Der frühere kubanische Präsident und Revolutionsführer Fidel Castro ist tot. Viele Menschen würdigen sein Lebenswerk, viele äußern aber auch Hoffnung auf einen Wandel in Kuba. In der Nacht zum Samstag hatte der Bruder des 90-Jährigen, Raúl Castro, dessen Tod über das Staatsfernsehen mitgeteilt. Der kubanische Staatsrat ordnete eine neuntägige Staatstrauer an, danach soll Castro in Santiago de Cuba beigesetzt werden.

Der künftige US-Präsident Donald Trump hofft nach dem Tod des Revolutionsführers auf eine neue Ära in Kuba. Seine Regierung werde "alles" dafür tun, um dazu beizutragen, dem kubanischen Volk den Weg "in Richtung Wohlstand und Freiheit" zu ebnen, erklärte Trump. Er bezeichnete Castro als einen "brutalen Diktator, der sein eigenes Volk fast sechs Jahrzehnte lang unterdrückt hat". Kuba sei nach wie vor ein "totalitärer" Staat, sagte Trump. Im Wahlkampf hatte er bereits angekündigt, die von US-Präsident Barack Obama eingeleiteten Schritte wieder rückgängig zu machen, falls Havanna nicht auf die Forderungen seiner Regierung hinsichtlich der Menschenrechtslage in Kuba eingehe.

Der amtierende US-Präsident Barack Obama betonte hingegen die engen Beziehungen beider Länder. Die USA reichten dem kubanischen Volk "die Hand der Freundschaft", sagte er. "Die Geschichte wird den enormen Einfluss dieser einzigartigen Figur auf die Menschen und die Welt um ihn herum beurteilen", fügte er offenbar in Anspielung auf Castros berühmte Aussage "Die Geschichte wird mich freisprechen" hinzu. Obama hatte zusammen mit dem kubanischen Staatschef Raúl Castro die Annäherung der jahrzehntelang verfeindeten Nachbarstaaten vorangetrieben. 

Auch Kanadas Regierungschef Justin Trudeau würdigte Castro als Revolutionär und legendären Redner. Er habe die Bildung und Gesundheitsversorgung in seinem Inselstaat maßgeblich verbessert. "Obwohl er eine umstrittene Figur war, haben seine Anhänger und Gegner seine außerordentliche Liebe und Hingabe für das kubanische Volk anerkannt", sagte Trudeau.

Bewunderung in Lateinamerika

In Lateinamerika dominiert vor allem die Bewunderung für den kommunistischen Führer. "Fidel hat sich auf den Weg in die Unsterblichkeit jener gemacht, die ihr ganzes Leben kämpfen. Immer bis zum Sieg", schrieb Venezuelas sozialistischer Regierungschef Nicolás Maduro auf Twitter. Brasiliens Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva sprach von "dem Größten aller Lateinamerikaner". Der Tod sei für ihn wie der Verlust eines "älteren Bruders", eines "unentbehrlichen Genossen". Ecuadors Staatschef Rafael Correa sagte: "Ein Großer ist von uns gegangen. Fidel ist gestorben. Es lebe Kuba. Es lebe Lateinamerika." Der salvadorianische Präsident und ehemalige Guerilla-Kommandeur Salvador Sánchez Cerén schrieb: "Fidel wird für immer im Herzen der solidarischen Völker leben, die wir für Gerechtigkeit, Würde und Brüderlichkeit kämpfen."

Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto twitterte, Castro sei "ein Freund Mexikos" gewesen, der die bilateralen Beziehungen auf der Grundlage von "Respekt, Dialog und Solidarität" gefördert habe.

Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff äußerte sich auf einer Veranstaltung in Berlin zu Castro. Er würdigte ihn als "einen der größten Führer der Welt". Er habe ihn sehr geschätzt. Castro sei "seinen Ideen des Sozialismus immer treu geblieben" und habe die christlichen Traditionen gekannt. Laut Boff habe sich der frühere Revolutionär in den vergangenen Jahren "auch sehr für ökologische Fragen interessiert".

Auch Indiens Präsident Pranab Mukherjee bekundete auf Twitter sein Bedauern und nannte Castro einen "Freund Indiens".

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sagte: "Er war eine einzigartige Persönlichkeit und hat gegen Kolonialismus und Ausbeutung gekämpft. (...) Er diente als Vorbild für den Kampf unterdrückter Nationen um Unabhängigkeit."

