Der zukünftige Präsident der USA, Donald Trump, hat erstmals seit seiner Wahl mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg telefoniert. Trump habe der Nato zugesichert, dass sie auch in Zukunft wichtig sein werde, teilte das Militärbündnis mit. Zudem sei sich Stoltenberg mit Trump darüber einig, dass die Lasten innerhalb der Nato gerechter verteilt werden müssten.

Während des Wahlkampfes hatte Trump mit äußerst kritischen Aussagen über die Nato und die Rolle der USA die internationalen Bündnispartner verunsichert. So hatte Trump beispielsweise gesagt, dass die Nato obsolet und unfähig sei, Terrorismus zu bekämpfen. Die USA würden zudem anderen Nato-Mitgliedern im Falle eines Angriffes nur helfen, wenn die Bündnispartner willig seien, ihre Verteidigungsausgaben für die Nato zu erhöhen. Viele Alliierte der USA wissen daher nicht, was sie von der zukünftigen US-Außenpolitik erwarten sollen.

Diese Sorgen versuchte Stoltenberg zu verringern. Noch vor dem Telefonat mit Trump hatte er eine Rede gehalten, in der er sich optimistisch gab. Er sei sicher, dass Präsident Trump nicht die Führungsrolle der USA innerhalb der Nato aufgeben werde. Er habe absolutes Vertrauen, dass Trump der europäischen Sicherheit verpflichtet sei. Das sei wichtig für Europa, aber auch für die USA. Dazu sei aber notwendig, dass die europäischen Alliierten ihre Verteidigungsausgaben erhöhten.

Derzeit übernehmen die Vereinigten Staaten 70 Prozent der Ausgaben für die Nato. Nur vier andere Nato-Länder erfüllten die Vorgabe, mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung auszugeben, sagte Stoltenberg. Das seien Großbritannien, Estland, Griechenland und Polen. Wenn alle Länder ihrem Anteil nachkämen, hätte die Nato pro Jahr 100 Milliarden Dollar mehr zur Verfügung.

Ischinger hält Trumps Präsidentschaft für Chance

Der amtierende US-Präsident Barack Obama hatte sich ähnlich wie Stoltenberg geäußert. Er sei zuversichtlich, dass es unter Trump keine Abschwächungen in den Binnenbeziehungen des Militärbündnisses gebe, hatte Obama noch vor seiner Deutschland-Reise gesagt. In Berlin bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte er dann auch, dass europäische Länder ihre Ausgaben für die Nato erhöhen sollten. Merkel sagte dazu, dass sich Deutschland in Zukunft stärker engagieren werde. 

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, hält eine Trump-Präsidentschaft sogar für eine Chance. Ein halbes Jahrhundert hätten sich Deutschland und andere europäische Staaten "gemütlich eingerichtet darin, dass, wenn es irgendwie kracht und knallt und schwierig wird, dass dann immer die USA da sind, um die Westeuropäer zu schützen". Jetzt müsste sich Europa darauf einstellen, dass mehr verlangt würde. Europa würde so sicherheitspolitisch erwachsen, sagte Ischinger.

USA - Obama will Nato-Partnern Angst vor Trump nehmen Kurz vor seiner letzten Auslandsreise versucht der amtierende Präsident der USA Barack Obama die Nato-Mitgliedsstaaten zu beruhigen. Amerika werde sich auch unter seinem Nachfolger Donald Trump für ein "starkes und robustes Bündnis" einsetzen. © Foto: Yuri Gripas/Reuters