Trump

Die Schönheitskönigin: späte Rache

Als Alicia Machado nach ihrer Wahl zur Miss Universe im Jahr 1996 bei einem von Trump organisierten Schönheitswettbewerb ein paar Kilo zulegte, beschimpfte er sie als "Fressmaschine". Öffentlich führte er sie vor, immer wieder, tagelang. Trump wollte offenbar nicht akzeptieren, dass Machado ihre Siegerfigur nicht halten konnte. Deshalb drohte er ihr mit der Aberkennung des Titels und zwang sie vor den Augen von Dutzenden Reportern in einem Fitnessstudio in New York zum Seilspringen und Gewichtheben. Für die 19-Jährige brach eine Welt zusammen: Sie bekam Depressionen, litt unter Bulimie.

Zwanzig Jahre später wurde Machado zu einer von Hillary Clintons wichtigsten Wahlkampfhelferinnen. Während der ersten TV-Debatte Ende September erzählte Clinton vom Schicksal der ehemaligen Beauty-Queen. "Eine Frau nannte er Miss Piggy. Dann nannte er sie Miss Housekeeping, weil sie Latina ist", legt sie los. "Donald, diese Frau hat einen Namen." Pause. "Ihr Name ist Alicia Machado."

Trump brauchte Wochen, um sich von dieser Attacke zu erholen. Denn anstatt seinen Fehler einzugestehen, legt er gleich noch einmal nach: Auf Twitter beschimpft er Machado als Lügnerin. Seine Umfragewerte stürzen daraufhin ab.

Belästigung: "You can do anything!"

Viele Frauen berichten, dass Trump noch weiter gegangen sei. Jede Menge sexueller Sprüche werden ihm vorgeworfen, er soll in Umkleidekabinen spaziert sein, Frauen das T-Shirt hochgezogen und sie gegen ihren Willen auf den Mund geküsst haben. Er bestreitet alle Vorwürfe, nennt sie "Lügen" und droht rechtliche Schritte an. Allerdings kann er die Echtheit eines Videos aus dem Jahr 2005 nicht bestreiten, auf dem er sich mit genau diesem Verhalten brüstet. "Ich küsse einfach. Ich warte nicht", sagt er darin. "Wenn man ein Star ist, lassen sie dich alles machen." Dann brüstet er sich damit, Frauen ungefragt an die Genitalien zu fassen. Auch in der Howard Stern Show hatte er schon einmal mit solchem Verhalten geprahlt. Nach Veröffentlichung des Videos sammelte die New York Times weitere Vorwürfe dieser Art gegen Trump. Seine Ex-Frau Ivana beschuldigte Trump, er habe sie vergewaltigt. Diese Behauptung zog sie später zurück.

Zahlungsmoral: ein Milliardär mit Schulden

Trump sagt von sich selbst, dass er hart verhandeln kann. Dafür lieben ihn seine Anhänger. Was er unter harten Verhandlungen versteht, bekamen aber nicht nur Konkurrenten zu spüren, sondern auch viele der Handwerker, Bauarbeiter und Kleinunternehmer, die für ihn arbeiteten. Viele klagen über unbezahlte Rechnungen. In drei Jahrzehnten soll Trump deswegen mehr als 3.500-mal verklagt worden sein. Hunderttausende Dollar schulde er seinen Gläubigern. Trump erklärt, er sei mit der Arbeit dieser Leute nicht zufrieden gewesen. Dass dieser Vorwurf in allen Fällen zutrifft, wirkt unrealistisch.

Hunderte polnische Arbeiter wurden von Trump illegal zu Niedriglöhnen und ohne ausreichenden Schutz beschäftigt, als sein Unternehmen dringend Hilfe bei Abrissarbeiten brauchte. Das ist gerichtlich bestätigt. Auch von diesen Arbeitern bekamen viele ihren Lohn nicht. Trumps Leute sollen sie bedroht haben, sie bei der Ausländerbehörde anzuzeigen, sollten sie sich wehren. Auch bei der Renovierung seines neuen Hotels in Washington D.C. kamen papier- und damit rechtlose Einwanderer zum Einsatz.

