Bei der Parlamentswahl in Kuwait haben Oppositionelle insgesamt 24 der 50 Mandate gewonnen. Das teilten die Wahlbehörden mit. Etwa die Hälfte der gewählten Oppositionsparlamentarier entstammt islamistischen Bewegungen, die übrigen sind Nationalisten und Liberale.

Lediglich eine Frau, Safaa al-Haschem, schaffte den Sprung in die Nationalversammlung. Die liberale Kanidatin ist eine von 15 Frauen, die sich zur Wahl gestellt hatten. Die schiitische Minderheit büßte drei Sitze ein und stellt künftig nur noch sechs Abgeordnete. Die Beteiligung an der Wahl lag bei etwa 70 Prozent. Den Kandidaten der Opposition waren im Vorfeld keine großen Chancen eingeräumt worden. Sie hatten die letzten Wahlen im Jahr 2012 und 2013 wegen Auseinandersetzungen über das Wahlrecht boykottiert.

Die Ergebnisse könnten durchaus zu mehr Widerstand im Parlament führen, weil die Abgeordneten der Opposition genug Sitze haben, um Misstrauensanträge gegen Minister anzustoßen. Der Politikexperte Mohammed al-Adschmi sagte Spannungen voraus. Er rechne mit "Konfrontationen zwischen den oppositionellen Abgeordneten und der nächsten Regierung", sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Der seit 2006 amtierende 87-jährige Emir Scheich Sabah al-Achmed al-Dschabir al-Sabah hatte das Parlament im Oktober vorzeitig aufgelöst. Vorausgegangen waren Spannungen zwischen der Regierung und den Abgeordneten. Mehrere von ihnen kritisierten einige Minister wegen erheblicher Benzinpreiserhöhungen und Amtsverstößen. Hintergrund der Krise ist der Verfall des Ölpreises, der auch Kuwait zu unpopulären Sparmaßnahmen zwang. Die Öleinnahmen, die 95 Prozent der Staatseinnahmen ausmachen, brachen in den vergangenen zwei Jahren um 60 Prozent ein.

Nach 16 Jahren mit Haushaltsüberschuss musste Kuwait vergangenes Jahr 15 Milliarden Dollar (14,2 Milliarden Euro) an Schulden aufnehmen. Die Mehrheit der künftigen Abgeordneten hat angekündigt, sich dennoch gegen Sparmaßnahmen der Regierung zu stellen.

Das Parlament in Kuwait ist zwar gemessen an europäischen Maßstäben nicht besonders mächtig, genießt in der konstitutionellen Monarchie aber mehr Rechte als in den meisten anderen arabischen Ländern. Es entscheidet über Gesetze und kann die Kabinettsmitglieder entlassen, die vom Emir berufen werden.

Das mehrheitlich sunnitische Kuwait ist der einzige Golfstaat, der über eine frei gewählte Nationalversammlung verfügt. Parteien sind allerdings offiziell verboten. Die schiitische Minderheit macht etwa 30 Prozent der einheimischen Bevölkerung aus. Von den 4,4 Millionen Einwohnern des Landes sind 70 Prozent Ausländer, die nicht wahlberechtigt sind. Die Regierung wird immer von einem Mitglied der Herrscherfamilie Al-Sabah geführt, die seit 250 Jahren an der Macht ist.

Kuwait ist ein wichtiger Verbündeter des Westens in der Region. Das Land verfügt über die weltweit sechstgrößten nachgewiesenen Ölreserven.