Castro ist "Symbol einer Ära"

Kritischer fielen die Reaktionen in Europa aus. Der französische Staatspräsident François Hollande würdigte den verstorbenen kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro als "eine Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts". Er habe die kubanische Revolution mit ihren Hoffnungen und Enttäuschungen verkörpert, sagte Hollande. Frankreich habe angeprangert, dass das kubanische Regime Menschenrechte verletze. Trotzdem habe man sich immer gegen das US-Embargo gegen Kuba ausgesprochen und den Dialog zwischen den USA und Kuba begrüßt. Hollande hatte im Mai letzten Jahres als erster Staatschef seines Landes das nachrevolutionäre Kuba besucht.

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy sagte, Castro sei eine "Figur von historischer Bedeutung" gewesen. Über Twitter bekundete er der kubanischen Regierung und den Behörden sein Beileid.

Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras drückte sein Bedauern mit den Worten aus: "Adieu, comandante - immer weiter bis zum Sieg der Völker."

Der Papst äußert sich in einem Telegramm: "Ich bete zum Herrn, dass [Castro] in Frieden ruhen möge und vertraue die kubanische Bevölkerung der mütterlichen Fürsprache der Barmherzigen Jungfrau von Cobre an, der Schutzpatronin des Landes."

In einem Telegramm an den kubanischen Staatschef Raúl Castro schrieb der russische Präsident Wladimir Putin, Castro sei "Symbol einer Epoche" gewesen. Weiter heißt es, "Fidel Castro war ein aufrichtiger und verlässlicher Freund Russlands". Sein Name werde "zu Recht als Symbol einer Ära in der modernen Weltgeschichte" angesehen. Der letzte Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, erklärte laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax, Castro habe der "härtesten Blockade" der USA widerstanden und sein Land "gestärkt". Trotz großen Drucks habe er Kuba auf den "Weg der unabhängigen Entwicklung" geführt. Er werde stets als "großer Politiker" in Erinnerung bleiben, der "in der Geschichte der Menschheit eine tiefe Spur" hinterlassen habe.

In Deutschland würdigten die Fraktionschefs der Linken, Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch, den verstorbenen Castro. "Gemeinsam mit den Menschen in Kuba, Lateinamerika und überall dort, wo die kubanische Befreiungsbewegung einen emotionalen Wert besitzt, gedenken wir nicht unkritisch der großen Leistung dieses Revolutionärs", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Castro habe Kuba "von einer blutigen Diktatur" befreit und Gesundheit und Bildung gefördert. Er habe aber auch viele seiner Vorstellungen nicht einlösen können und "viel Spielraum durch seine enge Anlehnung an die Sowjetunion verloren".

Trauer und Hoffnung

Für viele Kubaner war Fidel Castro der Máximo Líder. Sein Tod ist ein Schock für große Teile der Bevölkerung. "Alle Kubaner weinen heute Nacht", sagte die 42-jährige Marbelys einem Reporter der Nachrichtenagentur dpa in der Hauptstadt Havanna. Eine weitere Fau sagte: "Ich werde 100 Jahre weinen. Fidel hat uns Armen alles gegeben." In den Clubs und Bars von Havanna waren ungläubige Gesichter zu sehen, nachdem die Nachricht sich Freitagnacht verbreitete. Doch einige Besucher freuten sich auch über den Tod des kommunistischen Führers. "Gut, dass er tot ist. Jetzt fehlt nur noch der Bruder", sagte Jorge Gonzalez. Er müsse sich wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage prostituieren. "Was wir brauchen, sind Jobs."

In Miami gingen Exilkubaner am frühen Samstagmorgen jubelnd auf die Straße, Autos fuhren hupend die Straße Calle Ocho entlang. Gabriel Morales, ein 40-jähriger Finanzmanager, sagte, die Nachricht vom Tode Castros "erscheint unwirklich". Nach langem Warten sei es jetzt so plötzlich geschehen, sagte er. Seine Eltern waren wie viele andere Kubaner nach dem politischen Umsturz auf Kuba 1959 geflohen.

Auch die große kubanische Exilgemeinde in Spanien feierte den Tod des 90-Jährigen. Man habe die Nachricht mit "tiefer Freude" zur Kenntnis genommen, sagte der Sprecher der Plattform Kuba Demokratie Sofort, Rigoberto Carceller. Die Organisation hat zu einer "Feierkundgebung" vor der kubanischen Botschaft in Madrid aufgerufen. Es sei ein großer Moment für Kuba, sagte er. "Wegen des Todes eines Diktators kann man nicht traurig sein", sagte Carceller. Castro habe Oppositionelle ins Gefängnis stecken und erschießen lassen. Nun sei auf der Insel ein friedlicher Übergang zur Demokratie möglich.