Knapp drei Wochen nach der Präsidentschaftswahl ist in den USA eine neue Debatte über das Ergebnis der Abstimmung entbrannt. Nachdem die grüne Präsidentschaftskandidatin Jill Stein die Neuauszählung der Stimmen im Bundesstaat Wisconsin beantragt hat, zweifelt nun der designierte Präsident Donald Trump das Wahlergebnis an. Millionen von Menschen hätten "illegal" ihre Stimme abgegeben, behauptete der Rechtspopulist auf Twitter. Wäre dies nicht passiert, hätte er "zusätzlich zur Mehrheit der Wahlmänner auch die Mehrheit der Stimmen erhalten", schreibt Trump mit Blick auf seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton, die landesweit zwei Millionen Stimmen mehr bekommen hat.

Wenig später legte Trump nach und beklagte seinerseits "ernsthaften Wahlbetrug" in Virginia, New Hampshire und Kalifornien. Beweise für seine Behauptungen legte Trump nicht vor, erhob stattdessen aber neue Vorwürfe gegen die von ihm schon oft bescholtene Presse: "Warum berichten die Medien nicht darüber?", twitterte er.

Die Äußerungen des designierten Präsidenten werfen Fragen auf, hatten Trump und seine Berater doch am Wochenende noch scharfe Kritik an den Plänen zur Neuauszählung in einigen Staaten geübt. So bezeichnete Trump die von den Grünen initiierte Neuauszählung der Stimmen in Wisconsin als "lächerlich" und sprach von Zeit- und Geldverschwendung. Unklar blieb, welches Ziel Trump verfolgt, indem er nun selbst die Rechtsmäßigkeit der Wahl infrage stellt. Unabhängige Wahlbeobachter jedenfalls bezweifeln seine Behauptungen. "Es gibt keinen Grund, das für wahr zu halten", sagte etwa Rick Hanson, ein auf Wahlrecht spezialisierter Professor an der Universität Kalifornien, dem US-Medium Politico. "Das Problem, dass etwa Nichtstaatsbürger wählen, ist gering. Wir sprechen hier von ein paar Dutzenden Reklamationen."

US-Wahl - Trump spricht ohne Beleg von Wahlbetrug Der künftige US-Präsident Donald Trump zweifelt das Wahlergebnis von Anfang November an und spricht von "illegal abgegebenen Stimmen". Beweise nennt er nicht. © Foto: Carlo Allegri/Reuters

Am Wochenende hatte das Team von Hillary Clinton mitgeteilt, dass es die Vorstöße der Grünen um Jill Stein zur Neuauszählung unterstützt. So will Stein auch die Stimmen in den Staaten Pennsylvania und Michigan auszählen lassen, wo Trump jeweils nur knapp vorne lag. Clintons Unterstützer machten aber deutlich, dass sie nicht von einem Wahlbetrug ausgehen, sondern dass die Neuauszählung eine Vorsichtsmaßnahme sei. Zugleich dauert die originäre Auszählung in bevölkerungsreichen Staaten wie etwa Kalifornien noch an. Fachleute gehen davon aus, dass der Vorsprung der demokratischen Kandidatin letztlich bei 2,5 Millionen Stimmen liegen dürfte.

Hintergrund der Vorstöße für die Neuauszählungen sind Hinweise von Computerexperten, nach denen die in Wisconsin benutzten Wahlautomaten anfällig für Hackerangriffe seien und deswegen in anderen Bundesstaaten, etwa Kalifornien, nicht benutzt werden dürfen. Einige sprachen von "statistischen Anomalien". So hatte die favorisierte Clinton in Stimmbezirken, in denen Wahlmaschinen benutzt wurden, deutlich schlechter abgeschnitten als in Wahllokalen, wo auf handgeschriebene Stimmzettel gesetzt worden war. Offiziell hieß es, es gebe keine Anzeichen für Unregelmäßigkeiten bei der Wahl.

Die US-Bürger wählen ihren Präsidenten nur indirekt. Ausschlaggebend ist ein Gremium von Wahlmännern und -frauen. Jeder Bundesstaat hat je nach seinem Bevölkerungsumfang eine bestimmte Zahl von Vertretern in dieser Gruppe, die entsprechend dem Wahlergebnis in ihrem Staat votieren – nach dem Prinzip "Winner takes it all". Das heißt, der Gewinner bekommt alles, hohe Siege zählen nicht mehr als knappe.