Manchmal kann Beifall von der falschen Seite ganz schön irreführend sein. Als Donald Trump die US-Präsidentenwahl gewann, klatschten die Abgeordneten in der russischen Duma. Russlands Präsident hatte Trump vor der Wahl mehrfach gelobt. Viele Beobachter sind der Meinung, dass Wladimir Putin mit Donald Trump das große Los gezogen hat. Manche, zum Beispiel die deutsche Linke, dass die Gefahr eines Krieges zwischen den USA und Russland mit Trump gesunken sei. Doch stimmen diese Instant-Urteile wenige Tage nach der Wahl eigentlich? Es gibt gewichtige Argumente dagegen, nur tauchen sie in der Debatte kaum auf.

Aber zunächst zu dem, was für ein gutes Verhältnis zwischen Russland und den USA spricht. Der künftige US-Präsident hat sich im Wahlkampf mehrmals positiv über Putin geäußert. Er ist isolationistisch und will Amerikas globale Verpflichtungen drastisch senken. Er hat die Beistandsverpflichtung der Nato für Balten und andere Nato-Mitglieder in Zweifel gezogen. Er hat im russisch-ukrainischen Konflikt für Moskau Position bezogen. Er fragt: "Wäre es nicht großartig, wenn wir gut mit Russland auskämen?"

Trump soll lukrative Geschäfte mit Russland gemacht haben. Das trifft auch auf den Geschäftsmann und Trump-Berater Carter Page zu. Michael Flynn, ein Ex-US-General, den Trump zu seinem nationalen Sicherheitsberater machen will, traf Putin gar bei einem Dinner und gab Interviews auf dem Staatssender RT. Und Newt Gingrich, der als Außenminister im Gespräch war, dann aber absagte, hat in diesem Sommer auch von Putin geschwärmt.

Hillary Clinton wär ein gutes Feindbild gewesen

Alles richtig, aber viele russische Politiker bleiben im Stillen trotzdem skeptisch gegenüber Trump. Es gab bei manchen in Moskau sogar leise Enttäuschung über seinen Sieg. Zum Beispiel bei den staatlichen TV-Sendern. Seit Jahren berichten sie, dass die USA hinter allem Übel steckten und Verbündete wie Angela Merkel nur subalterne Statisten seien. Wer soll nun der universale Gottseibeiuns in den Nachrichtenshows sein? Hillary Clinton hätte perfekt in die Rolle gepasst. Das Feindbild wird noch gebraucht.

Übrigens vielleicht auch umgekehrt von der neuen Trump-Crew. Newt Gingrich, der für Trump geworben hatte, hat sich 2016 positiv über Russland geäußert, aber vor dem Wahlkampf war er ein Russland-Fresser. Ein zweiter Kandidat ist der Trump-Vertraute Rudolph Giuliani, der diese Woche sagte: "Unser Unwillen, den Einsatz unseres Militärs wenigstens anzudrohen, macht Russland so mächtig." Ein dritter ist John Bolton, ein Radikal-Neokonservativer aus der Bush-Ära. "Wladimir Putin liegt auf der Lauer in Osteuropa und im Mittleren Osten, weil Obamas Politik zu schwach war", urteilte er nach der US-Wahl. Bolton empfiehlt "Schutzstrukturen der Abschreckung" gegen Russland in Europa. So könnte Trumps Außenpolitik auch aussehen.

Aus der Berliner Sicht ist der Aufstieg von autoritären Nationalisten in den USA und Russland beängstigend. Aber das heißt noch lange nicht, dass diese Nationalisten gut miteinander auskommen. Zwischen Russland und den USA gibt es reichlich Konfliktpotenzial – egal, wer an der Macht ist.

Eine isolationistische Politik, wie sie Trump wahrscheinlich verfolgen wird, bedeutet nicht automatisch Akzeptanz russischer Ambitionen in Nahmittelost und Osteuropa. Kein amerikanischer Präsident hat den Rückzug aus dem Mittleren Osten bisher konsequenter betrieben als Barack Obama. Es hat nicht zu einem besseren Verhältnis zu Russland geführt, im Gegenteil.