Der UN-Sicherheitsrat berät am Mittwoch in einer Dringlichkeitssitzung über die humanitäre Notlage im syrischen Aleppo. Das derzeitige Kriegsgeschehen in der Stadt "könnte eines der schlimmsten Massaker an der Zivilbevölkerung seit dem Zweiten Weltkrieg" bedeuten, sagte der französische UN-Botschafter François Delattre. Er hatte die Sitzung gemeinsam mit seinem britischen Kollegen Matthew Rycroft beantragt.

Geplant ist, dass die Vertreter der 15 Ratsmitglieder in der Sitzung einen Bericht des zuständigen UN-Sondergesandten Staffan de Mistura hören. Laut Rycroft soll im Anschluss über Pläne für die Lieferung von Hilfsmitteln nach Aleppo beraten werden. Auch der Abtransport von Kranken und Verletzten wird demnach ein Thema sein.

Eindringlich rief Rycroft die russische Regierung dazu auf, ihren Einfluss auf das syrische Regime geltend zu machen. "Die Zukunft von Aleppo liegt in den Händen des Regimes und Russlands und wir fordern das Regime und Russland auf, die Bombenangriffe einzustellen und die Hilfslieferungen durchzulassen", sagte Rycroft.

Nach Schätzungen des Internationalen Roten Kreuzes sind in Aleppo zuletzt innerhalb von drei Tagen rund 20.000 Zivilisten vor den vorrückenden Regierungstruppen geflohen. Vor zwei Wochen hatten die Truppen von Staatschef Baschar al-Assad eine Offensive zur vollständigen Eroberung der Stadt begonnen.

Am Samstag verkündeten sie die Eroberung des größten Rebellenviertels von Aleppo, am Montag gaben die Rebellen mehrere Stadtviertel im Nordosten der Stadt auf. Das Rebellengebiet Aleppos zerfiel dadurch in zwei Teile.

Syrien - Rebellen verlieren vorerst Kontrolle über Ost-Aleppo Soldatentruppen von Machthaber Assad haben den Nordosten der syrischen Metropole erobert. Dort leben der UN zufolge 275.000 Menschen unter „entsetzlichen Bedingungen". © Foto: Sana Sana/Reuters