Seltener Vorgang in Russland: Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew ist wegen mutmaßlicher Korruption von Präsident Putin entlassen worden. Zuvor war er festgenommen worden. Der 60-Jährige soll im Zusammenhang mit einem großen Übernahmegeschäft zwei Millionen US-Dollar (rund 1,85 Millionen Euro) Schmiergeld angenommen haben. Das teilte die staatliche Untersuchungskommission mit, die direkt Präsident Wladimir Putin unterstellt ist. Der Präsident habe das Vertrauen verloren, teilte Putins Sprecher wenige Stunden nach der Festnahme mit.

Die Kommission erklärte weiter, sie werde bald die Anklagepunkte gegen den Minister veröffentlichen. Uljukajew sei direkt nach seiner Vernehmung festgenommen worden. Ein Gericht stellte ihn für zwei Monate unter Hausarrest. Nach Angaben eines Ermittlers hat Uljukajew die Annahme von Bestechungsgeld bestritten. Das Vorgehen gegen einen amtierenden Minister gilt als beispiellos. Uljukajew ist der hochrangigste Politiker, der seit 1991 in Russland verhaftet wurde.

Als Gegenleistung für die Schmiergeldzahlung soll Uljukajews Ministerium den Angaben zufolge dem Verkauf von 50 Prozent Staatsanteilen am Ölkonzern Baschneft an den ebenfalls staatlich kontrollierten Ölriesen Rosneft zugestimmt haben. Im Oktober hatte Rosneft für 330 Milliarden Rubel (fünf Milliarden Dollar) die Hälfte der Anteile an Baschneft übernommen. Rosneft wird von Igor Setschin geführt, einem bisherigen Weggefährten Putins. Nach Behördenangaben richten sich die Vorwürfe nicht gegen Rosneft.

Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew verlangt eine lückenlose Aufklärung der Korruptionsvorwürfe gegen Uljukajew. Medwedew habe deshalb bereits mit Putin gesprochen, teilte der Pressedienst des russischen Kabinetts am Dienstagmorgen mit. Unklar ist, ob das Geschäft nun rückgängig gemacht werden solle, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge. 

Der frühere stellvertretende Nationalbankchef Uljukajew ist seit 2013 Minister für wirtschaftliche Entwicklung. Er gilt als einer der liberalen Spezialisten, die Russlands Wirtschaft trotz Krise am Laufen halten und keinem der beiden Lager zuzurechnen sind. Ihm werden vielmehr enge Kontakte zu Andrej Kostin nachgesagt, dem einflussreichen Chef von Russlands zweitgrößter Bank VTB. Uljukajew war zunächst dagegen, dass Baschneft an Rosneft geht. Schließlich gab er grünes Licht.

An den Korruptionsvorwürfen wurden Zweifel laut. Der Chef des russischen Industrieverbandes, Alexander Schochin, warf die Frage auf, wodurch eine Schmiergeldforderung überhaupt gerechtfertigt wäre. Schließlich habe Rosneft mit rund fünf Milliarden Dollar durchaus einen Marktpreis für die Baschneft-Beteiligung von knapp über 50 Prozent bezahlt, sagte er dem Nachrichtenportal gazeta.ru. Zugleich äußerte Schochin die Erwartung, dass Uljukajews Abgang eine weitreichende Regierungsumbildung nach sich ziehen könnte. 2018 steht die nächste Präsidentenwahl in Russland an.