Im US-Bundesstaat Wisconsin sollen die bei der US-Präsidentschaftswahl vor zweieinhalb Wochen abgegebenen Stimmen noch einmal ausgezählt werden. Die Wahlkommission des Bundesstaates bestätigte einen entsprechenden Antrag der Grünen-Politikerin Jill Stein. "Wir bereiten uns jetzt auf eine landesweite Nachzählung vor", sagte der Leiter der Kommission, Michael Haas. Diese muss bis spätestens 13. Dezember abgeschlossen sein. Stein sagte, dieser Schritt ziele darauf ab, die Integrität des Wahlsystems zu überprüfen. Ziel sei nicht, den Sieg des Republikaners Donald Trump infrage zu stellen.

Die zehn Wahlmännerstimmen aus Wisconsin waren bei der Wahl am 8. November mit einem Vorsprung von rund 27.000 Stimmen überraschend an Donald Trump gegangen. Ähnliches gilt für die Bundesstaaten Michigan und Pennsylvania, auch dort will Stein nun Nachzählungen erreichen. Auswirkungen auf das Gesamtergebnis gäbe es nur, wenn alle drei Staaten nachträglich an die Demokratin Hillary Clinton fallen würden. Das müsste allerdings bis zum 19. Dezember feststehen, wenn die Wahlleute offiziell den neuen Präsidenten wählen.

Computerexperten hatten darauf hingewiesen, dass die in Wisconsin benutzten Wahlautomaten anfällig für Hackerangriffe seien. In anderen Bundesstaaten, zum Beispiel in Kalifornien, durften sie deshalb nicht benutzt werden. Clinton hatte in Stimmbezirken, in denen Wahlautomaten zum Einsatz kamen, deutlich schlechter abgeschnitten als dort, wo mit handgeschriebenen Stimmzetteln gewählt wurde.

Landesweit hatte Clinton bei der Präsidentschaftswahl rund zwei Millionen Stimmen mehr erhalten als Trump. Die Vergabe der Wahlmänner erfolgt jedoch auf Basis der Bundesstaaten nach dem Winner-Takes-All-Prinzip: Hohe Siege zählen nicht mehr als knappe. Experten räumen Steins Initiative keine große Chance auf Erfolg ein.