben (mit Ausnahme einiger Kleinigkeiten) vollkommen rechtmäßig sind und den EU-Regularien entsprechen."

Über das Dokument soll am Montag im Präsidium des EU-Parlaments entschieden werden, wie es in Parlamentskreisen heißt. Sollte es angenommen werden, könnte es für die ADDE finanziell eng werden, schreibt der Guardian.

Seit eine Mehrheit in Großbritannien für einen Austritt aus der EU gestimmt hat, herrscht innerhalb der Ukip Unruhe. Zuerst hatte Farage nach dem Brexit, für den er seit Jahren vehement eingetreten war, seinen Rücktritt erklärt. Als aber auch seine Nachfolgerin Diane James nach nur 18 Tagen das Amt wieder abgeben wollte, erklärte sich Farage bereit, die Parteiführung übergangsweise zu übernehmen.