Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat zur Waffenruhe in Aleppo aufgerufen. Die syrische Stadt werde von den Kriegsparteien in die "Hölle" gestoßen, hieß es in einer Erklärung. Truppen von Präsident Baschar al-Assad müssten "illegale" Attacken stoppen und die sichere Evakuierung der beschossenen Viertel ermöglichen. Zudem warf die Organisation Rebelleneinheiten vor, von der syrischen Regierung kontrollierte Gebiete in Aleppo beschossen und dabei Bewohner getötet und verletzt zu haben.

Der scheidende UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat das Versagen der Vereinten Nationen im Syrien-Krieg als die größte Enttäuschung seiner Amtszeit bezeichnet. "Was ich am meisten bereue, jetzt, wo ich aus dem Amt scheide, ist der anhaltende Albtraum in Syrien", sagte Ban bei einer Veranstaltung des UN-Sicherheitsrats in New York.

Er rief den Rat erneut dazu auf, zusammenzuarbeiten und seine Pflicht zu erfüllen, die syrischen Zivilisten zu schützen. "Dieses Gremium hält den Schlüssel zu Frieden und Fortschritt für einige der verletzlichsten Menschen der Welt in der Hand." Am stärksten sei der Rat, wenn er zusammenarbeite, wie etwa in der Ebola-Krise. Wenn er das nicht tue – wie bei Syrien, aber auch bei den Konflikten in der Westsahara und dem Südsudan – könne das "katastrophal" enden.

UN-Sicherheitsrat - "Schämen Sie sich gar nicht?" Samantha Power, US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, hat ihren russischen Kollegen bei der Debatte zu Aleppo im Sicherheitsrat UN angegriffen. Der reagierte mit einem Gegenangriff. © Foto: UNTV

"Das ist ein absolutes Gebot der Menschlichkeit"

Auch die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, ruft die Kriegsparteien zur Einhaltung humanitärer Mindeststandards auf. "Die Gräueltaten an Zivilisten, die wir zurzeit im Osten Aleppos sehen, sind unerträglich", sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Das humanitäre Völkerrecht – das Angriffe auf Zivilisten und zivile Objekte untersagt – "muss immer eingehalten werden", betonte Kofler. "Das ist ein absolutes Gebot der Menschlichkeit", fügte sie hinzu. In der Praxis bedeute das vor allem uneingeschränkten Zugang für die Hilfsorganisationen und ein umgehendes Ende der Angriffe, so die Menschenrechtsbeauftragte.

DRK meldet Spendenrückgang

Das Deutsche Rote Kreuze (DRK) meldet allerdings einen deutlichen Rückgang der Spenden für Syrien. Während das DRK im vergangenen Jahr 1,13 Millionen Euro an Spenden für das Land erreichte, erwartet die Hilfsorganisation für 2016 etwa die Hälfte, berichtet die Funke Mediengruppe. Im sechsten Jahr des Krieges gebe es in der Öffentlichkeit möglicherweise einen gewissen Gewöhnungseffekt, was die Lage in Syrien anbelangt, sagte ein DRK-Sprecher. Gerade die schwierige Lage für die Menschen in Aleppo zeige aber, wie dringend das Rote Kreuz auf Spenden angewiesen sei, um den Menschen vor Ort zu helfen.

DRK-Präsident Rudolf Seiters sagte den Zeitungen, dass die Helfer der Organisation in Aleppo "buchstäblich Überlebenshilfe" leisteten: "Der Bedarf ist immens, aber das Andauern der Kämpfe und der Mangel an Sicherheit erschweren die humanitäre Hilfe sowie auch notwendige Reparaturarbeiten etwa an Infrastruktur und Wasserleitungen gravierend." Den Menschen fehle es an allem. "Nahrung und Medikamente werden dringend benötigt", sagte Seiters. "Die Situation in der Stadt ist katastrophal."

Nach einer groß angelegten Offensive hatten Assad-Truppen und ihre Verbündeten die Rebellen zuletzt auf ein kleines Gebiet in Ost-Aleppo zurückgedrängt. Für Mittwochmorgen war als Teil einer vereinbarten Waffenruhe der Abzug von Aufständischen aus dem Territorium geplant, doch der Deal scheiterte. Kampfjets nahmen ihre Luftangriffe auf die Rebellenenklave wieder auf. Am Mittwochabend teilten Rebellen dann aber mit, dass das Abkommen nun wieder steht und am Donnerstagmorgen umgesetzt werden soll.