Die Journalistin Hatice Kamer ist im Südosten der Türkei festgenommen worden. Unter anderem arbeitet sie für den Westdeutschen Rundfunk (WDR), den britischen Sender BBC und Voice of America. Sie gehört zu den letzten Reportern, die noch aus der mehrheitlich von Kurden bewohnten Region berichten.

Kamer war in der südosttürkischen Provinz Siirt unterwegs, um zu einem Unglück in einer Kupfermine mit mindestens zehn Toten zu recherchieren. Sie wurde von der Polizei festgesetzt, berichtet der WDR. Nach Angaben der BBC hatte sie versucht, mit Angehörigen der Bergleute in Kontakt zu treten. 

Die Polizei habe Kamer vorgeworfen, Fotos auf militärischen Gebiet gemacht zu haben, sagte ihre Familie dem WDR. Sie und ihr Anwalt vermuten, Hintergrund der Verhaftung könne Kamers Berichterstattung für ausländische Medien über in der Türkei unliebsame Themen sein. Die international bekannte Reporterin ist kurdischer Abstammung, lebt in Diyarbakır und ist zudem die Vorsitzende eines örtlichen Journalistenverbandes.

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) verurteilte die Festnahme. Kamer habe bis zu ihrer Festnahme zu den ganz wenigen Kollegen gezählt, "von denen wir noch unabhängige Nachrichten aus dem Land bekommen haben", sagte der DJV-Vorsitzende Frank Überall. Der DJV forderte den WDR und die Bundesregierung auf, sich dafür einzusetzen, dass Kamer umgehend freigelassen werde. Der erneute Fall zeige, wie die türkische Regierung derzeit unliebsame Journalisten drangsaliere.

Seit dem versuchten Militärputsch im Juli gehen die türkischen Behörden hart gegen mutmaßliche Oppositionelle und kritische Medien vor. Das betrifft nicht nur mutmaßliche Anhänger des im Exil lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen, den die Regierung in Ankara für den Putschversuch verantwortlich macht, sondern auch mutmaßliche Anhänger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Tausende Menschen insbesondere aus dem Bildungswesen, den Medien, den Streitkräften und der Justiz wurden festgenommen, zehntausend weitere aus dem Staatsdienst entlassen oder suspendiert. Nach Angaben von Journalistenvereinigungen schloss die türkische Regierung in den vergangenen Monaten mehr als 150 Zeitungen, Radio- und Fernsehsender.