Bei seinem Besuch in Berlin hat der US-Präsident erneut seine Wertschätzung für die deutsche Bundeskanzlerin ausgedrückt. "Deutsche sollten Merkel wertschätzen", sagte Barack Obama in einem Interview mit der ARD und dem Spiegel. "Sie steht für große Glaubwürdigkeit, und sie ist bereit, für ihre Werte zu kämpfen", sagte der Präsident über die deutsche Kanzlerin. "Ich bin froh, dass sie da ist und die Deutschen sollten sie wertschätzen. Ich schätze sie jedenfalls als Partnerin."

Die Erfolge von Rechtspopulisten in den USA und Europa bereiten dem US-Präsidenten Sorgen. Die Spaltung in den Gesellschaften könnte sich vertiefen: "Wenn die globale Wirtschaft nicht auf Menschen reagiert, die sich zurückgelassen fühlen, wenn die Ungleichheit weiter wächst, werden wir erleben, dass sich die Spaltungen in den Industrieländern ausweiten", sagte Obama in dem Gespräch.

Abschiedsbesuch - Berliner behalten Obama in guter Erinnerung Zum letzten Mal besucht der scheidende US-Präsident die Bundeshauptstadt. Dass Barack Obama demnächst nicht mehr im Amt ist ist, bedauerten viele Berliner. © Foto: Fabrizio Bensch/Reuters

Ähnlich hatte Obama sich bereits vor seiner Abreise nach Europa geäußert. Merkel sei die engste Verbündete seiner Amtszeit gewesen, sagte der scheidende US-Präsident. In einem gemeinsamen Beitrag für die Wirtschaftswoche hatten Obama und Merkel bereits zum Auftakt des Besuchs vor einer Abschottung ihrer Länder in Zeiten der Globalisierung gewarnt und sich unter anderem für Freihandel stark gemacht.

Es ist die letzte Reise Obamas nach Europa, bevor er sein Amt an Donald Trump übergibt. Am Nachmittag traf er zu einem Gespräch mit Merkel im Kanzleramt ein. Dabei soll es um seinen Nachfolger, Russlands Staatschef Wladimir Putin, die Ukraine-Krise und den Terrorismus gehen. Zudem sollen die Wirtschaftsbeziehungen, die Zukunft des geplanten Handelsabkommens TTIP und die Klimapolitik Thema sein.

"Die Sonne ist rausgekommen – nicht schlecht"

Vor seinem Gespräch mit Merkel zeigte sich Obama am Donnerstagmittag kurz vor dem Brandenburger Tor, als er mit einem Kaffeebecher in der Hand von der US-Botschaft über den Pariser Platz zum Hotel Adlon lief. "Hallo Leute, wie geht's?", sagte ein gut gelaunter Präsident und freute sich über eine Regenpause in der Hauptstadt: "Die Sonne ist rausgekommen. Nicht schlecht." Womöglich eine Anspielung auf seine erste Reaktion nach der Verkündung von Trumps Wahlsieg.

Für den sechsten Präsidentenbesuch Obamas in Deutschland gelten höchste Sicherheitsvorkehrungen. Das Berliner Regierungsviertel ist weiträumig abgesperrt, auf den Dächern am Pariser Platz halten Scharfschützen die Stellung. Tausende Polizisten sind im Einsatz.

Vor seinem Deutschlandbesuch hatte Obama in einer Grundsatzrede in Griechenland die Bedeutung der Demokratie und die Verantwortung der Bürger hervorgehoben. Er versicherte, die USA würden auch künftig ihren Bündnispflichten nachkommen. Die Europäer beschwor er, am historischen Projekt der Einigung festzuhalten. Er rief die Menschen auf, sich in die Politik einzubringen und damit die Geschicke ihrer Länder selbst in die Hand zu nehmen. "Es ist nicht die Aufgabe oder die Verantwortung von jemand anderem, sondern die der Bürger unseres Landes und der Bürger der Welt, den Kurs der Geschichte hin zur Gerechtigkeit zu lenken", sagte Obama. Die Welt brauche "heute mehr denn je ein Europa, das stark, wohlhabend und demokratisch ist".

Am Mittwochabend war Obama dann nach Deutschland gekommen und hatte sich mit Merkel zu einem dreistündigen Abendessen unter vier Augen getroffen – unter anderem gab es Currywurst. Am Donnerstagabend steht ein weiteres Dinner auf dem Programm.

Treffen mit europäischen Regierungschefs

Nach den Gesprächen mit Merkel am Donnerstag will Obama am Freitag mit seinen europäischen Partnern über ihre Sorgen vor einem möglichen außenpolitischen Rückzug der Vereinigten Staaten unter Trump sprechen. Dazu wird Obama gemeinsam mit Merkel den französischen Präsidenten François Hollande, Italiens Ministerpräsidenten Matteo Renzi sowie den spanischen Regierungschef Mariano Rajoy und die britische Premierministerin Theresa May treffen.

Anschließend fliegt Obama weiter zum Gipfeltreffen des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) nach Peru. Am Rande des Gipfels in der Hauptstadt Lima will er auch zu einem bilateralen Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping zusammenkommen.