Den Namen Jared Kushner kannten bis zur US-Präsidentschaftswahl Anfang November nur wenige Amerikaner. Selbst den Anhängern von Donald Trump war der junge Mann in biederen Bundfaltenhosen und Turnschuhen kaum aufgefallen. Kushner dürfte das kaum gestört haben. Der Schwiegersohn von Donald Trump – Kushner ist mit Tochter Ivanka verheiratet – bleibt gerne im Hintergrund.

Doch der 35-Jährige gehört zu Trumps einflussreichsten Beratern. Auf ihn hört der gewählte Präsident. Laut Insidern konnte er Trump überzeugen, seine Reden zuletzt lieber abzulesen, statt frei zu schwadronieren. Kushner managte Trumps Kampagne maßgeblich. Und er hilft ihm jetzt, sein Kabinett zusammenzustellen.

Wie Trump selbst hat Kushner keinerlei politische Erfahrung. Über seine Überzeugungen ist nichts bekannt. Niemand weiß, in welche Richtung Kushner seinen Schwiegervater lenken wird.

Auf den ersten Blick könnten die beiden nicht unterschiedlicher sein. Trump ist aufbrausend, laut und aggressiv. Kushner gilt als extrem diszipliniert und stets höflich. Doch beide haben Immobilienunternehmen von ihren erfolgreichen Vätern übernommen. Und beide haben einen tiefen Absturz erlebt. Bei Trump waren es die Pleiten seiner Casinos in den 1990er Jahren, bei Kushner verlief dies viel persönlicher. Sein Großvater, ein Holocaustüberlebender, war Schreiner und Bauunternehmer in den Vororten von New Jersey, die damals rasch expandierten. Dessen Sohn Charles – genannt Charlie – baute das Geschäft zu einem Immobilienimperium aus.

Für seinen ältesten Sohn Jared hatte Charlie große Pläne, schon mit vier Jahren nahm er ihn mit auf Baustellen – wohl um sein Interesse am Geschäft zu fördern. Vorbild seien die Kennedys gewesen, sagte ein Freund der Familie einmal dem New York Magazin. Und er brachte ihn an einer der privaten Traditionsuniversitäten unter, die eine wichtige Eintrittskarte für die Ostküstenelite sind. Vater Kushner spendete 2,5 Millionen Dollar an Harvard. Jared wurde dort angenommen – zu einer Zeit, als Harvard nur einen Bewerber von neun akzeptierte, wie der Wirtschaftsjournalist Dan Golden in seinem kritischen Buch über die Auswahlpraktiken der Eliteuniversitäten beschreibt.

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Trump – ein Geizhals ohne Geschmack?

Doch Charlie geriet mit seinen Geschwistern aneinander. Als er herausfand, dass sie staatlichen Ermittlern geholfen hatten, die Kushners Wahlspenden und Steuerzahlungen unter die Lupe nehmen wollten, sann er auf Rache. Er heuerte eine Prostituierte an, die sich als gestrandete Autofahrerin ausgab und seinen Schwager in einem Motel verführte. Die Begegnung der beiden ließ er von einem Privatdetektiv filmen. Den Mitschnitt schickte er an seine Schwester. Das führte zu einer Anklage, Charlie Kushner wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt. Und Jared, kaum fertig mit dem Studium, übernahm mit nur 25 Jahren das Familienunternehmen. Jeden Sonntag soll er nach Alabama geflogen sein, um seinen Vater zu besuchen, der dort im Gefängnis saß. Freunde der Familie loben seine Treue.

Statt sich nach dem Skandal zurückzuziehen, expandierte Kushner Junior. Er verkaufte die meisten Objekte in New Jersey. Und wie sein späterer Schwiegervater Trump arbeitete er daran, in Manhattan den großen Durchbruch zu schaffen. Im Juli 2006 kaufte er den New York Observer, ein auf lachsfarbenem Papier gedrucktes Blatt für New Yorks bessere Gesellschaft – oder diejenigen, die sich dafür halten. Mit dem Kauf verschaffte sich der aufstrebende Jungunternehmer Zugang zu den Kreisen, in denen sich bewegen muss, wer in der Metropole Immobiliengeschäfte machen will. Bald kannten ihn der Bürgermeister, der Gouverneur, Investoren und Finanziers. Durch den Observer lernte er den Zeitungsmagnaten Rupert Murdoch kennen. Dessen damalige Frau Wendi Deng war eine Freundin Ivankas, Kushners heutiger Frau. 2009 heirateten die beiden.

Geldscheine und ein Davidstern

Donald Trump hat es dagegen nie wirklich in die New Yorker High Society geschafft. "Er hat nie einen Cent für wohltätige Zwecke oder Kultur gegeben und er hat überhaupt keinen Geschmack", begründet ein Insider die Ablehnung. Jared und Ivanka gehören dazu. Sie verkörpern geradezu das Ideal des ambitionierten, kultivierten und gut aussehenden Power-Paares. Bis zur Wahl waren die beiden mit Hillary Clintons Tochter Chelsea und deren Mann befreundet.

So ergeben Jared sich seinem Vater zeigte, so loyal ist er gegenüber seinem Schwiegervater. Die Kushners sind orthodox-jüdisch – Ivanka war vor ihrer Ehe zum Judentum konvertiert. Doch als Trump während des Wahlkampfs in einem Twitter-Beitrag Hillary Clinton als korrupt bezeichnete und dazu Geldscheine und einen Davidstern abbildete, verteidigte Kushner ihn. Trump sei kein Antisemit, erklärte er.