Man erinnert sich noch gut an die Aussagen des damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump im Wahlkampf: wiederholt hatte er von Betrug gesprochen und im letzten TV-Duell sogar damit gedroht, das Wahlergebnis nicht anzuerkennen, sollte er nicht zum Sieger erklärt werden. Als designierter US-Präsident klingt das nun anders: "Das Volk hat gesprochen, und die Wahl ist vorbei", erklärte Trump. "Wir müssen dieses Ergebnis akzeptieren und in die Zukunft blicken."

Die Initiative der Grünen-Kandidatin Jill Stein, die Stimmen in drei Bundesstaaten nachzählen zu lassen, bezeichnete er als "aberwitzig". In einer schriftlichen Erklärung unterstellte er der Grünen, die insgesamt weniger als ein Prozent der Stimmen erhalten haben, dass sie lediglich ihre Kasse füllen wolle. Er bezog sich dabei darauf, dass Stein in den vergangenen Tagen mehr als fünf Millionen Dollar an Spenden zur Finanzierung der Neuauszählung gesammelt hatte.   


Die Wahlkommission in Wisconsin hat inzwischen Steins Antrag angenommen und bereitet sich inzwischen auf eine landesweite Nachzählung vor. Das Team von Hillary Clinton kündigte an, sich an der Neuauszählung der Stimmzettel aktiv zu beteiligen.

Wisconsin ist einer der Staaten, in denen Trump bei der Wahl am 8. November mit einem hauchdünnen Vorsprung von 27.000 Stimmen vor seiner demokratischen Rivalin gewonnen hatte. Ähnliches gilt für die Bundesstaaten Michigan und Pennsylvania. Auswirkungen auf das Gesamtergebnis gäbe es nur, wenn alle drei Staaten nachträglich an Clinton fallen würden.

Am Mittwoch laufen die Fristen für Neuauszählungen ab

Computer-Experten hatten darauf hingewiesen, dass die in Wisconsin benutzten Wahlautomaten anfällig für Hackerangriffe seien und deswegen in anderen Bundesstaaten, etwa Kalifornien, nicht benutzt werden dürfen. Die favorisierte Clinton hatte in Stimmbezirken, in denen Wahlmaschinen benutzt wurden, deutlich schlechter abgeschnitten als in Wahllokalen, wo auf handgeschriebene Stimmzettel gesetzt worden war.

Die Neuauszählung in Wisconsin muss bis zum 13. Dezember abgeschlossen sein. Ein Ergebnis müsste bis zum 19. Dezember feststehen, wenn die Wahlleute offiziell den neuen Präsidenten wählen. Will Stein auch entsprechende Anträge in den beiden anderen Staaten einreichen, muss sie das der Washington Post zufolge in Pennsylvania spätestens am Montag tun, in Michigan am Mittwoch. Dann laufen die Fristen ab.

Stein sagte, ihre Initiative ziele nicht darauf ab, Trumps Sieg infrage zu stellen, sondern die Integrität des Wahlsystems zu überprüfen.