Steuern: Trump spielt Verstecken

Trump lässt keinen Zweifel daran, dass er sich selbst für einen großartigen Geschäftsmann hält. Tatsächlich hat er in der Vergangenheit mithilfe gut bezahlter Fachanwälte jedes mögliche Steuerschlupfloch genutzt, um nur einen möglichst kleinen Teil seines Einkommens an den Fiskus abführen zu müssen. Die New York Times berichtete Ende September, Trump habe im Jahr 1995 nach diversen Pleiten seiner Casinos in Atlantic City Verluste in Höhe von 916 Millionen Dollar abgeschrieben und deshalb möglicherweise aufgrund einer Steuerregelung 18 Jahre lang überhaupt keine Einkommensteuer gezahlt.

Trump weist alle Schuld von sich: "Warum hat Hillary Clinton nie versucht, diese Gesetze zu ändern, damit ich sie nicht nutze?" Anders als Clinton und alle anderen Präsidentschaftskandidaten in der Vergangenheit hat er sich jedoch geweigert, seine Steuererklärungen offenzulegen.

Bislang konnte Trump kein illegales Verhalten nachgewiesen werden. Doch veröffentlichte die New York Times kürzlich neue Dokumente, die belegen sollen, dass Trump Anfang der neunziger Jahre zu versteuerndes Einkommen mithilfe von Schuldscheinen verschleiert und so vor den Abgaben an den Staat geschützt habe. Wenige Jahre später verbot der US-Kongress diese Methode der Steuervermeidung.

Rassismus: #TrumpSoWhite

Schon lange nicht mehr hat ein Präsidentschaftskandidat Amerikas Minderheiten so sehr vergrätzt wie Donald Trump: Die meisten Schwarzen, Asiaten, Latinos und Muslime wollen nichts mit ihm und seinen politischen Ansichten zu tun haben. Kein Wunder: Schon bei seinem allerersten Wahlkampfauftritt im Trump-Tower Mitte Juni 2015 sagte er über Einwanderer aus Mexiko: "Sie bringen Drogen. Sie bringen Kriminalität. Sie sind Vergewaltiger. Und manche, nehme ich an, sind gute Leute."

Immer wieder erklärte er, Schwarze würden "in der Hölle" leben – ein Pauschalurteil, das vielen Afroamerikanern bitter aufstößt. Schließlich sind Schwarze in den USA in vielen Bereichen immer noch benachteiligt, sie haben schlechtere Bildungs- und Jobchancen und sie werden überdurchschnittlich oft verurteilt und inhaftiert. Oder von Polizisten erschossen.

Auch auf Amerikas Muslime hat Trump es abgesehen: Zu einer seiner klassischen Forderungen beim Thema Sicherheitspolitik gehört das "extreme vetting" – knallharte Kontrollen für Menschen aus dem Nahen Osten, sowie ein Einreiseverbot für Menschen aus all jenen Staaten, aus denen islamistische Terroristen kommen.

Kaum ein Republikaner hat sich über diese Forderungen und Kommentare empört. Als Trump aber während des Parteitags der Demokraten die Eltern des im Irak gefallenen muslimischen Soldaten Humayun Khan beleidigte, sagten sich viele Parteifreunde von ihm los. Denn Trump hatte damit ein ungeschriebenes Gesetz verletzt: Respekt vor gefallenen Soldaten und deren Familien.

Aufruf zur Gewalt: robuste Worte

Hat Trump bei einer Rede Fahrt aufgenommen, schreckt er auch nicht davor zurück, seine Anhänger mehr oder weniger offen zu Gewalt aufzurufen. Während eines Wahlkampfevents in Miami spielte er Mitte September mit dem Gedanken, die Waffen von Hillary Clintons Personenschützern zu konfiszieren. "Sie ist gegen Waffen. Nehmt ihnen die Waffen weg. Lasst uns sehen, was mit ihr passiert. Okay, das wäre sehr gefährlich."

