In der umkämpften Stadt Aleppo hat die Regierungsarmee eigenen Angaben zufolge ein von Rebellen gehaltenes Viertel erobert. Der Stadtteil Hanano im Osten stehe jetzt vollständig unter Kontrolle der Soldaten, teilte die Armee von Präsident Baschar al-Assad mit. Masaken Hanano ist das größte Rebellenviertel Aleppos. Das Vordringen in den von Rebellen gehaltenen Osten der Stadt könnte den Truppen von Syriens Machthaber Assad die Einnahme anderer Rebellengebiete erleichtern. 

Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte, dass die Soldaten nun die Kontrolle über den Großteil von Hanano innehätten. Sie seien "nur noch Hunderte Meter davon entfernt, die nördlichen Viertel in Ost-Aleppo von den südlichen zu isolieren", sagte der Leiter der Bobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Hanano sei der erste Bezirk in Aleppo gewesen, den die Rebellen 2012 unter ihre Kontrolle bekommen hätten.

Seit die Regierungstruppen ihre Offensive auf den Ostteil der Stadt am 15. November wieder aufgenommen hatten, seien 357 Menschen getötet worden, teilte die Beobachtungsstelle weiter mit. Außerdem seien mehr als 400 Menschen in das Viertel Masaken Hanano geflohen. Von dort aus seien sie in Gebiete gebracht worden, die unter der Kontrolle der Regierungstruppen stehen. Die Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk in Syrien, von unabhängiger Seite sind die Angaben kaum zu überprüfen.

Syrien will beschleunigte militärische Entscheidung

Der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura hatte kürzlich erklärt, nach seinem Eindruck habe die syrische Regierung die feste Absicht, in Aleppo "eine beschleunigte militärische Entscheidung anzustreben". Dann "wird es zu Weihnachten kein Ost-Aleppo mehr geben", warnte der UN-Vertreter in der Süddeutschen Zeitung vom Freitag. In diesem Fall würde es "Zehntausende Flüchtlinge geben, die sich Richtung Türkei bewegen", sagte de Mistura.

Der Kreml teilte mit, dass Russlands Staatschef Wladimir Putin und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan erneut miteinander über die Lage Syrien telefoniert hätten. Bereits am Freitag hätten sie über die Möglichkeit "gemeinsamer Bemühungen im Kampf gegen den Terrorismus" gesprochen. Russland ist mit Assad verbündet, die Türkei ist gegen ihn, bekämpft aber auch die gegen Assad kämpfenden Kurden in Syrien und die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS). Zuletzt hatte sich der Ton zwischen Syrien und der Türkei verschärft, nachdem am Donnerstag drei türkische Soldaten bei Kämpfen in Nordsyrien getötet worden waren. Die syrische Regierung machte die Türkei für Spannungen zwischen beiden Ländern verantwortlich. Für den Tod ihrer Soldaten trüge die Türkei selbst die Schuld, da sie sie auf syrisches Gebiet geschickt habe, erklärte Syrien.

Vor dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs im März 2011 war Aleppo die Wirtschaftsmetropole des Landes. Seit 2012 ist die nordsyrische Stadt in einen Westteil unter Regierungskontrolle und den von den Rebellen gehaltenen Ostteil geteilt. Die Rebellenviertel mit ihren mehr als 250.000 Einwohnern werden seit Monaten von der syrischen Armee belagert. Den Appell des UN-Sondergesandten de Mistura nach einem Waffenstillstand in Aleppo hatte das Assad-Regime zurückgewiesen.