Die türkische Polizei hat die am Samstag festgenommene Journalistin Hatice Kamer wieder freigelassen. Die Reporterin war in der südosttürkischen Provinz Siirt verhaftet worden, als sie über ein Grubenunglück berichten wollte. Nach Angaben des Westdeutschen Rundfunks (WDR), für den Kamer regelmäßig berichtete, wird sie nun angeklagt, weil sie die Terrororganisation PKK unterstützt haben soll. Die Journalistin habe dem Fernsehsender gesagt, dass es dafür keine Belege gäbe. 

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hatte die Festnahme der international bekannten Reporterin verurteilt. Kamer zähle zu den ganz wenigen Kollegen, "von denen wir noch unabhängige Nachrichten aus dem Land bekommen haben", sagte der DJV-Vorsitzende Frank Überall. Er hoffe, dass es Kamer "physisch wie psychisch den Umständen entsprechend gut geht" und sie ihre Beiträge für die WDR-Sendung Türkei unzensiert wieder ungehindert liefern könne. Der DJV hatte die Bundesregierung aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass Kamer umgehend freigelassen werde.

Die Polizei hatte Kamer vorgeworfen, Fotos auf militärischem Gebiet gemacht zu haben, hatte ihre Familie dem WDR gesagt. Hintergrund könnte Kamers Berichterstattung für ausländische Medien über in der Türkei unliebsame Themen gewesen sein. Die Reporterin ist kurdischer Abstammung, lebt in Diyarbakır und ist zudem die Vorsitzende eines örtlichen Journalistenverbandes.

Nach der Ausrufung des Ausnahmezustands am 21. Juli geht die Regierung in der Türkei hart gegen kritische Medien vor. Nach Angaben der unabhängigen Journalistenplattform P24 sitzen mehr als 140 Journalisten in Haft – das sind mehr als in jedem anderen Land der Welt. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen lag die Türkei bereits vor dem Putschversuch im Juli und der anschließenden Ausrufung des Ausnahmezustands auf Rang 151 von 180 Staaten.