In den Niederlanden ist die Verschleierung von Körper und Gesicht künftig an vielen Orten verboten. Das niederländische Parlament stimmte mit großer Mehrheit für einen entsprechenden Gesetzentwurf der Regierung, die sich bereits seit längerem dafür ausgesprochen hatte. "Wir wollen erreichen, dass man Menschen in bestimmten Situationen wie bei Dienstleistungen in die Augen schauen kann", sagte Ministerpräsident Mark Rutte.

Dem Gesetz zufolge dürfen Ganzkörperschleier (Burkas) und Gesichtsschleier (Nikabs) nicht mehr in staatlichen Gebäuden, im öffentlichen Nahverkehr, Schulen und in Krankenhäusern getragen werden. Bei einem Verstoß droht eine Geldstrafe von bis zu 400 Euro. 

Die Erste Kammer des Parlaments muss dem Gesetzesvorschlag noch zustimmen. Wann das Verbot in Kraft tritt, ist noch nicht bekannt. die Niederlande folgen damit dem Beispiel einer Reihe von europäischen Ländern wie etwa Frankreich und Belgien, wo die Vollverschleierung an öffentlichen Orten bereits verboten ist.

Die Koalition aus Rechtsliberalen und Sozialdemokraten hatte das Verbot bereits vor vier Jahren angekündigt. Vor allem die den Islam ablehnende Freiheitspartei wirbt für ein vollständiges Verbot der Verschleierung und bringt sich damit auch für die im März anstehende Parlamentswahl in Stellung. Laut Umfragen liegt sie vorn.

Es sind vor allem orthodox-muslimische Frauen, die ihr Gesicht verhüllen. Sie tragen beispielsweise die Burka, ein einteiliges Kleidungsstück, das den ganzen Körper einschließlich des Gesichts bedeckt. In Höhe der Augen ist ein Netz zur Durchsicht eingearbeitet. Sie wurde während der Herrschaft der Taliban in Afghanistan für Frauen zur Pflicht. Der Nikab wiederum ist ein Gesichtstuch mit einem Schlitz für die Augen. Je nach Bedarf kann die Frau allerdings auch die Augen bedecken.