Die Demokraten im US-Repräsentantenhaus haben Nancy Pelosi erneut zu ihrer Fraktionsvorsitzenden gewählt. Die 76-Jährige aus San Francisco setzte sich trotz der Enttäuschung über das Abschneiden ihrer Partei bei den Wahlen am 8. November gegen den Abgeordneten Tim Ryan aus Ohio durch. 134 Abgeordnete stimmten für Pelosi, 63 gegen sie.

Pelosi gilt als Urgestein der Demokraten in Washington und seit Langem als eine der einflussreichsten Politikerfiguren in der Partei. Sie steht seit 2003 an der Spitze der Fraktion und wurde 2007 als Mehrheitsführerin zur ersten weiblichen Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses in dessen Geschichte gewählt. Seit 2011 steht sie der Fraktion wieder als Minderheitsführerin vor.

Einst stand ihr Name sinnbildlich für den Fortschritt der Demokratischen Partei. Inzwischen steht die 76-Jährige mit für die Krise der Demokraten. Nancy Pelosi symbolisiert für viele US-Bürger die Vergangenheit, sie steht für eine Politkaste, die sich an die Macht klammert und gegen eine Verjüngung der Führungsriege und einen neuen politischen Ansatz stellt. Ihr 43-jähriger Herausforderer für die Wahl des Fraktionsvorsitzes konnte jedoch keine Mehrheit hinter sich bringen.

Kritiker werfen den Demokraten schon vor der verheerenden Wahlniederlage – am 8. November verloren sie nicht nur das Weiße Haus, sondern auch zahlreiche Posten im Kongress – vor, die Signale aus dem Vorwahlkampf nicht verstanden zu haben. Damals machte Senator Bernie Sanders mit seinen Versprechungen für eine gerechtere, bürgernähere Politik Hillary Clinton ihre sicher geglaubte Kandidatur lange Zeit streitig. Auch er sprach damit viele Wähler in den alten Industrie- und Landwirtschaftsregionen an, die dann mehrheitlich für den Republikaner Donald Trump gestimmt haben.

Viele in der Parteiführung stemmen sich allerdings gegen das Argument, dass sie die Verbindung zu großen Bevölkerungsschichten verloren haben. Elizabeth Warren etwa, eine Clinton-Getreue, sagt über den politischen Gegner: "Die Republikaner übernehmen den Kongress. Sie übernehmen das Weiße Haus. Aber sie haben nicht die Unterstützung der Mehrheit in diesem Land." Nicht nur die Washington Post urteilt: "Die Demokraten belügen sich selbst".

2018 stehen mit den sogenannten Midterms die nächsten Wahlen an. "Die Demokraten sollten dann nicht einfach den letzten Krieg noch einmal ausfechten", rät Stuart Stoltenberg in der Washington Post. Es ist noch kein halbes Jahr her, dass Parteichefin Debbie Wasserman-Schultz gehen musste, weil sie im Vorwahlkampf Bernie Sanders übervorteilt hatte.