Make America Great Again! Über diesen zentralen Satz der Wahlkampagne von Donald Trump kann Lenka Mendoza nur lachen. Wie das denn ohne Menschen wie sie in einem Einwanderungsland gehen soll, fragt die Peruanerin. "Wer soll dann auf den Baustellen arbeiten, in den Hotels, in den Restaurants? Und wer soll auf die Kinder aufpassen?"

Solche und ähnliche Tätigkeiten werden in den USA häufig von Menschen aus Mittel- und Südamerika verrichtet. Denn die meisten Amerikaner wollen Mendozas Job als Reinigungskraft in einem Hotel nicht machen. Nun müssen viele der Einwanderer fürchten, ausgewiesen zu werden: Der künftige Präsident will zwei bis drei Millionen Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung abschieben lassen.

Mendoza lebt seit 16 Jahren in den USA. Eins ihrer drei Kinder wurde hier geboren, die großen studieren. Bis auf ihre jüngste Tochter hat keiner in der Familie Papiere. Seit Trump zum nächsten Präsidenten gewählt wurde, ist die Angst in den Alltag der 45-Jährigen zurückgekehrt. Die Angst davor, ihre Heimat im US-Bundesstaat Virginia zu verlieren und nach Peru zurückkehren zu müssen.

Wenn es nach Trump geht, dürfte nur ihre Tochter Fiorella bleiben, denn nur sie ist hier geboren. Fiorella ist zehn. "Ich habe immer darauf vertraut, dass die USA ein Rechtsstaat sind", sagt Mendoza. "Jetzt habe ich Angst, dass sich all das mit Trump verändern wird und er sich nicht um Menschenrechte schert, obwohl er sie als Präsident doch eigentlich verteidigen müsste."

Mendoza spricht Spanisch wenn sie ihre Geschichte erzählt. Englisch reicht für den Alltag, nicht für die Emotionen und die Politik. In die USA kam Familie Mendoza auf legalem Weg, mit einem Visum. Lenkas Mann Carlos arbeitete in der peruanischen Botschaft. Dann änderten sich die politischen Verhältnisse im Land, Lenka Mendoza, die in Peru für verschiedene Politiker gearbeitet hatte, wollte erst einmal lieber nicht zurück.

Lenka Mendoza lebt seit 16 Jahren in den USA – ohne Papiere. © Rieke Havertz für ZEIT ONLINE

Aus einem Jahr wurden zwei, zehn, schließlich 16 Jahre. Die Visa waren lange abgelaufen, Tochter Fiorella geboren, die beiden Söhne in der Schule. "Am Anfang war es sehr schwierig sich einzuleben, ich habe alles missverstanden", sagt Mendoza. Ihren ersten Job fand sie, weil sie den Manager des Hotels kannte. Viel mehr war nicht nötig. Mendozas Anwalt, Nicholas Marritz vom Legal Aid Justice Center, rät ihr davon ab, mehr Details zu erzählen. Im Leben von illegalen Einwanderern gibt es viele Graubereiche.

"Wir haben dieses Land adoptiert"

Heute fühlt sich Mendoza als Amerikanerin. "Wir haben dieses Land adoptiert, beachten die Gesetze, zahlen Steuern. Trump zahlt ja nicht mal seine Steuern", sagt sie. Ihr ältester Sohn Alijandro studiert BWL, der 21-Jährige möchte später ein Autohaus aufmachen. Carlos, 19, will als Ingenieur Roboter entwickeln. Als er noch in der Schule war, hatte er eine Einladung, den Sommer über ein Programm bei der Nasa zu besuchen, weil seine Noten so gut waren. Doch weil er keine Papiere hatte, konnte er nicht ins Camp. "Und trotzdem will er nicht weg, er glaubt fest daran, dass er es hier schaffen kann", sagt Mendoza. Amerikanischer geht es nicht. 

Mendoza ist stolz, als sie im Konferenzraum vom Legal Aid Justice Centerüber ihre Kinder spricht. In dem Büro an einer Schnellstraße in Falls Church hat sie Hoffnung gefunden. Die Mitarbeiter haben Mendoza geholfen, für ihre Kinder einen temporären Aufenthaltsstatus zu erhalten.

Fälle wie den von Familie Mendoza gibt es viele. In Virginia leben nach Schätzungen des Pew Research Centeretwa 300.000 der gut 1,1 Millionen Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung in den USA. Die Hauptstadt Washington, D.C. ist nicht weit, Hotels und Bürogebäude säumen die Ausfallstraßen. Arbeit gibt es hier genug. Doch seit dem Wahltag ist alles anders.