Der Oberste Gerichtshof Kambodschas hat die Berufung von zwei verurteilten Anführern des Terrorregimes der Roten Khmer gegen eine lebenslange Haftstrafe abgelehnt. Das Urteil eines von den UN gestützten Tribunals von 2014 sei in Anbetracht der Schwere der Verbrechen angemessen, entschieden die Richter. Zudem verwiesen sie auf die Rolle der Angeklagten, Ex-Chefideologe Nuon Chea und Ex-Staatschef Khieu Samphan, bei den Gräueltaten.

Die beiden Männern nahmen die Urteilsverkündung regungslos auf. Der 90-jährige Chea und der 85 Jahre alte Samphan waren im August 2014 wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Herrschaft der maoistischen Roten Khmer vor knapp 40 Jahren verurteilt worden. Das Oberste Gerichtshof hob in dem Berufungsurteil einige Detailpunkte aus der Vorinstanz wegen "fehlerhafter Schlussfolgerungen" auf. So könne den Angeklagten die Ermordung von 250 Soldaten des Vorgängerregimes mangels Beweisen nicht angelastet werden.

Gleichzeitig befanden die Richter die Täter allerdings für schuldig, weitere Morde begangen zu haben, für die sie zunächst nicht verurteilt worden waren. Zudem stehen die beiden weiter wegen anderer Anklagen vor Gericht, etwa wegen Völkermords an ethnischen Minderheiten, Zwangsverheiratungen und der Misshandlung von Buddhisten. 

Die Roten Khmer wollten zwischen 1975 und 1979 eine maoistische Bauerngesellschaft verwirklichen. Damals kamen Schätzungen zufolge 1,7 Millionen Menschen durch Folter, Mord, Versklavung, Hunger und Krankheit ums Leben. 

Nuon Chea und Khieu Samphan sind die einzigen Überlebenden aus der Führungsebene der Roten Khmer. Die ursprünglich ebenfalls angeklagten Ieng Sary und Ieng Thirith waren während der Verfahren gestorben. Die Aufarbeitung der Verbrechen dauerte so lange, weil in Kambodscha nach dem Ende der Roten Khmer jahrelang Bürgerkrieg herrschte. Anschließend rang die Regierung des seit 1985 herrschenden ehemaligen Roten Khmer Hun Sen jahrelang mit den Vereinten Nationen um die Statuten für das Tribunal. Die erste Anklage erfolgte 2007.