Die USA wollen den UN-Sicherheitsrat zur Verhängung eines umfassenden Waffenembargos gegen das afrikanische Bürgerkriegsland Südsudan bewegen. "Südsudan ist ein Land am Abgrund", sagte die UN-Botschafterin der USA, Samantha Power, im Sicherheitsrat in New York. Die Kriegsparteien dort hätten sich "massenhafter Gräueltaten" schuldig gemacht.

In den kommenden Tagen werden die USA einen entsprechenden Resolutionsentwurf einbringen, kündigte Power an. Er sieht ein einjähriges Verbot des Verkaufs von Waffen, Munition, Militärfahrzeugen und anderem Kriegsmaterial an den Südsudan vor. Verantwortliche des Konflikts sollten mit einem Reiseverbot belegt werden, ihre Guthaben sollten eingefroren werden.

Die Initiative der USA stieß umgehend auf Widerstand der Vetomacht Russland. Der stellvertretende russische UN-Botschafter Petr Iljitschow bezeichnete ein Waffenembargo als verfrüht. In der gegenwärtigen Situation sei dies der "Gipfel der Unverantwortlichkeit".

Auch Chinas Vizebotschafter Wu Haito äußerte sich skeptisch und mahnte ein vorsichtiges Vorgehen an: Es müsse alles getan werden, um eine weitere Komplizierung der Situation zu verhindern.

Die USA begründeten ihren Vorstoß auch mit der jüngsten Warnung der UN vor einer weiteren Eskalation des ethnischen Konflikts im Südsudan. Werde die Gewalt nicht gestoppt, drohe ein Völkermord, hatte der UN-Sonderberater Adama Dieng vergangene Woche zum Abschluss eines einwöchigen Besuchs im Land gesagt. Die extreme Polarisierung zwischen einzelnen Volksgruppen habe vielerorts zugenommen. Dieng berichtete über Morde und Vergewaltigungen sowie Angriffe auf politische Gegner und Mitglieder anderer Ethnien. "Was als politischer Konflikt begann, könnte sich zu einem offenen ethnischen Krieg entwickeln", sagte Dieng.

Im erst seit 2011 unabhängigen Südsudan war im Dezember 2013 der lange schwelende Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem damaligen Stellvertreter Riek Machar eskaliert. Seitdem wurden bei Kämpfen und ethnisch motivierten Massakern Zehntausende Menschen getötet und Millionen weitere aus ihren Häusern vertrieben. Unter internationalem Druck vereinbarten die Rivalen schließlich eine Regierung der nationalen Einheit, die jedoch im Juli nach nur wenigen Tagen zerbrach.