Mit überraschend deutlicher Mehrheit haben die Schweizer gegen einen schnellen Ausstieg aus der Atomkraft gestimmt, berichtet der Sender SRF. Laut Hochrechnung bekam die von den Grünen eingebrachte Atomausstiegsinitiative nur 45 Prozent der Stimmen. Gegen den geforderten Atomausstieg bis spätestens 2029 stimmten 55 Prozent der Schweizer. Für einen Erfolg hätte es sowohl schweizweit wie auch in der Mehrzahl der Kantone eine Mehrheit der Stimmen gebraucht. Beides wurde offenbar verfehlt. "Damit ist es definitiv: Die Initiative der Grünen ist von Volk und Ständen abgelehnt worden", sagte der Politologe Claude Longchamp im SRF. Der Initiative waren ursprünglich gute Chancen eingeräumt worden, da sie in Umfragen auf hohe Zustimmung gestoßen war.

Die Befürworter des Referendums hatten auf das hohe Alter der Schweizer Reaktoren und das Risiko von Atomunfällen hingewiesen. Die Regierung hatte gewarnt, dass ein vorschneller Ausstieg Importe ausländischen Atom- und Kohlestroms notwendig machen würde.

Nach dem Nein zur Initiative bleiben auch zwei besonders alte Kraftwerke in unmittelbarer Nähe zu Baden-Württemberg bis auf Weiteres am Netz. Grundsätzlich hatte die Schweizer Regierung nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Anders als in Deutschland hat aber das Schweizer Parlament keinen genauen Fahrplan festgelegt, wann welches der fünf Atomkraftwerke des Landes stillzulegen ist.