Südkoreas politisch angeschlagene Präsidentin Park Geun Hye will den Weg für einen Nachfolger freimachen. Sie wolle dem Parlament die Entscheidung über ihre politische Zukunft einschließlich der Verkürzung ihrer Amtszeit überlassen, sagte Park. "Sobald die Abgeordneten Maßnahmen für eine Machtübergabe vorlegen, die die Gefahr eines Machtvakuums und ein Regierungschaos möglichst klein halten, werde ich zurücktreten", sagte Park in einer live im Fernsehen übertragenen Ansprache. Beobachter werteten die Erklärung als Versuch, einem entwürdigenden Amtsenthebungsverfahren zu entgehen.

Hintergrund ist ein Korruptionsskandal um eine ihrer Freundinnen. Park wird vorgeworfen, ihrer langjährigen Bekannten Choi Soon Sil ohne öffentliches Amt die Einmischung in die Regierungsgeschäfte erlaubt zu haben. Diese soll dank ihrer Beziehungen zur Präsidentin Sponsorengelder für zwei Stiftungen eingetrieben und sich persönlich bereichert haben. Die 60-jährige Choi sitzt inzwischen wegen des Verdachts auf Betrug und Machtmissbrauch in Haft. Die Staatsanwaltschaft wirft Park Mittäterschaft vor. Park weist den Vorwurf zurück, in kriminelle Aktivitäten verwickelt zu sein.

Der Skandal hat das Land in die größte innenpolitische Krise seit dem Antritt Parks im Februar 2013 gestürzt. Erst am Samstag hatten erneut Hunderttausende Menschen gegen die Präsidentin demonstriert. Park hatte sich bereits zweimal für die Affäre entschuldigt. Ihre Zustimmung in der Bevölkerung ist drastisch gesunken, einer aktuellen Umfrage zufolge fordern neun von zehn Südkoreanern Parks Rücktritt.

Für eine Amtsenthebung Parks durch das Parlament ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig. Die Opposition wäre somit auch auf Stimmen aus der regierenden Saenuri-Partei angewiesen. Die endgültige Entscheidung über Parks Absetzung müsste das Verfassungsgericht treffen. Park ist noch regulär bis Februar 2018 im Amt. Die nächsten Präsidentenwahl ist für Dezember 2017 vorgesehen. 

Südkorea - Hunderttausende fordern Rücktritt der Präsidentin In Südkorea nimmt der Druck auf Präsidentin Park wegen einer Korruptionsaffäre zu. Mehr als eine halbe Million Menschen forderten in der Hauptstadt Seoul ihren Rücktritt. © Foto: AP Photo