Immer wieder ist es in den vergangenen Monaten während Wahlkampfveranstaltungen von Trump zu Gewalt gekommen – oft angefeuert vom Kandidaten. Als ein Demonstrant Mitte Februar eine seiner Reden unterbrach, erklärte Trump auf der Bühne: "Ich würde dem Typen gerne ins Gesicht schlagen." Kurz vor der Wahl rief Trump seine Unterstützer auf, am Tag der Abstimmung vor Wahllokalen Wache zu halten, um zu überprüfen, ob die Wahl gefälscht werde Bürgerrechtsaktivisten warfen ihm daraufhin vor, gezielt Minderheiten einschüchtern zu wollen. Und tatsächlich kündigten vergangene Woche mehrere rechtsextreme Verbände, darunter der Ku-Klux-Klan, Patrouillen am Wahltag an.

Die Trump-Stiftung: kaum ein guter Zweck

Bei aller Aufregung über Hillary Clintons Verbindungen zu reichen Gönnern der familieneigenen Clinton Foundation geriet fast in Vergessenheit, dass auch Trump eine Stiftung betreibt. Und auch die macht Probleme. Über ein Jahr lang hat sich David Fahrenthold, Reporter der Washington Post, durch die Unterlagen der Trump Foundation gewühlt. Und dabei unter anderem herausgefunden, dass der Milliardär über seine Stiftung Floridas Generalstaatsanwältin Pam Bondi mit 25.000 US-Dollar im Wahlkampf unterstützt hat – und die kurz darauf eine drohende Klage gegen Trumps diverse Unternehmen in ihrem Bundesstaat fallen ließ.  

Auch nutzte Trump offenbar gut eine Viertelmillion Dollar an Spendengeldern, um damit die Anwaltskosten zu bezahlen, die im Rahmen seiner Tätigkeit als Unternehmer angefallen waren. Im Oktober schaltete sich die New Yorker Staatsanwaltschaft ein: Die Trump Foundation müsse unverzüglich aufhören, Spenden einzusammeln – ihr fehlt dazu die nötige Zulassung.

Die Trump-University: betrogene Studenten

2005 gründete der Milliardär die "Trump University", eine Privatschule, deren Studenten lernen sollten, wie man reich wird. Das Institut warb damit, dass Trump persönlich Dozenten ausgewählt und Lehrpläne mitgestaltet habe. Tausende Studenten zahlten deswegen bis zu 35.000 Dollar Studiengebühren. Zunächst bekam die Schule Probleme, weil sie den Namen "Universität" zu Unrecht trug, sie war nicht als solche akkreditiert. Mittlerweile klagen ehemalige Studenten, weil sie sich durch die Werbeversprechen betrogen fühlen. 2010 wurde die Schule aufgelöst. Die Verfahren laufen weiter.

Demokratieverständnis: Schon jetzt ein schlechter Verlierer

Beim letzten TV-Duell mit Clinton ließ Trump offen, ob er das Wahlergebnis im Fall seiner Niederlage anerkennen werde. Er verstieß damit gegen einen demokratischen Grundsatz, dass jeder Kandidat einen Wahlausgang zu respektieren hat, sofern er unter korrekten Bedingungen zustande gekommen ist – ob er ihm oder ihr gefällt oder nicht. Bislang war es Usus, dass bei US-Präsidentschaftswahlen der Unterlegene kurz nach Verkündung des Ergebnisses dem Sieger gratuliert. Später sagte Trump, er werde das Ergebnis akzeptieren – "wenn ich gewinne". Auch sprach er immer wieder davon, dass die Wahlen zu seinen Ungunsten manipuliert würden, auch von den Medien.

Aufgrund dieser Äußerungen und der von Trump angeheizten Stimmung unter seinen Anhängern fürchten manche, dass es im Fall seiner Niederlage zu heftigen Protestaktionen oder gar Unruhen kommen könnte.