In der Schweiz hat die Volksabstimmung zur Entscheidung über die Restlaufzeit der Atomkraftwerke begonnen. Die Eidgenossen stimmen über eine Initiative der Grünen Partei (GPS) für einen "geordneten Ausstieg aus der Atomenergie" ab. Das Programm sieht vor, dass alle fünf Atomkraftwerke des Landes spätestens nach 45 Betriebsjahren stillgelegt werden müssen. Umfragen deuten auf ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Gegnern und Befürwortern hin.

Für drei der ältesten Atomkraftwerke der Welt – darunter zwei in unmittelbarer Nähe zu Baden-Württemberg – würde die Annahme der Initiative das Aus schon im kommenden Jahr bedeuten. Die 1969 sowie 1971 fertiggestellten Kraftwerke Beznau 1 und Beznau 2 liegen weniger als zehn Kilometer Luftlinie von der Südgrenze Deutschlands entfernt. Auch das Atomkraftwerk Mühleberg in der Nähe von Bern müsste 2017 vom Netz genommen werden, die zwei weiteren Schweizer AKW bis spätestens 2029. Beznau 1 war der erste Atommeiler der Schweiz und ist das älteste noch in Betrieb befindliche Kernkraftwerk der Welt.

Die Befürworter des Referendums weisen auf das hohe Alter der Reaktoren und das Risiko von Atomunfällen hin. Ein geordneter Ausstieg würde den Anbietern von erneuerbaren Energien helfen, argumentieren sie. Die Regierung warnt, dass ein vorschneller Ausstieg Importe ausländischen Atom- und Kohlestroms notwendig machen würde. Zudem fürchtet Bern Entschädigungsforderungen der AKW-Betreiber.

Grundsätzlich hatte auch die Schweizer Regierung nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Anders als in Deutschland hat aber das Schweizer Parlament keinen genauen Fahrplan festgelegt, wann welches der fünf Atomkraftwerke des Landes stillzulegen ist.