Das Wahlergebnis im US-Bundesstaat Pennsylvania, der wie viele Swing States knapp an Donald Trump ging, wird nun doch nicht überprüft. Die bei der Wahl chancenlose Grünen-Kandidatin Jill Stein hat ihren Antrag auf Neuauszählung am Samstag zurückgezogen, wie US-Medien berichteten. Im Kurznachrichtendienst Twitter beklagte sie die hohen Kosten eines Recounts, die mit dem veralteten System der Stimmabgabe zusammenhingen.

Stein hatte per Crowdsourcing Spenden gesammelt, um die Neuauszählung in drei Swing States zu bezahlen. An der günstigeren Neuauszählung in Michigan und Wisconsin hält sie weiter fest. Um Hillary Clinton doch noch zur Präsidentschaft zu verhelfen, hätte Stein beweisen müssen, dass sie in allen drei Staaten vorne lag. Trump hatte den Recount "aberwitzig" genannt und den Initiatoren Betrug vorgeworfen.

Trump-Sieg in den drei Staaten war Überraschung

Für die Neuauszählung hatte sich die Grüne drei Swing States ausgesucht, in denen Trump bei der Präsidentenwahl am 8. November nach amtlichen Ergebnissen besonders knapp und überraschend gewonnen hatte; in allen drei Staaten galt Clinton zuvor als klare Favoritin. Den Recount begründete Stein mit angeblichen "Unregelmäßigkeiten". Unter anderem hatten IT-Experten darauf hingewiesen, dass die in Wisconsin benutzten Wahlautomaten anfällig für Hackerangriffe seien.

Die New York Times zitierte aus einem Schreiben des Anwalts von Stein, die von Pennsylvanias Justiz geforderte Kaution in Höhe von einer Million Dollar sei den Antragstellern nicht zuzumuten. Er verwies darauf, dass die Unterstützer ihres Anliegens "normale Bürger mit normalen finanziellen Mitteln" seien. "Sie können die vom Gericht geforderte Summe von einer Million Dollar nicht aufbringen." Laut Auflistung ihrer Website hat Stein allerdings bereits sieben Millionen Dollar (6,6 Millionen Euro) an Spenden für das Projekt Neuauszählung gesammelt.

"Die Neuauszählung 2016 ist so teuer, weil die gewählten Vertreter es immer abgelehnt haben, in ein dem 21. Jahrhundert angemessenes Wahlsystem zu investieren", twitterte Stein. Sie kündigte für Montag eine Protestkundgebung gegenüber dem Trump Tower in New York an. Sie werde mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln kämpfen, "um die Korrektheit, Sicherheit und Fairness der Wahl zu überprüfen".

Änderung des Wahlergebnisses unwahrscheinlich

Die drei Schlüsselstaaten Pennsylvania, Michigan und Wisconsin waren ein entscheidender Faktor für den Gesamtsieg von Trump. Er profitierte dabei vom komplizierten Wahlsystem in den USA. Denn er siegte, obwohl neuen Zahlen zufolge Clinton ihn im landesweiten Ergebnis um rund 2,5 Millionen Stimmen abhängte.

Der Grund dafür ist, dass der Präsident nicht direkt von den Wählern bestimmt wird, sondern von einem Wahlleute-Gremium. Für dessen Zusammensetzung ist nicht das landesweite Resultat entscheidend, sondern die Ergebnisse in den einzelnen Staaten. In den meisten Staaten bekommt der jeweilige Gewinner sämtliche dortigen Wahlleute zugeschlagen ("The winner takes it all").

Trump hatte versucht, die von Stein angestrebten Neuauszählungen juristisch zu verhindern. Erst Freitag hatte er in Pennsylvania einen Antrag eingereicht, in dem er argumentierte, die Grünen-Politikerin müsse Belege für eine mögliche Verfälschung der Wahlergebnisse präsentieren.

Nach den bisherigen Ergebnissen hatte Trump in Michigan mit einem Vorsprung von rund 10.700 Stimmen, in Wisconsin mit etwa 27.300 und in Pennsylania mit circa 67.400 Stimmen Vorsprung gewonnen. Trotz dieser knappen Ergebnisse gilt es als unwahrscheinlich, dass Neuauszählungen in diesen Staaten etwas am Wahlsieg des Republikaners ändern würden. Seine demokratische Konkurrentin Clinton unterstützte zwar die Initiative Steins, ihr Team sowie sie selbst hielten sich dabei aber im Hintergrund.