So wie er seinen Wahlkampf geführt hat, so stellt Donald Trump nun sein Kabinett zusammen. Er ignoriert Traditionen und Gebräuche und provoziert seine Gegner mit der Ernennung von umstrittenen Figuren wie Steve Bannon, dem ehemaligen Chefredakteur der ultrarechten Medienorganisation Breitbart. Trump machte ihn trotz Protesten zu seinem Chefstrategen im Weißen Haus. 

Unter seinen Vorgängern fand die Suche nach geeigneten Chefs für so entscheidende Ressorts wie Finanzen oder Verteidigung diskret hinter den Washingtoner Kulissen statt. Kandidaten wurden vorab vom Team des neuen Präsidenten auf Erfahrung, Schwächen und potenzielle Probleme abgeklopft. Die Presse musste darauf warten, dass Insider ihnen Namen zuspielten. Trump dagegen hat die Auswahl seiner Regierungsmitglieder zum Spektakel gemacht. Zwar muss der Senat seine Kabinettsmitglieder noch bestätigen. Doch das hat Trump nicht daran gehindert, wie einst in seiner Reality-TV-Show The Apprentice Bewerber im Trump Tower oder in seinem Golfclub in New Jersey vorsprechen zu lassen. 

Meist allerdings nur, um einen Tag später jemand anderes ins Spiel zu bringen. Besonders seine Wahl des nächsten US-Außenministers – nach dem Präsidentenamt das wichtigste einer US-Regierung – hat Trump genutzt, um nahezu ein Dutzend Anwärter dazu zu bringen, öffentlich um seine Gunst zu werben. Sogar Mitt Romney, der im Wahlkampf noch der Kopf der Anti-Trump-Bewegung bei den Republikanern war und ihn einen "Schwindler" nannte, versuchte bei einem Abendessen mit Trump in einem von dessen Hotelrestaurants, den Posten für sich zu ergattern. Er habe zunehmend Hoffnung, dass Trump die Nation in eine bessere Zukunft führe, erklärte Romney hinterher. Doch Trump entschied sich anders. Noch am Dienstag soll er Rex Tillerson, der Chef des Ölmultis Exxon, zum obersten US-Diplomaten küren.

Wie die meisten Kabinettsmitglieder, die Trump bisher nominiert hat, ist Tillerson männlich und weiß. Der Texaner hatte noch kein öffentliches Amt inne, er war sein ganzes Berufsleben bei Exxon. Seine internationale Kompetenz hat Tillerson als Konzernchef gewonnen, der weltweit aggressiv Förderprojekte von Aserbaidschan bis in den Jemen verfolgte. Mit Wladimir Putin ist der 64-Jährige vertraut. Nach einer Vereinbarung, die Exxon Zugang zur Antarktis verschafft, erhielt er von Putin die Freundschaftsmedaille. Tillerson ist ein Gegner der Sanktionen gegen Russland, die nach der Invasion der Krim und den Interventionen in der Ukraine verhängt wurden. Wie Trump selbst hätte auch Tillerson einen Interessenkonflikt: Laut der Börsenaufsicht hält er Exxon-Aktien in Höhe von mehr als 150 Millionen Dollar. Tillerson gehört zu den bestbezahlten Unternehmenschefs des Landes.

Reichtum und Loyalität als Schlüsselqualifikationen

Tatsächlich ist Trumps Kabinett, obwohl noch nicht alle Posten besetzt sind, bereits das reichste in der US-Geschichte. Die Mitglieder verfügen zusammen über 14 Milliarden Dollar, mehr als 30 Mal so viel wie das Kabinett von George W. Bush, das bereits als sehr wohlhabend galt. Reich zu sein bedeutet in Trumps Welt, erfolgreich und damit qualifiziert zu sein. Das gehörte bereits zum Grundkonzept von Trumps TV-Show, der er seine Bekanntheit verdankt.

Beim Apprentice wetteiferten Kandidaten um Trumps Zustimmung. Die Show bestand aus Tests, die zwar als unternehmerische Herausforderungen ausgelobt wurden, doch letztlich wenig anders waren als eine Spieleshow. Der Erfolg bemaß sich nach dem Geld, das die Kandidaten dabei einspielten – etwa mit dem Verkauf von Limonade. Der Gewinn war dann ein Job in Trumps Unternehmen. Nach einem ähnlichen Denkschema vergibt der neu gewählte Präsident der USA nun seine Ministerposten.