Bei Luftangriffen der syrischen Regierung auf Rebellenviertel in Aleppo sind mindestens 25 Zivilisten nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte gestorben. Seit Wiederaufnahme der Angriffe am Dienstag war dies das folgenschwerste Bombardement. Im Osten von Aleppo gibt es infolge der mehrtägigen Luftangriffe kein funktionierendes Krankenhaus mehr, berichtete das oppositionelle Gesundheitsdirektorat.

Nach Angaben von Einwohnern trafen Dutzende Luftangriffe und Hunderte Granaten die Stadt. Die medizinische Infrastruktur ist weitestgehend zerstört. Durch "die vorsätzliche Zerstörung von überlebenswichtiger Infrastruktur" könne die belagerte Bevölkerung nicht mehr medizinisch behandelt werden, sagte das Gesundheitsdirektorat. Nach Angaben der Beobachtungsstelle trafen syrische Kampfflugzeuge und Artillerie mehr als 20 Viertel im Osten Aleppos.

Zuletzt sei das Omar-Bin-Abdul-Asis-Krankenhaus im Ostteil der belagerten Stadt am Freitagabend getroffen und zerstört worden. Das teilte die Union of Syrian Medical Organizations (UOSSM) mit. Vier weitere Krankenhäuser seien nach schweren Luftschlägen geschlossen worden. Unter den Kliniken war die letzte noch funktionierende Kinderklinik im Osten Aleppos. Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, einige Krankenhäuser seien noch einsatzbereit, aber nicht zugänglich für die Bevölkerung.

Humanitäre Hilfe kaum möglich

Das Deutsche Rote Kreuz warnte davor, dass die komplette Infrastruktur in Aleppo zusammenbreche. Wenn das Stromnetz nicht mehr funktioniere, sei auch die Wasserversorgung betroffen, sagte der Leiter der internationalen Zusammenarbeit des Roten Kreuzes, Christof Johnen, dem Berliner Tagesspiegel. Würde das Abwassersystem versagen, könne das "der Auftakt zu fatalen Abwärtsspiralen sein, die das gesamte Versorgungssystem einer Großstadt wie Aleppo gefährden".

Humanitäre Hilfe ist in Syrien laut Johnen praktisch unmöglich. Bis zur Jahresmitte hätten die Menschen im Osten Aleppos noch mit Hilfsgütern versorgt werden können. Nun sei der Zugang zur Stadt für den Syrischen Roten Halbmond, den Partner des Roten Kreuzes, wegen mangelnder Sicherheit praktisch unmöglich. Es fehlten Trinkwasser, Lebensmittel und Gesundheitsversorgung.

Syrien - Versorgungsengpass in Aleppo Hilfsorganisationen ringen mit der Versorgung von rund 250.000 Zivilisten, die noch immer im Ostteil des von Rebellen und Regierungstruppen umkämpften Aleppo leben. © Foto: Abdalrhman Ismail/Reuters

In einer in Damaskus veröffentlichten Erklärung der UN hieß es, die Weltorganisation sei "extrem traurig gestimmt und erschüttert über die jüngste Eskalation der Kämpfe" in mehreren Teilen Syriens. Sie rief alle Parteien zu einem Stopp willkürlicher Angriffe auf Zivilisten und zivile Infrastruktur auf. Bei den jüngsten Luftangriffen kamen seit Dienstag mehr als 130 Menschen im Norden Syriens ums Leben.

USA macht Russland verantwortlich

Die nationale Sicherheitsberaterin der USA, Susan Rice, erklärte: "Die USA verurteilen scharf die schrecklichen Angriffe gegen medizinische Einrichtungen und humanitäre Helfer." Die syrische Regierung sowie deren Verbündeter Russland seien "verantwortlich für die aktuellen und langfristigen Konsequenzen dieser Taten."

Russland, der Verbündete von Präsident Baschar al-Assad, hatte in den vergangenen drei Wochen seine Luftangriffe eingestellt, am Dienstag aber wieder aufgenommen. Russische und syrische Truppen versuchen, den Ostteil Aleppos zu erobern, wo sich Rebellen verschanzt haben. Geschätzte 275.000 Menschen sind hier eingeschlossen.

In der von den Islamisten der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) besetzten Stadt Al-Rakka sollen bei einem Luftangriff der US-geführten Militärkoalition nördlich der Stadt 20 Zivilisten gestorben sein. Dies berichtet medizinisches Personal in Al-Rakka; eine unabhängige Bestätigung gibt es nicht. Bewohner berichteten, dass der IS nach dem Verlust des Ortes Tel Saman etwa 30 Kilometer nördlich einen Notstand ausgerufen habe. Kurdische Kämpfer hatten vor knapp zwei Wochen mit einer Großoffensive auf die Stadt begonnen. Sie werden von Luftangriffen des US-geführten Bündnisses unterstützt.