Bundespräsident Joachim Gauck hat sich besorgt über einen drohenden Rückzug der USA von der internationalen Ebene nach der Amtsübernahme ihres künftigen Präsidenten Donald Trump im Januar geäußert. "Wir könnten in ein schwieriges Fahrwasser gelangen", sagte Gauck der Welt am Sonntag. Zugleich drückte er die Erwartung aus, dass Deutschland unter dem künftigen Präsidenten international stärker gefordert sein dürfte.

"Wir müssen uns mit der Frage auseinandersetzen, was passiert, wenn Amerika sich vor allem mit sich selbst beschäftigt, wenn es nicht mehr an seine Bestimmung glaubt, demokratische Selbstbestimmung weltweit zu fördern", sagte Gauck. "Dann wird mehr Verantwortung auf Europa und damit auch auf Deutschland zukommen." Dies gelte auch für den Verteidigungsbereich.

In fast allen Ländern, die er als Bundespräsident in den vergangenen vier Jahren bereist habe, sei ihm der Wunsch nach einer größeren Rolle Deutschlands in der Welt entgegengebracht worden. "Es ist gut, wenn wir Ja sagen zu dieser Rolle und sie dann im Einklang mit unseren europäischen Bindungen leben."

Gauck sagte mit Blick auf einen Rückzug der USA von internationalen Handlungsfeldern: "Der Gedanke daran besorgt mich zwar; allerdings hoffe ich, dass ein Präsident Trump sich da vom Wahlkämpfer Trump emanzipiert."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hob angesichts neuer nationaler Tendenzen in vielen Staaten die Bedeutung multilateraler Begegnungen etwa im Kreis der G20-Staaten hervor. Gerade mit Blick auf die Tendenzen zurück zur Nationalstaatlichkeit hätten internationale Treffen wie im Kreis der G20 besondere Bedeutung, sagte Merkel in ihrem wöchentlichen Video-Podcast. Deutschland übernimmt Anfang Dezember turnusmäßig die Präsidentschaft der Staatengruppe, der die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer angehören.

Die Kanzlerin wandte sich gegen eine Abkehr von internationaler Zusammenarbeit. Die Geschichte habe gezeigt, dass ein "Sich-Zurückziehen-und-auf-das-eigene-Land-Konzentrieren" letztendlich niemals Nutzen gebracht, sondern eigentlich immer geschadet habe. Allerdings müssten die Regierungen auch Probleme und Sorgen von Menschen ernst nehmen, die "Auswirkungen von Globalisierung so spüren, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren" oder Angst um ihre Zukunft hätten.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) befürchtet nach einem Bericht des Spiegel wegen des Regierungswechsels in den USA einen Stillstand und damit ein weitgehendes Scheitern der deutschen G20-Präsidentschaft. Ein Grund sei, dass das entscheidende Treffen der G20-Finanzminister, bei dem es etwa um den Kampf gegen Steueroasen gehen soll, für Mitte März angesetzt sei, hieß es unter Berufung auf Angaben aus der Umgebung Schäubles. Bis dahin könne die Mannschaft des künftigen US-Finanzministers noch kaum beschlussfähig sein.

Der nächste G20-Gipfel soll am 7. und 8. Juli in Hamburg stattfinden. Daran dürfte dann auch Trump teilnehmen.