Mit einem Aufruf zur Geschlossenheit an die politische Linke hat der sozialistische Präsident François Hollande angekündigt, sich nicht noch einmal auf das Amt zu bewerben. Hollande ist seit 2012 Staatspräsident. Es ist seine erste Amtszeit.

Hollandes Beliebtheitswerte sind seit Monaten historisch schlecht. Zuletzt schadete ihm ein Buch, in dem er sich frappierend freimütig über politische Gegner äußert. Demzufolge stieg der Druck auf ihn, nicht zu kandidieren. So hielt sich Premierminister Manuel Valls, der wie Hollande Mitglied der sozialistischen Partei ist, eine Kampfkandidatur offen. Nach aktuellen Umfragen hätten die Sozialisten mit Hollande kaum Chancen auf einen Wahlsieg gehabt.

In einem kurzfristig angekündigten Statement im Élysée-Palast sagte Hollande, er sei sich der Risiken bewusst, die eine Kandidatur ohne ausreichende Unterstützung mit sich brächte. Er warnte davor, dass das Land künftig von François Fillon oder Marine Le Pen regiert werden könnte.

Besorgt um die "Einheit der Nation"

Der Präsident blickte selbstkritisch auf sein Wirken zurück. Er räumte Verzögerungen und Fehler ein. Es habe aber auch Fortschritte gegeben, zum Beispiel beim Thema Arbeitslosigkeit, auch wenn sich diese Fortschritte erst seit kurzem zeigten. In dieses Thema habe er seine ganze Energie investiert. "Es geht nicht um eine Person, sondern um die Zukunft unseres Landes", sagte er. Die Einheit der Nation sei wichtiger als eine Person.

Es ist das erste mal in der Geschichte der Fünften Republik, dass ein Präsident sich nicht auf eine zweite Amtszeit bewirbt. Die Franzosen wählen im April 2017 ein neues Staatsoberhaupt. Wahrscheinlich kommt es dann im Mai zu einer Stichwahl. Bis dahin will Hollande im Amt bleiben.

Als Kandidat der konservativen Republikaner steht der ehemalige Premierminister Fillon fest. Bei den Sozialisten werden nun Valls Chancen auf die Kandidatur nachgesagt. Außerdem tritt Emmanuel Macron als unabhängiger Kandidat an. Vonseiten des rechtsextremen Font National wird eine Kandidatur der Parteivorsitzenden Le Pen erwartet. Wahrscheinlich ist eine Stichwahl zwischen Fillion und Le Pen.