Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hat in der US-Wahl die Mehrheit der Wählerstimmen geholt. Damit gewinnt sie die sogenannte Popular Vote. Wegen der Besonderheiten des amerikanischen Wahlsystems wird trotzdem ihr Gegner Donald Trump neuer Präsident der USA.

Nach den bisherigen Auszählungen liegt Clinton mit 232 Wahlmännern deutlich hinter dem Republikaner Trump, der in der Wahl am Dienstag 290 Wahlmänner gewonnen hat. Bis Mittwochnachmittag wurden jedoch für Clinton mehr als 200.000 Stimmen mehr als für Trump ausgezählt, womit Clinton im Popular Vote mit 47,7 Prozent um 0,2 Prozentpunkte vor Trump liegt. 

Staaten, die den Unterschied machten

Quelle: FiveThirtyEight, CNN © ZEIT ONLINE

Dieser scheinbare Widerspruch ist möglich, weil die US-Wahl eine indirekte Wahl ist. Nicht die Zahl der insgesamt abgegebenen Stimmen ist relevant, sondern die Anzahl von gewonnenen Wahlmännern in den Bundesstaaten. Wenn ein Kandidat die Mehrheit der Stimmen in einem Staat erreicht, bekommt er in den meisten Staaten alle Wahlmänner nach dem Winner-takes-all-Prinzip zugesprochen. Das sogenannte Electoral College, bestehend aus den Wahlmännern, wählt schließlich den Präsidenten. Deshalb sind für die Kandidaten sogenannte Swing States sehr wichtig. Das sind Staaten, die traditionell keinem Lager zuzuordnen sind und in denen mit einer knappen Mehrheit viele Wahlmänner zu holen waren. Trump hatte in den meisten Swing States gewonnen. 

Noch sind nicht alle Stimmen ausgezählt. Sollte sich Hillary Clintons Vorsprung bei den Popular Votes bestätigen, wäre dies der erste Fall seit Al Gore im Jahr 2000. Al Gore hatte ebenfalls insgesamt mehr Stimmen als sein Konkurrent George Bush, nicht aber die benötigte Mehrheit von 270 Wahlmännern erhalten.  Insgesamt wäre es der fünfte Fall in der US-Geschichte.

Es gilt jedoch nicht als sicher, dass Clinton in einem Popular-Vote-System die Wahl gewonnen hätte. Der Wahlkampf würde vermutlich anders ablaufen. Wäre die Popular Vote für die Wahl entscheidend, würde sich der Wahlkampf beispielsweise nicht so stark auf die Swing States konzentrieren. Kritiker des komplizierten Wahlsystems in den USA wollen nun eine neue Debatte über Reformen anstoßen.

US-Wahl - Die Zeit bis zum Amtswechsel Nach den Wahlen beginnt in den USA eine Übergangszeit. Der Prozess ist aufwändig und teuer, für das Land ebenso wie für den künftigen Präsidenten. © Foto: Doug Mills, AFP/Getty