Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, sieht in der künftigen Präsidentschaft Donald Trumps eine Chance für Europa. Im rbb-Inforadio sagte Ischinger, wenn Trump mit seiner Politik mehr auf Amerika ziele, sei dies an sich nichts Schlechtes. 

Europa müsse lernen, eigenständiger zu handeln. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass Europa  sicherheitspolitisch endlich erwachsen wird", sagte Ischinger. Man habe sich über ein halbes Jahrhundert darauf verlassen können, dass die USA die Westeuropäer im Ernstfall immer schützten.

Ischinger erinnerte daran, dass die USA in den 1990er Jahren in die Jugoslawien-Kriege eingegriffen hatten. Wenn die USA Europa künftig deutlich weniger unterstützten, seien eben die Europäer selbst am Zug. Somit kämen neue Herausforderungen auf Europa zu.

Die amerikanische Bevölkerung habe mit der Wahl ausgedrückt, dass sie mit dem jahrelangen innen- und außenpolitischen Handeln der USA unzufrieden sei. Die zukünftigen Entwicklungen seien interessant zu beobachten, auch wenn unruhige Zeiten auf die Weltgemeinschaft zukämen, sagte der Jurist. Man müsse jedoch nicht in Panik geraten.

"Ich finde das gar nicht so schlecht, wenn Europa auf diese Weise ermahnt wird, ein kleines bisschen mehr für die eigene Sicherheit zu tun", sagte Ischinger. Die Debatte sei nicht neu und die Richtung sei auch keine gänzlich falsche.

Unter der Politik von Präsident Barack Obama seien die Beziehungen zu Russland in den vergangenen Jahren schlechter geworden, sagte Ischinger. Deshalb werte er die Ankündigung Trumps, das Gespräch mit Russland zu suchen, als positive Nachricht für Europa. Die Bedingung sei jedoch, dass Trump sich zunächst zu den Verpflichtungen gegenüber der Nato bekenne.

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